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Der Schneider-Effekt

Handball (jab). Da kommt ein neuer Trainer, übernimmt eine Mannschaft, die im Vorjahr nur knapp den Aufstieg verpasst hat, jetzt aber seit sieben Spielen auf einen Sieg wartet und ans Tabellenende gerutscht ist, trainiert zweimal mit den völlig verunsicherten Spielern – und die laufen auf einmal wieder zu Höchstform auf und schießen eines der bislang besten Teams in dieser Saison mit 37:24 aus der Halle. So geschehen am Sonnabend beim Drittliga-Derby der HF Springe gegen den HSV Hannover. Keine 24 Stunden vorher hatte der neue Coach Holger Schneider erstmals mit der Mannschaft trainiert – und knapp 500 Zuschauer fragten sich: Welchen Zaubertrank hatte der 97-fache Nationalspieler den Spielern gegeben?

veröffentlicht am 20.11.2012 um 00:01 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:21 Uhr

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Der Obstbrand, der auf dem Gut in Mecklenburg Vorpommern, für das Schneider arbeitet, hergestellt wird, wird es nicht gewesen sein. Zauberei war es aber auch nicht, sagt HF-Kapitän Daniel Deutsch: „Er hat einfach an alle appelliert, dass die Aggressivität in der Abwehr wichtig ist. Und er hat mit uns die Laufwege bei Tempogegenstößen noch einmal einstudiert.“ Das hatten die Springer beim bisherigen Coach Oleg Kuleshov, als ehemalige Weltklassemittelmann ein Verfechter des Positionsspiels, offenbar vermisst. Wie junge Hunde, die man von der Leine gelassen hatte, rannten sie Hannover in Grund und Boden und überrollten den HSV förmlich mit der ersten und zweiten Welle.

So will es Schneider auch weiterhin sehen: „Diese Gier, Tore zu machen, erwarte ich in jedem Spiel“, sagt er. Tempohandball ist das, was Schneider in Springe wieder etablieren will. Unter Kuleshovs Vorgänger Sven Lakenmacher – bezeichnenderweise wie Schneider ein ehemaliger Linksaußen – hatten die HF mit der gleichen Marschroute zwei erfolgreiche Jahre gehabt. Voraussetzung dafür: eine sichere Abwehr. Vor allem zu Hause. Schneider will aus der Halle des Schulzentrums Süd „eine Festung machen. Hier darf keiner gewinnen.“

Was gegen Hannover auch auffiel: Schneider wechselte von Beginn an durch, schon nach wenigen Minuten hatte er alle Spieler eingesetzt. Das mag der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass nicht alle Springer richtig fit waren – Nils Eichenberger und Janis Helmdach etwa –, es zeigte aber auch, wie unbelastet Schneider seine neue Aufgabe angeht. Umgekehrt schienen auch die Spieler von einer Last befreit. Und: „Bei einem neuen Trainer wissen alle, dass sie sich ganz neu beweisen müssen“, sagt Deutsch.

Den Sieg habe die Mannschaft ausgiebig gefeiert, sagt der Kapitän, „wir hatten ja in letzter Zeit nicht so viele Gründe dafür“. Wenn der Schneider-Effekt anhält, dürften demnächst aber noch einige Handball-Feste folgen.



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