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Ruder-Bundesliga: Vorletzter Platz – schlechtestes Saisonergebnis für den RV Weser

Ein gebrauchter Tag

MINDEN. Die Startnummer 13 hat dem Sparkassen-Achter des RV Weser kein Glück gebracht. Am 3. Renntag der Ruder-Bundesliga in Minden wurden die Hamelner nur Vorletzter – das bisher schlechteste Saisonergebnis.

veröffentlicht am 15.07.2018 um 15:46 Uhr

Sie haben alles gegeben und bis zur Erschöpfung gekämpft - trotzdem reichte es für den Bundesliga-Achter des RV Weser in Minden nur zum 17. Platz. Foto: aro
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Sie haben alles gegeben und bis zur Erschöpfung gekämpft. Gereicht hat es trotzdem nicht, obwohl sie in den vergangenen Wochen hart trainiert haben. Am 3. Renntag der Ruder-Bundesliga hagelte es für den Sparkassen-Achter des RV Weser, der schon im Zeitlauf mit 1:02,82 Minuten einen enttäuschenden 15. Platz belegte, eine Niederlage nach der anderen.

Einziger Lichtblick war das letzte Sprint-Duell des Tages, das die Hamelner um Schlagmann Thore Wessel klar gegen den Salzland-Achter Bernburg gewannen. Es war der einzige Sieg für die „Rattenfänger“, die sich zuvor den Bundesligateams aus Witten, Bremen und Rüdersdorf-Pirna geschlagen geben mussten.

Unterm Strich ist der vorletzte Platz das bisher schlechteste Saisonergebnis für den RV Weser, der mit elf Punkten in der Tabelle auf den 16. Platz abrutschte. Ursprünglich waren die Top 12 das Saisonziel, aber davon ist der RV Weser momentan meilenweit entfernt. Die Konkurrenz in der „stärksten Sprint-Liga der Welt“ ist einfach zu stark.

Die vielen Zuschauer, die sich auf der rund ein Meter hohen Kaimauer tummelten und die Bundesliga-Achter lautstark anfeuerten, konnten direkt in die schmerzverzerrten Gesichter der Ruderer blicken und schon fast ihren Pulschlag spüren. Denn die Trogbrücke, die beim Wasserstraßenkreuz in Minden über rund 13 Meter tiefer gelegene Weser führt, ist 390 Meter lang und nur 24 Meter breit. Näher dran geht nicht. Nur bei der weltberühmten „Henley Royal Regatta“ in England ist die Bahnbreite genauso schmal. Für Merle Wessel, die als Steuerfrau im Boot den Ton angibt und im Achter der verlängerte Arm von Trainer Christian Wellhausen ist, war die schmale Strecke „eine große Herausforderung, denn hier wird jeder Fehler sofort bestraft“. Wenn nur einer im Achter aus dem Schlagrhythmus kommt, weil er das Blatt seines Skulls zu tief ins Wasser tunkt und hängen bleibt, kann man sich einen „Krebs“ fangen, wie man im Ruderfachjargon sagt. Der „Krebs“, der das Boot aus dem Gleichgewicht und sogar zum Kentern bringen kann, blieb den Hamelnern zum Glück erspart.

Die Sprint-Rennen auf der 390 Meter langen Strecke dauern zwar im Schnitt nur rund eine Minute, die fühlt sich aber laut Kapitän Lars Adomat wie eine Ewigkeit an und kostet sehr viel Kraft: „Die Strecke in Minden ist etwas länger als sonst. Die letzten 50 Meter sind extrem brutal. Du spürst, wie das Laktat im Blut durch deine Adern strömt.“ Durch das fiese Brennen, der durch die extrem hohe Belastung übersäuerten Muskeln, fühlen sich die Arme und Beine im Schlussspurt umso schwerer an. Wie alle Ruderer war auch Adomat nach der Überquerung der Ziellinie stehend k. o., zumal Hamelns Kapitän nach seiner Hüft-Op noch nicht hundertprozentig fit ist: „Das wird noch einige Zeit dauern. Durch die monatelange Verletzungspause habe ich viel Muskelmasse verloren – insbesondere am Oberschenkel. Das spürt man schon, gerade auf den letzten Metern.“

Um die Kräfte zu schonen, setzte Trainer Christian Wellhausen in Minden auf das Rotationsprinzip. Roelof und Ronald Bakker, Eike Brockmann, Henrik Burgdorf, Moritz Quast, Jonathan Schlösser, Thore Wessel, Christopher Winnefeld, Nils Hawranke, Niklas Hölscher, Emre Tas, Nick Armgardt und Lars Adomat wechselten sich im Achter ab. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Bereits am Vormittag deutete sich an, dass es für die Hamelner ein gebrauchter Tag werden sollte: „Beim Zeitlauf waren wir wohl noch nicht richtig wach. Da haben wir den Start total verschlafen“, so Wellhausen. Ihre Tagesbestzeit (1:02,17) fuhren die Hamelner im Achtelfinale, das trotzdem verloren ging. Nach der schwachen Leistung im Viertelfinale ging es für den RV Weser nur noch um Schadensbegrenzung: „Das war nix“, ärgerte sich Wellhausen nicht nur über die Niederlage gegen Bremen, sondern auch über die im Vergleich zum zweiten Rennen fast vier Zehntelsekunden langsamere Zeit, die dem RV Weser einen Top-10-Platz kostete. „Ich habe wohl nach dem Achtelfinale die Jungs zu sehr gelobt und zu wenig gemeckert“, bewies Wellhausen Galgenhumor. Auf den einzige Sieg musste der Trainer bis zum Schluss lange warten.



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