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Aufgeben, freiwillig absteigen oder Spielgemeinschaft gründen? Das tut sich im Kreisfußball

Wenn Klubs die Krise kriegen

Hameln-Pyrmont. Sie müssten jubeln, die Fußballer des TSV Eintracht Nienstedt. Weil der TSV Bisperode über die Relegation den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft hat, dürfen die Nienstedter als Vorletzter in der 1. Kreisklasse bleiben. Aber sind sie da wirklich gut aufgehoben? 16 ihrer 19 Punkte holte die Eintracht in der Hinrunde. In der Rückserie gab es eine Klatsche nach der nächsten. Und weil mit den Busse-Brüdern Christian und Andreas und wohl auch Mike Krejan unter anderem drei Leistungsträger aufhören, zieht Fußball-Chef Thorsten Reimann jetzt die Notbremse, weil der Kader nicht mehr konkurrenzfähig ist. Nienstedt plant mit dem neuen Trainer Mario Käfer, der bislang Betreuer beim Kreisligisten SC Empelde war, einen Neuanfang in der 3. Kreisklasse, „damit wir nicht ganz von der Bildfläche verschwinden“.

veröffentlicht am 22.06.2013 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

Reimann blutet zwar das Herz: „Aber für die 1. Kreisklasse zu melden, wäre Selbstmord. Wir hätten dort absolut keine Chance und würden wohl eine zweistellige Niederlage nach der anderen kassieren.“ Weil Eintracht Nienstedt auf den Klassenerhalt verzichtet, ist ein Platz in der 1. Kreisklasse frei. Und den könnte dann ja Schlusslicht TB Hilligsfeld übernehmen…

Bei den Sportfreunden Amelgatzen gehen die Lichter, zumindest was den Herrenfußball angeht, komplett aus. Dass nach dem Abstieg in die 3. Kreisklasse die Mannschaft komplett auseinanderbrechen wird, war schon seit Wochen klar: „Wir sind mit nur 15 Spielern in die Saison gestartet, drei davon haben uns im Winter verlassen“, macht Trainer Christoph Ziegler die Misere deutlich. Und als weitere Spieler ihren Abschied zum Saisonende ankündigten, war das endgültige Aus besiegelt. „Wir wollten die Saison vernünftig zu Ende spielen – und uns mit Anstand aus der Liga verabschieden. Und das ist uns meiner Meinung nach auch gelungen.“ Für Amelgatzens Coach steht fest: „Wir waren einer der ersten Vereine, der sich vom Spielbetrieb abgemeldet hat, aber bestimmt nicht der letzte.“ Er geht davon aus, dass in den nächsten Jahren einige kleine Dorfklubs Probleme bekommen könnten – wie zum Beispiel auch der SC Börry, dessen Kreisliga-Zukunft noch ungewiss ist. Die Frage, wie es mit der Schünemann-Elf weitergeht, soll heute bei einer Krisensitzung der Fußballsparte geklärt werden.

Bereits Ende Mai verkündete der TuS Hessisch Oldendorf seinen überraschenden Abschied aus der Kreisliga. „Der Schritt ist uns sportlich sehr schwergefallen. Wir wollten in der nächsten Saison in der Kreisliga allerdings nicht zum Kanonenfutter werden. Es wäre sportlich unmöglich gewesen, den Klassenerhalt zu schaffen“, begründete TuS-Sprecher Stephan Scheling die Entscheidung, in der neuen Saison nur in der 1. Kreisklasse zu starten. Denn nicht nur Trainer Tarik Oenelcin verließ den Verein, sondern auch zahlreiche Leistungsträger (u. a. Bujamin und Latif Kiki, Denis Anklam, Daniel Schröder, Gabriel Berjawi, Cihan Teke, Andreas Helmel und Frederik Quindt). Statt mit Hemeringens Ex-Coach Hassan Hamadi, der eigentlich Oenelcin-Nachfolger werden sollte, coacht jetzt der bisherige Reserve-Coach Adrian Suslik die Erste des TuS Hessisch Oldendorf.

Andere Kreisliga-Klubs gehen andere Wege und gründen aufgrund großer Personalsorgen eine Spielgemeinschaft: Der VfB Eimbeckhausen macht mit dem TSV Nettelrede (1. Kreisklasse) gemeinsame Sache. Und auch die SSG Marienau will mit dem alten Rivalen MTV Coppenbrügge, der vor zwei Jahren seine Herrenmannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, die Kräfte bündeln. Berührungsängste hatte Marienaus Fußball-Chef Michael Greve nicht: „Für mich ist das kein Problem. Ich bin alter Coppenbrügger mit Wurzeln in Marienau.“ Die Idee, eine Spielgemeinschaft zwischen den beiden Ostkreisklubs zu gründen, sei nicht neu, sondern wurde schon vor drei, vier Jahren geboren. Aber jetzt erst umgesetzt – quasi aus der Not heraus.

„Es ist einen Versuch wert, schließlich haben beide Vereine nichts zu verlieren. Aus eigener Kraft hätten die Coppenbrügger keine Mannschaft melden können. Und auch wir hatten personelle Probleme, nachdem uns mit Patrick Giger, Maik Wilkening und Daniel Voß drei Spieler verlassen haben, die wir für die neue Saison fest eingeplant hatten“, so Greve. Für Coppenbrügges Jugendleiter David Mazurowski ist mittelfristig auch eine Fusion kein Tabu: „Spätestens wenn wir irgendwann mal eine Mannschaft haben sollten, die in der Kreisliga oben mitspielen kann, kommt das Thema auf die Tagesordnung, weil eine SG meines Wissens ja nicht in die Bezirksliga aufsteigen darf.“

Und auch im Frauenfußball tut sich was. Landesliga-Absteiger Inter Holzhausen hat den Pyrmonter Bergdörfern angeboten, eine gemeinsame Kreisligamannschaft zu melden: „Die Gespräche laufen noch. Ich gehe davon aus, dass Sonntag die Entscheidung fällt“, sagt Holzhausens Fußball-Chef Thomas Bertram, der auch SW Löwensen eine Zusammenarbeit angeboten hatte – wie sie im Jugendförderverin Union Bad Pyrmont (JFV) ja schon erfolgreich praktiziert wird. Doch das hat laut Bertram „leider nicht geklappt“.

Der JFV Union Bad Pyrmont, der 2012 von SW Löwensen, Spvgg. Bad Pyrmont, TuS Germania Hagen, SC Rot Weiß Thal und Inter Holzhausen gemeinsam aus der Taufe gehoben wurde, um bei der Nachwuchsarbeit zusammenzuarbeiten, geht den nächsten Schritt: Nach den männlichen Juniorenteams werden ab Sommer auch die Mädchen-Mannschaften der Pyrmonter Klubs in den Jugendförderverein integriert. Es wäre laut Bertram „schön, wenn wir so etwas auch im Damenbereich hinbekommen könnten“. Und auch Tünderns Trainer Siegfried Motzner warnt: „Der demografische Wandel wird die Fußballvereine schneller einholen, als ihnen lieb sein kann. Der Rückgang im Jugendbereich in den letzten Jahren ist erschreckend hoch. Ich kann den Vereinen nur empfehlen, den Beispielen des JFV Bad Pyrmont oder Deister United schnell zu folgen“, so Motzner. „Bedauerlich finde ich, dass die Hamelner Vereine es nicht schaffen, eine einzige Jugendabteilung zu gründen. Die Jugend muss gefördert, aber auch gefordert werden und dies ist meiner Meinung nach nur durch eine Schaffung eines Leitungszentrums möglich.“mit jab



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