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Sydney 2000 – Medaillenglück für Hammerwerferin Kirsten Münchow aus Kleinenbremen

Der Hammer! Olympia-Bronze eine Sensation

Schon bei ihrer Olympia-Premiere setzte sie zum großen Wurf an. 2000 in Sydney überraschte Hammerwerferin Kirsten Münchow aus Kleinenbremen bei Rinteln gleich mit einer Medaille. 69,28 Meter ließ sie das schwere Wurfgerät durch die Luft fliegen und sicherte sich in Down Under Bronze.

veröffentlicht am 03.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

Sie brauchte vier Umdrehungen zum Glück, tanzte vor Freude außerhalb des Hammerwurfringes weiter und konnte Minuten später die Tränen doch nicht mehr zurückhalten. Kirsten Münchow hatte gerade bei der olympischen Hammerwurf-Premiere in Sydney im Jahr 2000 überraschend die Bronzemedaille gewonnen. Mit 69,28 Metern stellte die damals 23-Jährige aus Kleinenbremen dabei einen deutschen Rekord auf. Kirsten Münchow wurde im Jahr 1977 in Rehren A/O geboren und wuchs in Kleinenbremen auf. Als neunjährige Schülerin kam sie zur Leichtathletik. Zu einer Zeit, als das Hammerwerfen der Frauen noch ein „Mauerblümchendasein“ fristete, kam sie unter die Fittiche von Trainer Heinz Culemann bei der LG Porta Westfalica. Bei ihm entwickelte sie sich zur Spezialistin im Wurfring. Bei der Premiere des Hammerwerfens für Frauen im Rahmen der Deutschen Meisterschaften im Jahr 1993 stand sie als 16-Jährige bereits im Finale und wurde Vierte. Im Jugendbereich gehörte Münchow zu den Besten der Welt. International war Münchow überaus erfolgreich. Als 21-Jährige holte sie Bronze bei den Europameisterschaften (1998), belegte Platz zwei beim Europacup (1998) und wurde im Jahr 1999 Achte der Weltmeisterschaft, Vizemeisterin der U 23-Europameisterschaft sowie Fünfte im Europacup. Das beste Jahr für die ehrgeizige Kirsten Münchow war das Jahr 2000. Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft ging es zur Olympiade nach Sydney. „Mein Coach Heinz Culemann hat mir immer von Sydney vorgeschwärmt. In Sydney, wenn das Hammerwerfen der Frauen dort olympisch wäre, da wäre es doch toll, wenn du eine Medaille gewinnen würdest“, sagte er immer, erzählt Münchow. Culemann erlebte den grandiosen Auftritt seines Schützlings nicht mehr mit. Unerwartet verstarb der Trainer im Jahr 1996 nach einem Herzinfarkt. Die Fortsetzung der Karriere hing am seidenen Faden. Mutter Karin übernahm in der prekären Situation das Training der geschockten Tochter bei TuS Eintracht Minden. Als Zweitplatzierte der Qualifikation mit 67,64 Metern hatte sie gute Voraussetzungen für das Finale in Sydney. Nach 66,42 Metern lag sie auf Silberkurs, fiel dann aber auf Platz fünf zurück. „In den fünften Versuch habe ich alles reingelegt, mich darauf konzentriert, schön zu drehen und es hat geklappt“, beschreibt Münchow den wichtigsten Wurf ihrer Laufbahn. „Im Verlauf des sechsten Durchgangs habe ich dann nur noch gebetet“, erinnert sich Münchow. Ihre Medaille widmete sie ihrem alten Trainer und Förderer Heinz Culemann. „Ich hatte das erreicht, was wir uns Anfang der neunziger Jahre vorgenommen hatten. Am Finaltag hätte er Geburtstag gehabt. Meine Mutter hatte ihm an diesem Tag noch Blumen ans Grab gebracht.“ Nach ihrem größten Triumph in Sydney konnte Kirsten Münchow nur bedingt ihre Karriere fortsetzen. Eine Vielzahl von kleinen und großen Verletzungen warf sie immer wieder zurück. „Das intensive, jahrelange Training mit 13 bis 15 Trainingseinheiten und 500 bis 600 Würfen in der Woche haben hat seinen Tribut gefordert. Die Hüfte machte das Ganze nicht mehr mit“, erzählt Münchow. Heute setzt die 35-Jährige ihre Karriere im Hammerwerfen in der Altersklasse der Seniorinnen fort und eilt von Sieg zu Sieg. Sie wurde in diesem Jahr schon Landesmeisterin, Norddeutsche Meisterin und Deutsche Meisterin. Das nächste Ziel ist die Europameisterschaft der Senioren in Zittau. Im letzten Jahr hat Kirsten Münchow eine weitere Aufgabe übernommen. Zusammen mit ihrer Mutter betreut sie den Hammerwurfnachwuchs aus der Region, der beim VfR Evesen eine neue Wirkungsstätte gefunden hat.

 

Ihre Bronzemedaille musste Kirsten Münchow oft zeigen.


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