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Hamelns A-Junioren treffen in der Ost-Staffel auf die Titelfavoriten / VfL-Trainer Thierauf im Interview

„Bundesliga ist keine Spaßnummer“

Hameln. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die A-Jugend-Handballer des VfL Hameln spielen nächste Saison in der A-Junioren-Bundesliga! Nach dem 8. Platz beim bundesweiten Qualifikationsturnier in Baunatal musste das Team von Trainer Michael Thierauf einige Tage um den Startplatz in der Bundesliga bangen. Doch seit Freitag ist es amtlich: Der VfL trifft in der Ost-Staffel auf die Füchse Berlin, SC Magdeburg, Eintracht Hildesheim, TSV GWD Minden, HSG Handball Lemgo, LHC Cottbus, VfL Potsdam, HA Leipzig/Delitzsch, HSG Freiberg, TSV Hannover-Burgdorf und MTV Braunschweig. „Das ist eine Hammerstaffel“, so Thierauf. „Von den vier Gruppen haben wir die stärkste erwischt. Mit den Füchsen Berlin und dem SC Magdeburg sind der aktuelle Deutsche Meister und Vizemeister dabei, dazu mit Eintracht Hildesheim der Dritte des Vorjahres.“ Im Dewezet-Interview spricht der 53-jährige A-Lizenz-Coach über das Abenteuer Bundesliga, das auf ihn, seine Mannschaft und den VfL zukommt.

veröffentlicht am 17.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Jürgen Kohlenberg

Herr Thierauf, wie fühlt es sich an, plötzlich Trainer eines Jugend-Bundesligateams zu sein?

Das ist sensationell, denn höher als in die Bundesliga geht es nun mal nicht. Die Jungs drehen förmlich durch. Der Aufstieg war ja nicht unbedingt zu erwarten. Ich bin jedenfalls mächtig stolz auf die Truppe.

Was bedeutet der Aufstieg für Sie persönlich?

Ich wollte da immer gerne hin. Beim TBV Lemgo war mir dieses nicht vergönnt, denn die Bundesliga wurde erst eingeführt, als ich dort gerade ausgeschieden war. Ich habe mich wirklich sehr, sehr gefreut. Dafür macht man Jugendarbeit.

Was zeichnet Ihr junges Team aus?

Die Jungs sind eine starke Einheit und halten unheimlich zusammen. Dazu sind sie sehr selbstkritisch und haben sich nie hängen lassen. Sie haben immer an ihren Traum geglaubt und sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Mit Torwart Yannick Rüter, Tim Otto, der für sein Alter schon unheimlich weit ist, oder Georg Brendler stehen auch drei außergewöhnliche Talente in unseren Reihen. In der B-Jugend sind zudem ebenfalls starke Spieler, denen der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Wie werden Sie jetzt den Fokus auf die Bundesliga richten?

Es gibt unheimlich viel Engagement vom Verein und auch von den Eltern. Es sind alle sehr bemüht und das ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Aber das alleine reicht nicht, man kann nicht alles nur auf die Eltern abladen. Es ist hier noch viel Aufbauarbeit nötig, es fehlt am Background. Wir müssen noch ein paar Basics schaffen. Es wartet viel Arbeit.

Können Sie Beispiele nennen?

Natürlich. Da sind zum einen die Hallenzeiten. Die müssen wir uns mühsam suchen oder mit anderen Mannschaften teilen. Das geht so nicht. Wir brauchen vernünftige und verlässliche Einheiten. Oder nehmen wir Tim Otto. Da spielen wir am Samstag die entscheidende Relegation in Baunatal, aber der Junge darf nicht mitmachen, weil seine Schule ihn nicht einen Tag früher von der Klassenfahrt lässt. Es lag sogar die schriftliche Einverständniserklärung der Eltern vor, aber Tim musste in Berlin bleiben. Dem Jungen ist vielleicht sein größter sportlicher Erfolg verwehrt geblieben und die Schule hätte doch auch richtig stolz sein können, einen Bundesliga-Spieler in ihrem Haus zu haben. Es sind einfach viele kleine Dinge, die zusammen schon viel ausmachen. Wir müssen hier die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich die Jungs einzig und allein auf das Sportliche, sprich auf die Spiele konzentrieren können. Ich betone, wir reden hier über Bundesliga, Deutschlands höchste Jugendklasse! Das ist keine Spaßnummer. Eigentlich sollte da alle erdenklichen Türen offen stehen.

Sie haben die A-Junioren des VfL erst am 1. April übernommen. Was haben Sie vorgefunden und wo haben Sie die Stellschrauben angesetzt?

Ich habe mir zunächst ein Bild gemacht und an einigen Dingen gedreht, die grundsätzlich gefehlt haben. Ich war schon etwas überrascht, dass teilweise elementare Sachen nicht vorhanden waren, die beim TBV Lemgo oder TSV GWD Minden schon in der C-Jugend gemacht werden. Aber die Jungs waren überaus lernwillig und haben mir sofort signalisiert, dass sie bereit sind etwas zu tun. Die Truppe hat sich kontinuierlich gesteigert und der Erfolg spricht letztendlich für sich.

Und wann beginnt die Saisonvorbereitung?

Wir haben eine hammerharte Qualifikation mit 14 Spielen in 15 Tagen hinter uns. Diese Woche haben die Jungs erst einmal frei, damit sie ein bisschen runterkommen können. Die nächste Woche werden wir dann noch trainieren. Dann gibt es dreieinhalb Wochen frei. Und danach geht es richtig los. Ich denke, wir werden dann jeden Tag trainieren, damit wir bestmöglich vorbereitet in das Abenteuer starten.

Was ist vom VfL zu erwarten?

Zunächst einmal ist die Vorfreude riesig, zu den 48 Top-Mannschaften in Deutschland zu gehören. Wer weiß, wann es das in Hameln noch einmal geben wird. Es geht für uns von Beginn an nur um den Klassenerhalt und es wird ein sehr schweres Jahr. Wir müssen sehen, dass wir gut Handball spielen und nicht abgeschlachtet werden. Wichtig ist aber auch, dass die Jungs lernen und nach Niederlagen noch enger zusammenrücken. Mein primäres Ziel als Trainer ist es, jeden einzelnen Spieler in seiner individuellen und spielerischen Entwicklung weiterzubringen.

Mit welchem Aufgebot gehen Sie in die Saison?

Wir haben einen Kader von 17 Spielern, der im Kern auch so steht. Ob wir noch jemanden von außerhalb akquirien, müssen wir mal abwarten.



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