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Wie geht’s weiter? TSC Fischbeck stolpert in die Krise

Dem ehemaligen Meister der Kreisliga TSC Fischbeck droht der Absturz in die 3. Kreisklasse – aber ein Fünkchen Hoffnung glimmt noch.

veröffentlicht am 30.05.2012 um 08:57 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:41 Uhr

Für Spielertrainer Christian Bruns ist der Niedergang des TSC Fischbeck in die 3. Kreisklasse kaum noch zu verhindern.Foto: nls

Der Turn- und Sportclub Fischbeck zählte mal zu den Topadressen des Fußballkreises Hameln-Pyrmont. In der Saison 1989/90 schoss das Stürmerduo Michael Stolpe/Markus Schmidt – gemeinsam versetzten sie die gegnerischen Torhüter mit mehr als 50 Treffern in Angst und Schrecken – die damals vom Erfolgstrainer Karl-Heinz „Kalle“ Karbautzki gecoachten Fischbecker souverän in die Bezirksklasse. Doch das ist an der Weser längst „Schnee von gestern“.

Die Realität sieht beim TSC heute völlig anders aus – nämlich bitter, und zwar ganz bitter. Mitte Juni ist Meldeschluss für die kommende Saison. Und da deutet alles darauf hin, dass in Fischbeck künftig nur noch Fußball auf Sparflamme gespielt wird. Christian Bruns, der gemeinsam mit Michael Mork das Training in Fischbeck leitet, ist sich fast schon sicher: „Unsere Spielerdecke ist zu dünn. Wir werden für die kommende Saison wohl nur noch eine Mannschaft für die 3. Kreisklasse melden.“ Und Bruns skizziert damit die derzeitige Situation des Vereins, wo die Mannschaft der A-Junioren bereits aufgelöst wurde, durchaus realistisch. „Wir haben es in den vergangenen Jahren nicht verstanden, die Jugendspieler in Fischbeck halten zu können“, weiß nicht nur Bruns. Hinzu kommt, dass sich zur Winterpause auch einige Herrenspieler beim TSC verabschiedeten.

Der Trainer ist sich sicher, dass der negative Trend in den kommenden Jahren im Kreis Hameln-Pyrmont kaum zu stoppen ist: „Es werden bestimmt noch einige andere Vereine von der Bildfläche verschwinden.“ Die Probleme sieht Bruns vor allem im Nachwuchsbereich: „Die Zeiten haben sich geändert. Schule und Studium stehen ganz klar im Vordergrund. Da spielt der Fußball meistens nur noch eine Nebenrolle.“

Einige Stammspieler der aktuellen Fischbecker Mannschaft halten sich derzeit noch bedeckt, wenn es um ihre fußballerischen Aktivitäten der kommenden Saison geht. Ob sie dem TSC weiterhin die Treue halten werden, ist völlig offen. Mit Tim Meyer, der aus beruflichen Gründen fast nur am Wochenende zwischen seinem Arbeitsort und Fischbeck pendelt, und Hendrik Sagebiel, der in Paderborn studiert, gehören auch zwei Leistungsträger dazu.

Trotz des drohenden Rückzugs in die 3. Kreisklasse spricht momentan einiges dafür, dass beim TSC Fischbeck die Lichter nicht völlig ausgehen. „Ein Fünkchen Hoffnung glimmt noch“, stimmt Bruns optimistisch. „Nach aktuellem Stand können sich fast 20 Spieler vorstellen, auch in der 3. Kreisklasse für uns zu spielen. Doch bis zur Wechselfrist läuft noch viel Wasser die Weser hinab.“

Markus Mai, der in Darmstadt arbeitet und in Fischbeck nebenbei noch eine Kneipe hat, ist inzwischen als Spartenleiter zurückgetreten: „Es wurde mir alles ein bisschen viel. Außerdem ließ bei mir die Motivation nach.“ Denn zu viele eigene Talente, auf die der TSC große Hoffnungen setzte, hätten den Verein verlassen. „Das hat uns den Rest gegeben.“ Die Folge: Teilweise stehen acht Altherren-Spieler in der Fischbecker Startelf. Der hohe Altersdurchschnitt des TSC erschwert auch den Neuanfang: „Wir müssen quasi vier Jahre überbrücken, bis unsere Talente aus der C-Jugend bei den Herren mitspielen können. Und die müssen wir erst einmal überleben“, so Mai.

Für ihn ist klar: „Wenn wir in der 3. Kreisklasse nicht oben mitspielen, könnte der geplante Neuanfang zur Totgeburt werden.“ Dann hätten die Leute, die dem Verein treu geblieben sind, „irgendwann auch keine Lust mehr“. Sollte das passieren, bestünde die Gefahr, dass der TSC Fischbeck im Fußball ganz von der Bildfläche verschwindet. „Wenn wir in der 3. Kreisklasse keinen Erfolg haben, sehe ich schwarz.“ Hinter den Kulissen gibt es zwar Gespräche mit einem Kreisklassen-Klub, was eine mögliche Spielgemeinschaft angeht, um zu retten, was zu retten ist. „Aber spruchreif ist noch nichts“, so Mai.



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