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Mit dem MTV ist Rohrsens Abwehr-Chefin auf Titelkurs – trotzdem denkt sie ans Aufhören

Hier lässt Nina Griese die Sektkorken knallen

Wenn Rohrsens Trainer Michael Hensel über Nina Griese spricht, fängt er an zu schwärmen. Kein Wunder, denn sie ist im wahrsten Sinne des Wortes die Mutter der Erfolges. Die 34-Jährige, die aus einer handballverrückten Familie stammt, ist laut Hensel „eine absolute Führungsspielerin, die wie zuletzt in Northeim in brenzligen Situationen Verantwortung übernimmt“. Und auch aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung ist die ehemalige Zweitligaspielerin für Rohrsens Trainer unverzichtbar, denn auch außerhalb des Parketts „ist ihre Meinung gefragt“, so Hensel.

veröffentlicht am 07.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

„Miss Zuverlässig“, die auch für die Sorgen der jüngeren Spielerinnen im Team stets ein offenes Ohr hat, „ist immer da, wenn man sie braucht“. Und das schätzt Hensel sehr. „Aus unserem Kader ist sie jedenfalls nicht wegzudenken.“ Nicht nur, weil beim MTV Rechtshänderinnen im Rückraum Mangelware sind. Mit ihrer Routine nimmt sie auch mal das Tempo aus dem Spiel, „um wieder Ordnung in den Hühnerhaufen zu bringen“. Nur der Tempogegenstoß ist nicht ihr Ding. So steht es jedenfalls in ihrem Porträt auf der Vereinshomepage. In der Abwehr, die für den MTV-Coach der Schlüssel zum Erfolg ist, ist die 34-Jährige der Fels in der Brandung. „Nina ist nicht der Typ, der die Flinte ins Korn wirft. Sie kann die Zähne zusammenbeißen – auch wenn es mal wehtut.“

Wie vor ein paar Tagen in Northeim, als Rohrsens 20. Saisonsieg in Serie bis zum Schluss auf Messers Schneide stand. Hinterher ließ Griese direkt vor der Schuhwallhalle erst einmal die Sektkorken knallen. Rohrsens Spielerinnen und ihre Fans waren nach dem 60-minütigen Handball-Krimi in Meisterlaune. „Jetzt kann nichts mehr schiefgehen“, ist sich Griese nach dem 19:18-Erfolg in Northeim sicher. Denn wenn Rohrsen am Samstag zu Hause gegen Zweidorf gewinnt und Garßen einen Tag später das Celler Derby verliert, dann steigt schon am Sonntag die Meisterfeier im Partykeller von Trainer Michael Hensel. „So ist es jedenfalls geplant“, plaudert die Spielerin mit der Trikot-Nummer 77 aus dem Nähkästchen.

Nach der Zitterpartie ließ sich Rohrsens Abwehr-Chefin mit ihren Mädels erst einmal den Rotkäppchen-Sekt schmecken: Die Flasche war jedenfalls ratzfatz leer, auch weil Trainer Michael Hensel beim Telefonieren eine Sektdusche verpasst bekam. Damit hatte der Erfolgscoach, der als Trainer die Handball-Frauen des Männerturnvereins zum zweiten Mal in die 3. Liga führen wird, nicht gerechnet.

Bei der feuchtfröhlichen Rückreise mit Zwischenstopp an der Bushaltestelle in Lenne, wo die Rohrsenerinnen mit ihrem Tross eine Polonaise um den Party-Bus machten, wurden auch bei Griese Erinnerungen an die Oberligameisterschaft 2010 wach: „Die Stimmung war echt super – wie vor zwei Jahren. Schon damals haben wir an der Bushaltestelle spontan gefeiert.“

Und weil Lenne wieder auf der Strecke lag, „war klar, dass wir dort wieder einen Zwischenstopp machen“. Seit Wochen schwimmen Griese & Co. auf der Euphoriewelle: „Dass wir nach 20 Spieltagen mit 40:0 Punkten auf Platz eins stehen, hätte ich vor Saisonbeginn wirklich nicht gedacht.“ Denn die vergangene Saison, in der man als Aufsteiger gleich wieder aus der 3. Liga abstieg, hatte aufgrund des Verletzungspechs so viel Kraft gekostet, dass Griese ans Aufhören dachte: „Ich habe mich von Michael aber noch einmal überreden lassen, eine Saison dranzuhängen.“

Es ist möglicherweise ihre letzte, denn wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. „Das ist eine schwierige Entscheidung, weil insbesondere durch die weiten Auswärtsfahrten in der 3. Liga der Zeitaufwand ziemlich groß ist“, sagt Griese, die übrigens bei der 24:27-Heimniederlage gegen die Bundesliga-Reserve des HC Leipzig das vorerst letzte Drittliga-Tor für Rohrsen warf: Am 5. Mai 2011, also vor genau 305 Tagen. Einerseits würde sie gerne weitermachen, „weil ich körperlich noch fit bin und mir Handball immer noch super viel Spaß macht“. Andererseits möchte sich die alleinerziehende Mutter auch um ihre zehnjährige Tochter Lilly kümmern. Eins ist für Griese klar: „Wenn ich weitermache, dann richtig oder gar nicht.“

Und wenn nach dieser Saison in Rohrsen Schluss sein sollte, will sie sich erst einmal ein Jahr Pause gönnen, bevor sie ihre Handball-Karriere ausklingen lässt.



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