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Die Mannschaften werden immer älter und älter / Teams aus dem Kreisgebiet nur noch auf Bezirksebene im Einsatz

Dem Damen-Tischtennis gehen die jungen Mädchen aus

Die Front bei den Damen bröckelt immer weiter, denn nach dem Abstieg des TSV Fuhlen aus der Tischtennis-Landesliga ist kein Kreisteam außerhalb der Bezirksebene mehr vertreten. Ein Warnsignal, doch wo liegen die Gründe? In erster Line wohl daran, dass sich der weibliche Nachwuchs rückläufig entwickelt und die Altersstruktur in den Teams immer höher steigt. Kurzum, den Tischtennisdamen gehen die jungen Mädchen aus.

veröffentlicht am 12.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:21 Uhr

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Basis des Problems sind möglicherweise auch die geburtenschwachen Jahrgänge. Aber auch schulische Veränderungen in den letzten Jahren tragen dazu bei. So gibt es bereits einen Knick nach der vierten bis fünften Klasse bei den A-Schülerinnen. „Es gibt keine Orientierungsstufe mehr, und inzwischen absolvieren auch mehr Mädchen das Abitur. Daran schließt sich ein Studium an, häufig nicht vor der Haustür“, meint Kreisjugendwartin Kerstin Pätzold. Ein gutes Beispiel hierfür sei Lisa Stein vom TSV Groß Berkel. Nach dem Beginn ihres Studiums in Münster musste die Mannschaft 2011/12 in die Bezirksklasse zurückgezogen werden. Der HSC BW Tündern agierte in der vergangenen Saison eine Halbserie ohne seine Nummer eins, Nina Müller, und konnte das gerade noch so kompensieren. Sie absolvierte in Frankreich ein Auslandssemester. Nun spielt sie wieder für ihren Stammverein MTV Rumbeck.

Aber natürlich hat sich auch das Freizeitverhalten verändert. Früher war der Sport ein fester Bestandteil, heute treffen sich junge Mädchen lieber mit ihren Freundinnen in entspannter Atmosphäre und machen Pause vom Erfolgsdruck auf allen Ebenen. Da in den höheren Spielklassen ausnahmslos am Wochenende gespielt, bliebe also nicht viel Zeit für andere Dinge.

„Die Technik der verschiedenen Medien hat uns inzwischen überrollt. Gerade die Acht- bis Elfjährigen leben häufig nur noch für das i-Phone, den Fernseher oder Videospiele. Da macht man sich nicht extra auf den umständlichen Weg in die Halle. Dieses Angebot war früher nicht so komfortabel“, hat Kreislehrwart und Bezirksjugendwart Arno Scholz festgestellt.

Ein- bis zweimal pro Woche müssten die Mädchen oder Damen schon 90 Minuten intensiv trainieren, wenn Landesliganiveau erreicht werden will. „Unter kompetenter Anleitung, nicht nur untereinander. Bei Kaderspielerinnen explodiert der Aufwand auf drei- bis viermal wöchentlich. Nach Wegfall der norddeutschen Ebene winkt hier allerdings schon die Teilnahme bei Meisterschaften und Turnieren auf Bundesebene“, ergänzt Scholz. Kreissportwart Bruno Klenke glaubt, dass Reiten immer noch höher im Kurs bei den Mädchen stehen würde als Tischtennis. Aber auch andere Sportarten kämpfen um den weiblichen Nachwuchs. „Die Musikschule und Tanzen kostet uns zahlreiche Mitglieder,“ klagt Tennistrainer und Sportwart Sven Meier vom TV RW Ronnenberg. Möglicherweise ist Tischtennis aber einfach auch nicht mehr attraktiv genug für Mädchen. Somit werden die Damen in den Mannschaften fast zwangsläufig immer älter und leben an den Tischen meist nur noch von ihrer Routine. Natürlich darf aber auch der hohe Zeit- und Kostenaufwand nicht vergessen werden. „Für einen guten Schläger müssen auch schon mal 150 Euro oder mehr auf den Tisch gelegt werden“, weiß Corinna Reineke vom HSC BW Tündern. Nach dem Wechsel von Birgit Küchler und Müller zum MTV Rumbeck tritt der Bezirksoberligist wieder mit einer „Revival-Truppe“ an. Neben Reineke, Claudia Skade und Denise Hobein ist auch Elke Baß mit von der Partie. Und die hat die 60 schon längst überschritten. Nachwuchsprobleme gibt es aber auch in Bad Pyrmont bei den Post-Damen. Das Quartett um Spitzenspielerin Martina Brix ist zwar noch in besten Jahren, aber die fünf ist nicht mehr weit. Gar nicht mehr in der Bezirksoberliga an den Start geht der VfL Hameln. Die überaus erfahrene Gisela Hansen wechselt zur TuSpo Bad Münder, und Jutta Poludniok und Nicol Kacz- marczyk wollen nur noch in der Dritten spielen. Nur Teresa Jacobi verbleibt in der Ersten, die künftig in der Bezirksklasse antritt.

Die TuSpo und der TSV Nettelrede sind bei jeweils vier gemeldeten Damenmannschaften in der kommenden Saison zumindest von der Quantität eine Ausnahme im Kreisgebiet. Einen erfreulichen und nicht ganz unwesentlichen Aspekt gibt es trotz des negativen Trends bei den Damen aber dennoch. „Tischtennis besitzt auch im Alter noch einen hohen Stellenwert und trägt zur Fitness und Gesundheit bei. Damit kann nicht jede Sportart dienen“, sagt Bruno Klenke voller Überzeugung. Und der ist immerhin schon 70 Jahre alt.

Eines der wenigen jungen Talente der Region in Aktion – Jana Brix vom Post SV Bad Pyrmont.

Foto: haje



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