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Wiebke Hölscher holt DM-Silber – trotz Fußverletzung

„Ich bin überglücklich“

Pirna. Erst feierte sie ihren 35. Geburtstag, dann machte sich Wiebke Hölscher einen Tag später selbst das schönste Geschenk: Eigentlich hatte sich die Kunstturnerin des VfL Hameln bei den deutschen Seniorenmeisterschaften einen Platz in den Top Ten vorgenommen – und am Ende gewann sie sogar völlig überraschend die Silbermedaille – trotz Fußverletzung. „Ich bin überglücklich bis zum Schluss gekämpft zu haben und mit meiner Silbermedaille belohnt worden zu sein“, war die 35-Jährige nach ihrem Überraschungscoup total happy. Es ist ihr größter Erfolg seit ihren sensationellen deutschen Meistertitel in der Altersklasse 30 bis 34 vor fünf Jahren – und vielleicht auch ihr letzter. „Ich habe mich zwar noch nicht entschieden, aber es kann sein, dass das mein letzter Wettkampf war.“ Es sei auf jeden Fall ihr heißester Wettkampf gewesen – bei 38 Grad Hitze, sagt Hölscher, die in Pirna von Trainer Rolf Häsemeyer und ihrem Vater betreut wurde. Der war schon als Trainer an ihrer Seite, als seine inzwischen 35-jährige Tochter mit sechseinhalb Jahren ihren ersten Wettkampf im Kunstturnen absolvierte. Sie sei praktisch in der Turnhalle von Barnstorf aufgewachsen, weil ihr Vater dort Trainer war, sagte Hölscher einmal, die inzwischen auf eine beeindruckende Karriere als Kunstturnerin zurückblicken kann. 1989 wurde sie das erste Mal Landesmeisterin. Seit 2002 startet sie für den VfL Hameln – und gewann etliche Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Jetzt kam eine weitere dazu – mit der sie zumindest geliebäugelt hatte.

veröffentlicht am 07.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Hölscher, deren Sohn Fin Luca beim Training und den Wettkämpfen als Glücksbringer immer dabei ist, trat im Kür-Vierkampf an. Und der Wettkampf begann mit einem sicheren Sprung und einer Punktzahl von 12,95 richtig gut: „Das war ein guter Anfang.“ An ihrem Paradegerät, dem Stufenbarren, turnte sie sauber und beendete ohne Fehler die Übung mit einem Schraubensalto. Dafür erhielt sie von den Wertungsrichtern eine sehr gute 13,0. Dann kam – im wahrsten Sinne des Wortes – der „Zitterbalken“. Um kein Risiko einzugehen, nahm Häsemeyer am Schwebebalken die Übung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad heraus. Sie ging auf Nummer sicher. Mit 12,7 Punkten wahrte sie vor der abschließenden Bodenübung ihre Medaillenchancen. „Am Boden wollte ich noch einmal alles geben“, sagte Hölscher. Doch dann passierte es. Gleich bei der ersten Akrobatik, ein Strecksalto rückwärts, knickte sie nach der Landung um. Der Traum von der Medaille drohte zu platzen, doch Hölscher turnte trotz Verletzung und Schmerzen weiter. Und wie! Angefeuert von ihrem Ehemann Sven, ihrem Sohn Finn-Luca und jeder Menge Adrenalin kämpfte sie bis zum Schluss und wurde sogar mit ihrer Tageshöchstwertung (13,45 Punkte) belohnt. Mit insgesamt 52,1 Punkten wurde die Hamelnerin hinter Bente Grams aus Schleswig-Holstein (53,0 Punkte) deutsche Vizemeisterin – trotz Verletzung. Und die machte ihr auch bei der Siegerehrung zu schaffen. Im Handstandlauf ging es zum Siegertreppchen – „denn auf den Füßen ging ja nichts mehr“.



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