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Handballer trauern um Trainer-Ikone Paul Tiedemann

Der Taktik-Fuchs verliert seinen schwersten Kampf

Linz/Hameln. „Der deutsche Handball trauert um Paul Tiedemann und verneigt sich vor dem Lebenswerk dieses herausragenden Spielers und Trainers“, sagte Bernhard Bauer, der Präsident des Deutschen Handballbundes, als die Meldung vom Tod der Trainer-Ikone in Dortmund eintraf. Auch Hamelns Handballer trauern um die Handball-Legende Paul Tiedemann, der am vergangenen Sonntag im Alter von 79 Jahren seinen schwersten Kampf verlor und nach langer Krankheit in seiner österreichischen Wahlheimat Linz gestorben ist.

veröffentlicht am 23.09.2014 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:36 Uhr

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In der Saison 1996/97 kam Paul Tiedemann, der für die DDR 100 Länderspiele bestritt und 1963 als Spieler Großfeld-Weltmeister wurde, nach Hameln und rettete den VfL vor dem drohenden Abstieg aus der Bundesliga. Den 1935 im ostpreußischen Germehnen geborenen Tiedemann zeichnete vor allem seine ruhige und besonnene Art aus. Und er galt als unnachahmlicher Taktikfuchs. Kriterien, die auch in Hameln, seiner letzten großen Trainerstation, ankamen. „Ein Mann mit Charakter und großer Ausstrahlung“, nannte ihn der Ex-Hamelner und Rekord-Nationalspieler Frank-Michael Wahl. „Ein ganz Großer der Handball-Zunft und für mich so etwas wie ein zweiter Vater.“ Wahl, der unter Paul Tiedemann als Co-Trainer auf der Hamelner Bank saß, war mit dem Erfolgscoach 1980 als Spieler in Moskau Olympiasieger geworden. Damals hatte er in „der Höhle des Löwen“ seine Mannschaft bestens vorbereitet. „Hut ab vor seiner Arbeit“, loben Wahl und viele andere ehemalige Hamelner Spieler seine Leistung heute noch.

Paul Tiedemann, der nach dem Krieg im sächsischen Radeburg aufwuchs, in Radebeul die Oberschule besuchte und in Radeberg sein erstes Bier trank, verlor als Spieler und Trainer nur ungern. Wohl deshalb sprechen seine Erfolge auch für ihn. Neben dem Olympiasieg holte er mit der DDR-Nationalmannschaft 1978 und 1986 zweimal WM-Bronze. Die Nationalmannschaft Ägyptens, wo er 1989 das Amt des Nationaltrainers übernahm, führte er 1991 zur Afrikameisterschaft und 1992 erstmals zu den Olympischen Spielen.

Danach verlegte Paul Tiedemann seinen Lebensmittelpunkt nach Österreich und lebte in Puchenau bei Linz. Hier führte er ASKÖ Linz dreimal zur Meisterschaft und zum Pokalsieg. In Radeburg, wo er seine Jugendzeit erlebte, wurde übrigens erst vor zwei Wochen die Sporthalle in „Paul-Tiedemann-Halle“ umbenannt.

Ein starkes Team in der Bundesliga-Saison 1996/97: Hamelns Trainer Paul Tiedemann (Mitte, stehend) und Frank-Michael Wahl (re.).


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