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Haaranalyse soll die Wahrheit ans Licht bringen

Hoffnung für Ovtcharov? Das sagt der Doping-Experte

Die Doping-Probe lügt nicht. Wenn dem Labor kein Messfehler unterlaufen ist, wird die B-Probe die positive A-Probe zu 99,9 Prozent bestätigen. Gibt es trotzdem noch Hoffnung für unseren ins Zwielicht geratenen Tischtennis-Star Dimitrij Ovtcharov?

veröffentlicht am 24.09.2010 um 17:26 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 09:22 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Der 22-jährige Nationalspieler („Ich bin unschuldig“) hat zwar keine Erklärung dafür, warum in seinem Urin der verbotene Wirkstoff Clenbuterol gefunden wurde, aber eine Vermutung: Es könnte sein, dass er in China ein Stück Fleisch gegessen habe, das möglicherweise von einem „gedopten“ Rind stammte. Für den Laien klingt diese Theorie dubios, doch ganz abwegig ist sie offenbar nicht. Das meint jedenfalls unser Experte Prof. Dr. med. Wolfgang Jelkmann vom Institut für Physiologie der Universität Lübeck, der auch als Gutachter für die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) tätig ist. „Ich halte das durchaus für möglich.“ Es gebe Hinweise, dass Clenbuterol unter anderem auch in China verbotenerweise als Tiermastmittel eingesetzt wird. Der Doping-Experte bezweifelt, dass Doping im Tischtennis, insbesondere mit Clenbuterol, überhaupt Sinn hat. Bei Clenbuterol handelt es sich laut Jelkmann um einen Wirkstoff, der in der Medizin zur Behandlung von Asthma eingesetzt wird. Bei sehr hoher Dosierung hat Clenbuterol eine anabole Wirkung. Durch eine missbräuchliche Anwendung kann beim Menschen ein leistungssteigender Effekt erzielt werden. Muskeln werden aufgebaut. „Im Labor lässt sich Clenbuterol sicher nachweisen“, so Jelkmann. Die Chance, bei einer Doping-Kontrolle unentdeckt zu bleiben, sei sehr gering – sofern danach gesucht wird. Im Urin von Ovtcharov wurde die verbotene Substanz gefunden. Selbst wenn die B-Probe das positive Ergebnis der A-Probe bestätigt – was der Fall sein dürfte, wenn dem Labor kein Messfehler unterlaufen ist – will Ovtcharov gegen die drohende zweijährige Doping-Sperre kämpfen: „Ich werde alles dafür tun, meine Unschuld zu beweisen.“ Eine Haaranalyse soll die Wahrheit ans Licht bringen – wie im Jahr 2000 bei der Kokain-Affäre um Christoph Daum.

Dass Ovtcharov mithilfe einer Haarprobe seine Unschuld beweisen will, hält Jelkmann für einen klugen Schachzug. Man könne so Hinweise bekommen, ob er regelmäßig die verbotene Substanz zu sich nahm. Wochen nach der positiven Probe einen eindeutigen Beweis zu liefern, sei aber nicht möglich. Sollte Ovtcharov bei der Sportgerichtsverhandlung glaubhaft nachweisen können, dass das Mittel unbeabsichtigt in seinen Körper gelangt ist, wäre er aus dem Schneider. Dann könnte er mit einer kürzeren Sperre davonkommen. Eine entsprechende Klausel der WADA ist seit 2009 in Kraft. Rückendeckung bekommt Ovtcharov von Doping-Jäger Werner Franke, der seine Darstellung des Sachverhalts für absolut glaubhaft und überzeugend hält: „China ist in Bezug auf Essen das dreckigste Land der Welt.“ Kritik übt Franke an den Verbänden: „Wer Athleten bei einer solch bekannten Sachlage ohne Warnung oder gar eigenes Essen nach China reisen lässt, macht sich an den Aktiven schuldig. Denn damit wird eine positive Dopingkontrolle riskiert und beinahe schon provoziert.“

Prof. Dr. Wolfgang Jelkmann


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