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Familie und Beruf sind für Benstorfer Schwergewichtler wichtiger als seine Sportkarriere

Florian Unger – ein Amateur trotzt den Profis

Ein Box-Gym im Keller sieht für gewöhnlich etwas anders aus. Doch ganz so wie bei Rocky Balboa ist es eben nicht in der Oldendorfer Sporthalle. Hier ist es hell und gut belüftet, aber auch hier wird unter der Regie von Trainer Helmut Unger hart gearbeitet. Sein Sohn Florian Unger und die anderen Boxer des TSV müssen ein strammes Programm durchziehen.

veröffentlicht am 10.12.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:41 Uhr

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Zu Beginn der Trainingseinheit steht eine Runde Basketball auf dem Programm, dann erst bittet Helmut Unger zum eigentlichen Aufwärmprogramm. Laufübungen, Sit-Ups, Liegestütze und Boxschritte – langsam kommen die Faustkämpfer auf Touren. Erst nach einiger Zeit werden die Hände bandagiert, beginnen die ersten leichten Boxübungen. Körper tauchen nach links oder rechts ab und weichen so angedeuteten Schlägen im Sparring aus. Spätestens jetzt fließt auch der Schweiß in Strömen, ist den Boxern die Anstrengung anzusehen. Und immer wieder erklärt Trainer Helmut Unger die Übungen. „Aufwärtshaken, Führhand“, hallt es durch die Sporthalle. Florian Unger beherzigt die Anweisungen seines Vaters und lässt es im Sparring mit den beiden großen Talenten Roman Grundentaller und Denis Peter ordentlich krachen.

Die drei Boxer wechseln sich im eigens aufgebauten Ring in der Mitte der Halle beim Sparring ab. Jeder absolviert zwei Runden Sparring – danach ist eine Runde Pause. Bereits mit acht Jahren kam Florian Unger durch seinen Vater zum Boxen. Dieser hatte früher selber beim MTV Coppenbrügge die Handschuhe geschnürt. Doch Anfang der Achtziger wechselte er zum TSV Benstorf-Oldendorf und betreut dort seitdem auch den Nachwuchs. Zeitweise toben dort über 40 Jugendliche und Erwachsene beim Training durch die Halle. Der Verein hat mittlerweile fünf Trainer, die sich um die Sportler kümmern. Florian Unger hat mittlerweile mehrfach Landesmeister- oder andere Titel wie den des Nordwestdeutschen Meisters gewonnen. Nur zur Deutschen Meisterschaft hat es bislang noch nicht gereicht.

„Hier ist er bisher maximal Dritter geworden, aber er ist mit seinen 24 Jahren ja noch jung“, hofft sein Trainer noch auf den ganz großen Coup. Bei den letzten deutschen Meisterschaften schied Florian Unger unglücklich im Achtelfinale gegen den Berliner Meister Sahin Burak mit einem Punkt Unterschied aus. Dabei lag er nach zwei Runden noch klar vorne. „Doch in der dritten Runde hatten wir das Gefühl, das die Punktrichter Fingerlähmung haben. Klare Treffer von Florian wurden nicht gezählt. Im nächsten Jahr trainieren wir dann aber halt noch härter“, verspricht Helmut Unger.

Neben dem Boxen arbeitet Florian noch Vollzeit bei dem örtlichen Naturkosmetikhersteller „Logocos“ in Oldendorf. Im Vergleich zu den anderen Kämpfern in der nationalen Spitze des Super-Schwergewichts ist er mit seiner hauptberuflichen Arbeit die absolute Ausnahme. Alle anderen Boxer seiner Klasse sind bei Sportfördergruppen oder Ähnlichem und trainieren unter Profibedingungen.

Florian Unger aber trainiert nur nach der Arbeit und vor großen Turnieren sogar täglich. Auf sein Talent sind aber schon mehrere aufmerksam geworden. So boxt er mittlerweile für Hertha BSC Berlin in der Bundesliga. Aber auch dort gibt es keine großen Verdienstmöglichkeiten. Der Verein zahlt lediglich Fahrt- und manchmal auch Übernachtungskosten. „Ohne diese Zuschüsse wäre so ein aufwendiger Betrieb von Amateursport gar nicht möglich. Wir opfern schon sehr viel Freizeit, und der finanzielle Zuschuss hilft dann wenigstens ein bisschen“, ist Unger froh über die Unterstützung des Vereins. Für einen Wechsel ins Profilager müsste Unger aber in die Nähe eines Boxstützpunktes ziehen und seinen Heimatort verlassen. Doch das kommt für den 24jährigen nicht in Frage: „Meine Familie, meine Frau und meine Zukunft in der Firma sind mir wichtiger.“



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