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In den 80er Jahren galt Groß Berkel als Tischtennis-Hochburg – jetzt gibt es nur noch ein Damenteam

Die Stein-Zeit geht langsam zu Ende

Quo vadis, TSV Groß Berkel? Die goldenen Zeiten sind schon lange vorbei. Aus der einstigen Tischtennis-Hochburg, die quasi das zu Hause der Familie Stein war, ist nur noch eine Bezirksklassen-Mannschaft übriggeblieben, denn aus Personalnot wurden im Hinblick auf die neue Saison die beiden Mannschaften zusammengelegt.

veröffentlicht am 06.07.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:41 Uhr

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Wie im richtigen Leben gibt es auch in der Tischtennis-Sparte des TSV Groß Berkel gute und schlechte Zeiten. Unvergessen sind die 1980er Jahre. Damals repräsentierte das legendäre Stein-Quartett des TSV Groß Berkel bei den Damen diesen Erfolg. „Die Geschwister Gabriele, Brigitte, Petra und Corinna waren in aller Munde. Sie nahmen 1985 sogar an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga teil“, erinnert sich der damalige Spartenleiter Walter Rekemeyer.

„Petra musste dann leider wegen eines Bänderrisses von Stephanie Knigge vertreten werden“, ergänzt Mutter Ingeborg Stein, die mit Stolz zurückblickt. Vier Mädchen, mit nahezu gleicher Spielstärke für Regional- und Oberliga sind bis dato als Ausnahmeerscheinung anzusehen. Trainer und Motor war stets Vater Erwin Stein. Beim Plaudern über die guten alten Zeiten fällt Mutter Ingeborg eine amüsante Geschichte wieder ein: „Wir traten einmal sogar als Sechser-Familienteam auf, anlässlich des 70. Geburtstages des inzwischen verstorbenen Ehemannes von Freia Runge aus Ritterhude. Freia und ich sehen uns immer noch bei den Landesmeisterschaften der Senioren.“

Der Ehrgeiz der früheren Jahre ging soweit, dass zu Hause im Keller trainiert wurde, wie Rekemeyer bestätigt. „Deshalb war bei uns immer viel Betrieb, denn die Kinder aus der Nachbarschaft schauten des Öfteren vorbei und der Zulauf in Groß Berkel war groß“, sagt Inge Stein. Der plötzliche Tod des Vaters 1988 zog den Mädchen den Boden unter den Füßen weg, doch sie blieben der Sportart bis heute stets treu, und noch lange stellten die Vier das Aushängeschild des TSV dar.

Brigitte Stein-Oetken wendete dem TSV zuerst den Rücken. „Brigitte war leistungsorientierter eingestellt. Sie wechselte 2009/10 zum Landesligisten Post SV Bad Pyrmont und nahm Antje Schumachers gleich mit“, berichtet Spartenleiter Christian Wenzig. Parallel kehrte die Tochter von Petra Stein, Lisa vom MTV Rumbeck zurück. Vor der Abmeldung in der Saison 2007/08 spielte sie schon in der Mädchen-Niedersachsenliga in Groß Berkel und wurde von Stein-Oetken trainiert.

Und Lisa Stein agierte noch vergangene Saison in der Bezirksoberliga an der Seite ihrer Mutter. Die Beiden trugen nun dazu bei, dass das erste und zweite Team wegen Personalnot zusammengelegt werden musste, und die einstige Damen-Hochburg auf eine Bezirksklassen-Mannschaft zusammenschrumpfte. „Ich bin dabei mir über meine berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Wer weiß, wo es da hingeht. Der Kader beim Landesligisten TSV Steinbergen ist größer, und ich spiele mit ein paar annähernd Gleichaltrigen“, erklärt die Abiturientin.

Dort trifft sie auf ihre Tante Brigitte Stein-Oetken, die den Post SV Bad Pyrmont verließ und deren Tochter Karolin. Petra Stein will erst einmal pausieren. Übrig geblieben sind Corinna Stein und Gabriele Stein-Holzendorff, die in Düsseldorf wohnt, den familiären Kontakt aber pflegte, indem sie kontinuierlich anreiste. Aus der Reserve sind Gabriele Gahlstorf und Ingeborg Stein dabei, die sich schon auf die gemeinsamen Auftritte mit ihren Töchtern freut, und Corinna David. Brigitte Bublitz verzog nach Hamburg und Sandra Nowag wechselte 2009/10 ebenfalls zum Post SV Bad Pyrmont.

„Corinna will nach ihrer Babypause wieder einsteigen“, erklärt Ingeborg Stein, die sich mit ihren inzwischen 74 Jahren gerade von einem doppelten Bänderriss erholt. Weniger Freude löste allerdings die Klassenzuordnung aus, denn eigentlich lautete die Planung Bezirksliga. „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich bei der Online-Meldung alles korrekt gemacht habe. Bei der Übernahme der Daten hat sich jedoch ein Fehler eingeschlichen, sodass Bezirksklasse gespielt werden muss. Der Kreisvorsitzende Karl Holweg hat auch noch alles versucht. Ich hätte mir vom niedersächsischen Verband mehr Flexibilität gewünscht, denn diese Panne ist schon sehr ärgerlich“, weist Klein Berkels Spartenleiter Wenzig die Schuld zurück. Dadurch ist zumindest wieder einmal ein Erfolgserlebnis vorprogrammiert – die Meisterschaft in der Saison 2011/12.



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