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Ines Heinze, Imre Morva und Günther Vogt meistern den Langdistanz-Triathlon von Roth

Glücksgefühle entschädigen für die Schinderei

Triathlon (jab). Die Sieger bei der Roth-Challenge, Deutschlands wohl berühmtestem Triathlon, stellten neue Weltbestzeiten auf. Für Günter Vogt kein Wunder: „Ich habe sie ja auch vor mir hergetrieben“, sagt er lachend. Er hat seinen Humor nicht verloren, dabei war sein erster Langdistanz-Triathlon – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen – zumindest in der zweiten Hälfte die reinste Quälerei.

veröffentlicht am 13.07.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:21 Uhr

Triathlon (jab). Die Sieger bei der Roth-Challenge, Deutschlands wohl berühmtestem Triathlon, stellten neue Weltbestzeiten auf. Für Günter Vogt kein Wunder: „Ich habe sie ja auch vor mir hergetrieben“, sagt er lachend. Er hat seinen Humor nicht verloren, dabei war sein erster Langdistanz-Triathlon – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen – zumindest in der zweiten Hälfte die reinste Quälerei. „45 Kilometer vor dem Ende der Radstrecke ist mir jemand in die Seite gefahren und ich bin im Graben gelandet“, erzählt er. „Von da an hatte ich Krämpfe.“ Dazu kam noch eine Blase unter dem Fuß, dennoch biss Vogt sich durch, kam nach 14:20:37 Stunden ins Ziel. Damit war um 21.50 Uhr der „Iron Man“ Günter Vogt geboren – nur knapp zwei Stunden vor seinem 58. Geburtstag.

Angestoßen hat er darauf mit Ines Heinze und Imre Morva, seinen Teamkollegen vom SC Bad Münder, die in Roth ebenfalls ins Ziel kamen, allerdings knapp zwei Stunden schneller waren. Heinze benötigte 12:19:13 Stunden für ihren ersten „Iron Man“, Morva für seinen zweiten 12:08:46 Stunden. „Dass meine Zeit so dicht an der von Imre ist, ist für mich unfassbar“, sagt Heinze. Noch eineinhalb Tage nach dem Wettkampf meint man durchs Telefon das Dauergrinsen auf ihrem Gesicht zu sehen. „Ich bin so happy“, sagt die 43-Jährige. „Ich habe keinen Muskelkater. Mir geht es super gut.“ Wenn sie mal eine Träne verdrückt habe, dann allenfalls aus Freude über die Anfeuerung der Zuschauer, darunter auch die Partner der drei Münderaner.

Der Tag sei nur so an ihr vorübergeflogen, erzählt sie. Nicht einmal sei ihr der Gedanke ans Aufgeben gekommen. Das war bei Vogt anders, besonders nach seinem Sturz. Was ihm geholfen hat: „Ich habe die Gesichter der anderen Sportler gesehen“, sagt er. „Die haben auch gelitten, aber aufgegeben haben sie auch nicht.“ Für zusätzliche Motivation sorgte das Publikum, besonders am Solarerberg auf der Radstrecke. „Da bilden die Zuschauer eine Gasse, sind zum Teil nur 20 Zentimeter von dir entfernt und klopfen dir auf die Schulter“, sagt Morva, der seine Zeit vom ersten Iron Man vor einem Jahr in Limmer um zwei Minuten unterbot. „Aber die Zeiten spielen eine zweitrangige Rolle“, sagt der 44-Jährige. Viele Leute habe er nach dem Wettkampf im Betreuungszelt getroffen, keiner habe über die Zeiten geredet, „nur darüber, wie sie sich motiviert haben. Die größte Hürde ist nämlich tatsächlich im Kopf“.

Was das SC-Trio neben der professionellen Organisation noch beeindruckte: „Die familiäre Atmosphäre“, sagt Morva, der sich direkt nach dem Zieleinlauf noch sagte: nie wieder. „Nach sechs Stunden dachte ich dann: Na ja. Und als am nächsten Tag das Adrenalin und die Endorphine kamen, wusste ich: Ich mache es auf jeden Fall wieder.“

Einen ganz besonderen Lohn für die Schinderei erhielt übrigens Vogt. Er lief ein einsames Rennen und kam daher allein auf die Schlussrunde ins Stadion. „Alle Zuschauer sind in dem Moment nur für mich aufgestanden“, sagt er stolz. Und dann hängte ihm auch noch Sebastian Kienle, der in 7:57:06 Stunden den zweiten Platz belegt hatte, die Finisher-Medaille um. „Er hat gefragt: Wie kann man sich nur so quälen.“ Was er geantwortet hat, sagt Vogt nicht. Aber die Glücksgefühle werden wohl für Einiges entschädigen.



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