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Zahlreiche Handballvereine von der Bildfläche verschwunden / Manfred Herzog: „Düstere Zukunft“

„Wo sind sie geblieben...?“

Hameln-Pyrmont. Die Zeiten, in denen der Handball im Kreis Hameln-Pyrmont boomte, sind längst vorbei. Als die Nationalmannschaft 1978 den Weltmeisterschaftstitel unter Trainer Vlado Stenzel nach Deutschland holte und in der Region zahlreiche neue Sporthallen gebaut wurden, war Handball sportlich eine ganz große Nummer.

veröffentlicht am 20.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:41 Uhr

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Doch in den vergangenen Jahren hat längst der triste Alltag Einzug gehalten. Der Handball geht in unserer Region eher am Stock. Die Anzahl der Vereine, in denen der Ball heute noch fliegt, ist überschaubar geworden. Richtig zur Sache geht fast nur noch beim VfL Hameln und der TSG Emmerthal. Beim VTSV Hämelschenburg, TuS Bad Pyrmont, Eintracht Afferde, GW Süntel, TV Hemeringen – um nur einige Klubs zu nennen – sprechen nur noch „die Alten“ von großen Handballtagen. Vielerorts haben sich die Verantwortlichen zur Gründung von Spielgemeinschaften entschlossen, um den Betrieb in den Hallen aufrecht halten zu können. So wie es der MTV Bad Pyrmont und der TuS WE Lügde oder der TSV Fuhlen und der VfL Hessisch Oldendorf schon vor Jahren praktizierten. „Die Kräfte bündeln“ lautete das Motto nicht nur rund um die Kurstadt, wo beim MTV und den Lügder „Eichen“ einst insgesamt sieben Herrenmannschaften aufliefen. „Wenn wir auf Dauer weiter Handballspielen wollen, müssen wir uns zusammenschließen“, hatte Jürgen Röwer, ehemaliger Abteilungsleiter des MTV, früh erkannt und den gemeinsamen Weg mit dem Nachbarn aus der Osterräderstadt durch eine Jugend-Spielgemeinschaft bereits 1999 angeschoben. Im Sommer 2008 folgte der Zusammenschluss zur HSG Lügde/Bad Pyrmont.

Total von der Bildfläche sind seit Jahren die Handballer im Ostkreis verschwunden. Beim MTV Coppenbrügge und dem TSV Benstorf/Oldendorf kam die Entwicklung nicht unerwartet, denn hier hatte der Handball außer der Gründung einer Herrenmannschaft in beiden Vereinen ohnehin nie richtig Fuß fassen können. Auf dem besten Wege war aber BW Salzhemmendorf. Hier nahm 1988 mit Dieter Georgi ein „Macher“ das Heft in die Hand und zeigte, dass auch im Saaletal in Sachen Handball etwas zu bewegen war. Erst verpflichtete er mit Michael Schwenk vom VfL Hameln einen engagierten Spielertrainer, und nach dem Mauerfall lockte er zahlreiche Akteure des ehemaligen DDR-Erstligisten Union Halle-Neustadt, darunter Burkhard Perlich, Holger Idzikowski, Frank Winzer, Udo Schlufter und Trainer Hans-Werner Meyer – mit Wohnungen und Arbeitsplätzen zu Blau-Weiß.

Zur Glanzzeit spielten die Salzhemmendorfer in der damaligen Bezirksoberliga mit Vereinen wie HF Springe, Lehrter SV, TSG Emmerthal, MTV Rohrsen oder der SG Hohnhorst/Haste auf Augenhöhe. In der Sporthalle am Ith lief neben sieben Herren- und Jugendmannschaften sogar ein Damenteam auf. Doch auch hier endete die Handball-Ära schneller als erwartet. Die Spieler wurden älter, der Nachwuchs war nicht zu begeistern und mit Dieter Georgi zog sich nach zwölf erfolgreichen Jahren der Motor zurück. Spätestens danach brach das Unternehmen Handball zusammen und ist seit fast zehn Jahren auch in Salzhemmendorf nur noch Geschichte.

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Manfred Herzog kf

Oberliga-Spielwart Manfred Herzog (VfL Hameln) spricht von einer düsteren Zukunft in der Region. Er machte deutlich, warum es in seiner geliebten Sportart nicht mehr rund läuft: „Beim Handball sind die Probleme eigentlich selbst gemacht. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder unnötige Änderungen vorgenommen. Deshalb haben auch bewährte Übungsleiter aufgehört.“

Die negative Tendenz in der Region Weser-Schaumburg-Leine (WSL) versucht der Vorsitzende Olaf Denecke aus gutem Grund zu stoppen: „Eine große Fläche mit wenig Vereinen macht keinen Sinn.“ Spätestens in der Saison 2015/16 soll die geplante Kooperation zwischen den Regionen WSL und Hannover in die Tat umgesetzt werden. Davon verspricht sich Denecke vor allem „einen neuen sportlichen Anreiz und höhere Qualität im Spielbetrieb“. Die Vereine beider Bereiche wurden bereits um eine Stellungnahme gebeten. Und die viel durchaus positiv aus. „In Hannover haben mehr als 75 Prozent zugestimmt, bei uns lag das Ergebnis sogar noch höher“, freute sich der WSL-Chef über das Ergebnis.



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