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Beim Rauslaufen droht künftig die Disqualifikation / Der Ausschluss im Handball hat ausgedient

Aufpassen! Gefährliche Zeiten für die Torhüter

Handball. Wenn Anfang September die Handballer in die Saison 2010/11 durchstarten, werden sich die Zuschauer wieder einmal die Augen reiben. Denn auch vor der neuen Spielzeit haben die Theoretiker erneut zugeschlagen und wieder zahlreiche Regeländerungen auf den Markt geworfen. Deshalb wäre vor dem ersten Anpfiff in diesem Jahr neben dem üblichen Fortbildungskurs für Schiedsrichter auch ein Crashkurs für die Torhüter angebracht.

veröffentlicht am 17.08.2010 um 17:26 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 12:41 Uhr

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Denn von den Änderungen, mit denen die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und der Landesverbände ihre Spieler und Vereine Jahr für Jahr regelrecht zuschütten, sind diesmal besonders die Männer und Frauen, die zwischen den Pfosten stehen, betroffen.

Vor allem die Regeländerung, die das Abwehrverhalten des Torwarts gegen den Angreifer betrifft, sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Deutschlands Schiedsrichterwart Hans Thomas versucht nun, für klare Verhältnisse zu sorgen. „Im Gegensatz zu unserer bisherigen Meinung, dass es beim Zusammenstoß zwischen Gegenstoßspieler und einem stehendem Torwart zu einem Stürmerfoul kommt, sieht das Regelwerk künftig eine direkte Disqualifikation des Torhüters vor. Denn nur er kann einen gefährlichen Zusammenprall verhindern“, schrieb Thomas in seiner Anweisung, die über den Dachverband ihren Weg zu den Landesverbänden, Schiedsrichtern und Spielern fand. „Wenn der Torwart bei einem Angriff des Gegners seinen Torraum verlässt und es zu einem Zusammenstoß mit dem Gegenspieler kommt, ist der Torhüter immer der ,Übeltäter‘. Egal, ob er sich bewegt oder steht. Somit ist er mit einer Disqualifikation zu bestrafen“, fügt Rolf Flasche, erfahrener Unparteiischer in Diensten des VfL Hameln, erklärend hinzu.

Die neue Anweisung manifestiert, was viele Beobachter bereits seit langer Zeit debattiert haben: Das „Mitspielen“ des Keepers ist in Zukunft ein kaum noch zu kalkulierendes Risiko. Deshalb ist der Torwart auch kein normaler Feldspieler mehr, wenn er seinen Torraum verlässt. Die bislang geltende Gleichbehandlung aller Spieler auf dem Feld ist damit aufgehoben. Für Florian Söhlke, Schiedsrichter der HSG Fuhlen/Hessisch Oldendorf und als Torwart im Landesliga-Team der HSG aktiv, ist die neue Auslegung eher fragwürdig, „weil es den Angreifern hiermit viel zu leichtgemacht wird.“

Rote Karte ja, gekreuzte Arme nein – Rolf Flasche (li.) und Florian Söhlke machen die Änderungen im neuen Regelwerk der Handballer deutlich. Foto: jko

Den Hintergrund der seit Saisonbeginn gültigen Anweisung erläutert Manfred Herzog, Männerspielwart des HVN: „Dadurch soll die gefährliche Situation eines Zusammenpralls möglichst vermieden werden. Diese Sanktionen sind im Interesse der Gesundheit der Spieler erarbeitet worden.“ Schließlich könne nur der Torwart „diese gefährliche Kontaktsituation überblicken“. Eine klare Aussage. Aber Herzog weiß auch, dass es in Zukunft für die Referees nicht einfacher wird. „Die müssen in Sekundenbruchteilen entscheiden.“

Viele Freunde haben die Regelexperten des DHB mit dieser Änderung nicht gewonnen, dafür wurde aber schon reichlich Unmut laut. „Ich habe meinen Torhütern gesagt, in Zukunft am besten gar nicht mehr rauszulaufen. Die haben da eigentlich auch nichts zu suchen, solche Situationen muss die Mannschaft durch eine strukturierte Rückwärtsbewegung lösen“, meint Hamelns Trainer Hajo Wulff.

Auf eine Maßnahme können die Schiedsrichter seit dem 1. Juli verzichten. Nach einer Tätlichkeit sieht der Übeltäter nicht mehr die gekreuzten Arme des Unparteiischen, denn der Ausschluss ist aus dem Regelwerk gestrichen worden. In der neuen Saison sehen die „Grobtechniker“ des Handballs künftig die Rote Karte. Auf den Schiedsrichter wartet danach noch reichlich Arbeit. Der Vorgang muss schriftlich festgehalten werden. Die offizielle Bezeichnung lautet „Disqualifikation mit Bericht“ und zieht automatisch eine zweiwöchige Sperre nach sich. Auch höhere Sperren können verhängt werden.

Glücklich kann sich der Sünder schätzen, der nur den Roten Karton sieht. Wenn kein Bericht vorliegt, bleibt es bei einer Matchstrafe. Im Klartext: schon im nächsten Spiel darf der Rotsünder wieder mitmischen. „Da muss man abwarten, wie sich das bewährt. Die zu erstellenden Berichte lassen viel Spielraum für Interpretationen“, zeigt sich Herzog skeptisch. Auch Flasche findet es nicht gut, dass der Ausschluss abgeschafft wurde: „Nach einem groben Foulspiel erhält der Spieler zwar die Rote Karte und eine nachfolgende Sperre, im Gegensatz zum Ausschluss darf die Mannschaft aber nach zwei Minuten wieder komplettiert werden. Eine direkte Bestrafung für die laufende Partie entfällt damit ganz.“

Torhüter Andreas Kinne in Aktion – in der neuen Saison muss sich auch der Schlussmann des Oberligisten VfL Hameln an die Änderungen im Regelwerk der Handballer gewöhnen.

Foto: nls



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