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Herbert Schibukat einst in Bad Pyrmont zu Hause – Eishockey und Fußball waren sein Leben

Bei Olympia auf Puckjagd

Hameln-Pyrmont. Lang wird die Liste nicht, wenn man niedersächsische Sportler und Sportlerinnen notiert, die schon an Olympischen Winterspielen teilgenommen haben. Wenn am Freitag die 22. Winterspiele in Sotschi eröffnet werden, halten mit Daniel Böhm (Buntenbock), Arnd Peiffer und Franziska Hildebrandt (beide Clausthal-Zellerfeld) immerhin drei Biathleten Niedersachsens Fahne hoch. Fast schon vergessen ist die Medaillengewinnerin aus Wolfsburg: 1968 in Grenoble – Olympiakenner erinnern sich bestimmt noch an die „heißen Kufen“ der disqualifizierten DDR-Rodlerinnen – holte Angelika Dünhaupt sogar Bronze in den Norden.

veröffentlicht am 06.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

von Klaus Frye

Die Region Hameln-Pyrmont scheint hingegen ein schneeweißer Fleck auf der Landkarte zu sein, wenn man hier nach olympischen Wintersportlern sucht. Doch ein kleines Licht flackert tatsächlich beim Nachforschen in den Olympiaannalen auf.

Da war doch was? Tatsächlich, im deutschen Eishockey-team spielte 1952 in Oslo ein Spieler namens Herbert Schibukat. Und sein Name war damals in Bad Pyrmont und auch in Hameln bestens bekannt. Denn Schibukat, der schon 1936 in Garmisch-Partenkirchen erste olympische Meriten sammelte, spielte in der Saison 1947/48 für die SpVgg. Bad Pyrmont und ein Jahr später für Preußen Hameln. Hier jagte er aber nicht dem kleinen schwarzen Puck, sondern dem Lederball hinterher. „Schibu“, der 64 Länderspiele auf dem Eis für Deutschland bestritt, hatte es in den Wirren der Nachkriegszeit aus der ostpreußischen Eishockey-Hochburg Rastenburg nach Bad Pyrmont verschlagen, wo der auch als Fußballer überragende Techniker schnell Arbeit und bei der Spielvereinigung eine neue sportliche Bleibe fand.

Horst Luttmann, der damals in Pyrmonts Knabenmannschaft kickte, erinnert sich noch genau: „Schibukat hat oft mit uns trainiert. Und das war natürlich etwas ganz Besonderes. Da hat keiner gefehlt, der hat uns begeistert und so manchen Trick gezeigt.“ Der Olympionike blieb den Pyrmontern aber nicht lange treu. Preußen Hameln lockte ihn schon in der Saison 1948/49 an die Weser. Hier spielte der länderspielerfahrene Puckjäger mit Ludwig „Eugen“ Pöhler und dem heute 91-jährigen Kurt Kadelke, der die Preußen-Auftritte mit dem Eishockeyspieler nicht vergessen hat. Doch auch im Hamelner Bürgergarten hielt es den Ostpreußen nicht lange. Denn sein Herz schlug immer noch für das schnelle Spiel auf dem Eis. Wenn im Winter Pyrmonts Schlossteich zugefroren war, schnürte er seine Eishockeystiefel, die er über die Kriegsjahre gerettet hatte. Und als im Frühjahr 1949 ein weißer Cadillac durch Bad Pyrmont fuhr, ließ der Wechsel vom grünen Rasen auf das blanke Eis nicht lange auf sich warten. Am Steuer saß Willy Münstermann, ein Eishockey-Enthusiast aus Krefeld, der auf der Suche nach dem Nationalspieler fündig geworden war. Den musste „Manager“ Münstermann gar nicht lange überreden. Wenige Tage später brach Schibukat seine Zelte in Bad Pyrmont und bei Preußen Hameln ab und reiste an den Niederrhein.

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  • Herbert Schibukat im Trikot von Preußen Hameln.

Der Eishockeysport hatte ihn wieder. Schon 1951 gewann er mit Preußen Krefeld seine erste deutsche Meisterschaft. Und auch in der Nationalmannschaft waren die Tore des Ex-Fußballers aus der Kurstadt wieder gefragt. Nach Garmisch folgte 1952 in Oslo sein zweiter Olympia-Auftritt – immerhin mit 37 Jahren. Viel zu holen gab es für die deutschen Spieler zwar nicht, aber die Winterspiele waren für Schibukat, der 1999 im Alter von 84 Jahren in Eckernförde starb, das große sportliche Finale. Mit ihm stürmte in Oslo auch Xaver Unsinn, der später als erfolgreicher Trainer die deutsche Nationalmannschaft in Innsbruck 1976 zu Olympia-Bronze führte. Wenn die beiden Puckgrößen, die in der „Hall of Fame“ des deutschen Eishockeys einen Ehrenplatz haben, das olympische Turnier in Sotschi noch miterleben könnten, würden sie bestimmt nicht nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sondern wohl mit dem Schläger kräftig auf die Bande hauen. Denn Sotschi ist der Tiefpunkt des deutschen Eishockeys: Olympia ohne die Nationalmannschaft hat es zuvor nur 1924 und 1948, als Deutschland von den Spielen ausgeschlossen war, gegeben.



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