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Auch die B-Probe des Tischtennis-Nationalspielers Dimitrij Ovtcharov enthält Spuren von Clenbuterol

Droht „Dima“ jetzt das Ende seiner Karriere?

Interviews möchte Dimitrij Ovtcharov zurzeit nicht geben: „Mir geht es momentan nicht so gut.“ Das sieht man ihm auch an. Als unser Tischtennis-Nationalspieler am Mittwochvormittag das biochemische Institut der Sporthochschule Köln betrat, wirkten seine wässrigen Augen traurig und müde. So, als ob er geweint und tagelang nicht geschlafen hätte. Sein Gesicht war blass, fast wie versteinert. In diesen Tagen fällt es „Dima“, wie ihn seine Freunde nennen, schwer, zu lächeln. Kein Wunder. Denn nach dem positiven Dopingtest ist für den Jungprofi nichts mehr so wie es vorher einmal war. Besiegelt die Doping-Affäre das Ende seiner noch jungen und erfolgreichen Karriere, die einst beim Dorfklub TSV Schwalbe Tündern begann?

veröffentlicht am 30.09.2010 um 20:06 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:07 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Nein. Ovtcharov, der positiv auf Clenbuterol getestet wurde, droht im schlimmsten Fall eine Sperre von zwei Jahren, wenn es ihm nicht gelingen sollte, seine Unschuld zu beweisen. Doch das scheint seit gestern nahezu unmöglich. Denn auch die von dem Doping-Experten Prof. Dr. Wilhelm Schänzer untersuchte B-Probe enthielt erwartungsgemäß Spuren von Clenbuterol. Bei der verbotenen Substanz handelt es sich um einen anabolen Wirkstoff, der für Muskelzuwachs sorgt. In der Medizin wird Clenbuterol zur Behandlung von Asthma eingesetzt.

Ob Ovtcharov bewusst gedopt hat, ist trotz der positiven B-Probe aber noch nicht bewiesen. Der zurzeit suspendierte Tischtennis-Nationalspieler, der sich weiter gegen den Vorwurf wehrt, ein Dopingsünder zu sein, gilt noch nicht als überführt, da es noch kein rechtskräftiges Urteil gibt. In den nächsten zwei Wochen soll es beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) eine Anhörung geben, bei der alle Ergebnisse geprüft, Indizien aufgeführt und Doping-Experten gehört werden sollen. Der DTTB hat dann zwei Möglichkeiten: Entweder er leitet das Verfahren ein oder die Anhörung ergibt, dass kein Verschulden festgestellt werden kann. Dann wird der Fall eingestellt und die Suspendierung aufgehoben. Ovtcharov kündigte in einem Interview bereits an, alles dafür zu tun, um seine Unschuld zu beweisen.

Eine Haarprobe hat er bereits abgegeben. Sie wird derzeit im Dopingkontrolllabor in Kreischa bei Dresden untersucht. Das Ergebnis, dass Ovtcharov entlasten könnte, regelmäßig mit Clenbuterol gedopt zu haben, liegt aber erst in ein paar Tagen vor.

Eine freiwillige Haaranalyse von Timo Boll und den anderen Nationalspielern, die zu der fraglichen Zeit ebenfalls in China waren, könnte seine Vermutung belegen, dass möglicherweise eine Mahlzeit mit geringen Mengen von Clenbuterol – einem häufig verbotenerweise verwendeten Mastmittel – belastet war. Ob Boll und Co. ihre Haarproben abgeben, hängt von dem Ergebnis bei Ovtcharov ab.

Fest steht: Nach den Regularien der Welt-Antidoping-Agentur reicht eine negative Haaranalyse alleine nicht aus, um einen positiven Urinbefund zu entkräften. Deshalb muss Ovtcharov weitere Fakten zur Entlastung sammeln.

Bei seiner Verteidigung bekommt er jedenfalls keine Hilfe von dem Veranstalter der China Open: Das Essen in dem Fünf-Sterne-Hotel wurde angeblich strengstens kontrolliert. Das sagte jedenfalls Gong Jiming im Namen des Organisationskomitees der chinesischen Zeitung Yangzi Evening News. Allerdings räumte er ein, dass es in der Vergangenheit bereits solche Fälle gegeben habe.

Rückendeckung bekommt Ovtcharov dafür von Werner Franke: Deutschlands schärfster Dopingjäger hält seine Theorie für „absolut glaubhaft und überzeugend“. Ovtcharovs Erklärungsversuche scheinen also keineswegs an den Haaren herbeigezogen zu sein, zumal Clenbuterol-Doping im Tischtennis laut Franke völlig sinnlos ist.



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