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Tag der Wahrheit: Heute wird die B-Probe des Tischtennis-Nationalspielers Dimitrij Ovtcharov geöffnet

Sehen so die Augen eines Dopingsünders aus?

So sehen doch nicht die Augen eines Dopingsünders aus, oder? Dass unser Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov gedopt haben soll, können selbst Doping-Experten kaum glauben, weil Doping mit Clenbuterol im Tischtennis so gut wie nichts bringt. Und bisher galt Tischtennis im Gegensatz zum Radfahren, zur Leichtathletik etc. nicht gerade als dopingverdächtige Sportart.

veröffentlicht am 30.09.2010 um 20:06 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 09:22 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Ovtcharov jedenfalls versichert, nicht gedopt zu haben. Um das zu beweisen, hat der 22-Jährige darauf gedrängt, seine B-Probe zu öffnen. Heute wird seine zweite Urinprobe im Labor des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule in Köln von Prof. Dr. Wilhelm Schänzer untersucht. Für Ovtcharov ist heute also der Tag der Wahrheit.

Fest steht: „Dima“, wie ihn seine Freunde nennen, droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren, wenn es ihm und seinem Anwalt Michael Lehner nicht gelingen sollte, seine Unschuld zu beweisen. Und das wird schwer genug. Denn bei einer vor etwa fünf Wochen durchgeführten Doping-Kontrolle wurde in seinem Urin die verbotene Substanz Clenbuterol gefunden – ein sehr gut nachweisbarer anaboler Wirkstoff, der für Muskelzuwachs sorgt. Es ist der erste Dopingfall im Tischtennis. Bis zum noch ungelösten Fall Ovtcharov galt die Sportart als sauber. Doch jetzt gibt es viele Fragen – und nur wenig Antworten.

Wenn Clenbuterol im Urin gefunden wurde, war der Wirkstoff auch im Körper. Die Frage ist, hat Ovtcharov absichtlich gedopt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, oder hat er den Wirkstoff, der in der Medizin zur Behandlung von Asthma eingesetzt wird, vielleicht durch eine Mahlzeit während seines Aufenthalts bei den China Open unbeabsichtigt aufgenommen. Ovtcharov, der am 23. August, einen Tag nach seiner Rückkehr aus China, kontrolliert wurde, mutmaßt nämlich, dass möglicherweise ein Stück verseuchtes Fleisch Schuld an seiner positiven Doping-Probe sein könnte. Ganz abwegig ist sein Erklärungsversuch nicht. Das sagen jedenfalls Doping-Experten wie Werner Franke, Wolfgang Jelkmann und auch andere.

Trotzdem hat Ovtcharov schlechte Karten. Ein positiver Dopingtest ist quasi so, als würde man den Sportler in flagranti auf frischer Tat beim Dopen ertappen. Deshalb reicht ein positiver Test in der Regel auch als Beweis aus, um den mutmaßlichen Dopingsünder zu sperren. Das wäre für den zurzeit suspendierten Ovtcharov, der gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, eine absolute Horrorvorstellung: „Dann wäre meine Karriere zerstört.“ Deshalb will er alles dafür tun, seine Unschuld zu beweisen.

Die Frage, warum und wie Clenbuterol in seinen Körper gelangte, ist noch ungeklärt. Ovtcharov beteuert, „dass ich unschuldig bin“. Doch wenn auch das Ergebnis der B-Probe positiv sein sollte, was der Fall sein dürfte, wird es für ihn eng. In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten, gilt für Ovtcharov nämlich nicht, weil im Anti-Doping-System die Beweislast bei den Sportlern liegt. Im Klartext: Weil ein positiver Test vorliegt, muss Ovtcharov seine Unschuld beweisen. Wenn sich durch eine Reihe von Indizien am Ende herausstellen sollte, dass das Clenbuterol unabsichtlich in Ovtcharovs Körper gelangt ist, will sich sein Anwalt Michael Lehner mit einer Minderung der Strafe nicht zufriedengeben. Das Ziel ist ein Freispruch.



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