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Bronze-Coup seines Sohnes beim Olympia verfolgt der 51-Jährige zu Hause vorm Fernseher

Mikhail Ovtcharov – der Vater des Erfolges

Er ist der Vater des Erfolges – aber auch nach dem Bronze-Coup seines Sohnes Dimitrij bei Olympia hält sich Mikhail Ovtcharov lieber im Hintergrund.

veröffentlicht am 14.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

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Früher habe ich immer mit meinem Vater trainiert, noch bevor der zur Arbeit gegangen ist“, plauderte Tünderns-Tischtennis-Idol Dimitrij Ovtcharov vor seinem Bronze-Coup bei Olympia aus dem Nähkästchen. „Das war oft schon vor 7 Uhr morgens.” Als kleiner Junge spielte „Dima“ mit seinem Vater am heimischen Küchentisch Ping Pong. So fing alles an.

Aus dem Supertalent ist in den vergangenen Jahren ein Weltklasse-Spieler geworden. Ohne Mikhail Ovtcharov wäre das wohl nicht möglich gewesen. Im Gegensatz zu früher trainiert der Vater seinen Sohn zwar nur noch, wenn Dimitrij, der als Tischtennis-Profi inzwischen ein Weltenbummler ist, seine Eltern ein paar Tage zu Hause in Tündern besucht. Aber Mikhail Ovtcharov und seine Frau Tatjana sind immer da, wenn Dimitrij sie braucht.

Als sein Sohn bei Olympia um Bronze kämpfte, war Mikhail Ovtcharov übrigens nicht in London. Er saß ganz allein vor dem heimischen Fernseher: „Ich habe das lieber ganz still für mich erlebt, nicht unter vielen Leuten“, erklärt der schmächtige, freundlich zurückhaltende, fast schüchtern wirkende Mann. Große Gefühlsausbrüche sind seine Sache nicht, dabei hätte er dazu allen Grund, bringt doch sein Sohn Dimitrij gleich zwei Bronzemedaillen mit nach Hause.

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Ovtcharov, der in der aktuellen Weltrangliste als Neunter erstmals unter den Top 10 ist, hat dem deutschen Tischtennis einen historischen Tag beschert. Noch nie hat ein deutscher Tischtennisspieler bei denselben olympischen Spielen gleich zwei Medaillen gewonnen. Dimitrij Ovtcharov hat diesen Traum mit dem dritten Platz im Einzel- und im Mannschaftswettbewerb wahr werden lassen. „Nein, wir haben nicht gleich per Handy angerufen, denn er hat sicherlich in diesen Momenten viele E-Mails, Anrufe und SMS bekommen, da haben wir ihm erst einmal etwas Ruhe gelassen und später am Abend kurz mit ihm telefoniert“, berichtet Dimitrijs Vater. Dann aber habe es ein intensives, kurzes, sehr bewegendes Gespräch gegeben, sagt der 51-Jährige nicht ohne Rührung.

Tischtennis und Sport liegen bei den Ovtcharovs in der Familie. Der studierte Diplomsportlehrer aus Kiew war selbst Mitglied der ehemaligen sowjetischen Nationalmannschaft und 1982 sowjetischer Tischtennis-Meister. Zusammen mit seiner Frau Tatjana, die er 1987 heiratete, kam er 1992 nach Deutschland. „In Bückeburg habe ich Physiotherapeut gelernt und arbeite seit 1998 in Bad Münder im Physikalischen Therapiezentrum und in der REHA-Klinik am Deisterhang“, erklärt er. Seine Frau ist als Sportlehrerin an der Christopherus-Schule in Elze angestellt. Seinem Sohn, der am 2. September 24 Jahre alt wird, hat er den Tischtennissport mit in die Wiege gelegt, ihn in Tündern als Trainer durch alle Ligen bis in die Bundesliga begleitet. „Jetzt ist er Profi, lebt er in Düsseldorf, spielt und trainiert im Deutschen Tischtennis-Zentrum.“

Auch nach Olympia wird bei den Ovtcharovs alles seinen gewohnten Gang weiter gehen. „Sicher ist der Bekanntheitsgrad von Dimitrij gestiegen, aber es bleibt kaum Zeit zum feiern: China Open, die Europameisterschaft in zwei Monaten, die Pro Tour-Wettbewerbe, die Champions League-Spiele, alles das steht noch bis November an“, so Mikhail Ovtcharov.

Sein Sohn wird aus London direkt nach Düsseldorf zurückkehren, und für Vater und Mutter geht die alltägliche Arbeit wie gewohnt weiter. Zweimal Bronze, ein toller Erfolg, aber viel Aufhebens macht Mikhail Otcharov davon nicht. Trotz dieser wahrhaft olympischen Bescheidenheit strahlt der stolze Vater dennoch von innen heraus vor Glück. Zu Recht, denn wer hat schon einen Sohn, der olympisches Edelmetall gleich im Doppelpack errungen hat. eaw/aro

 

 

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