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Erste Oberliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte

Tünderns Titelhelden

BEZIRK HANNOVER. Erst 1:0 vorn, dann 1:2 hinten - und am Ende 5:2 gegen SV Iraklis Hellas gewonnen: Robin Tegtmeyer (3), Vincent Marahrens und Lukas Kramer schießen Tündern in die Oberliga!

veröffentlicht am 01.06.2019 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.06.2019 um 21:50 Uhr

Die Sensation ist perfekt: Tündern bejubelt den Oberliga-Aufstieg.

HSC BW Tündern – SV Iraklis Hellas 5:2 (1:1). „Iraklis ist vom Himmel in die Hölle gefallen – und wir von der Hölle in den Himmel“, war Tünderns Sprecher Willi Gurgel fix und fertig mit den Nerven. Tündern ist Oberligist! Und war das das für eine emotionale Achterbahnfahrt, die beide Mannschaften in diesen 90 Minuten erlebten. Erst war Tündern Meister, dann hielt Iraklis die Klasse – und dann sorgen 180 unglaubliche Sekunden für die endgültige Wende. „Es war eine Achterbahnfahrt. Ich kann erzählen, was wir gefühlt haben, aber ich kann es nicht beschreiben“, meinte Gurgel. Doch wir schreiben die Geschichte von Anfang an: Beide Mannschaften starteten verhalten in die Begegnung – für beide ging es um alles. Während für die Tünderaner die erste Landesliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte auf dem Spiel stand, ging es für die Griechen gegen den bitteren Abstieg. In der 10. Minute erzielte Robin Tegtmeyer die viel umjubelte frühe Führung der Hausherren, nach Vorarbeit von Lukas Kramer. Doch die erhoffte Sicherheit bekamen die Blau-Weißen nicht in ihr Spiel. Stattdessen kämpfte sich Iraklis in diese Begegnung. „Die erste Halbzeit war nicht prickelnd. Wir haben das 1:0 aus dem Nichts geschossen. Danach war Iraklis präsenter und hat uns unter Druck gesetzt“, analysierte Tünderns Trainer Siegfried Motzner den ersten Durchgang. Zwei Minuten vor dem Pausenpfiff wurde die Passivität der Hausherren bestraft. Der frisch eingewechselte Niklaos Zervas tauchte frei vor HSC-Keeper Lukas Masur auf und schloss unhaltbar zum 1:1-Ausgleich ab. Motzner: „In der Kabine war die Stimmung nicht gut, die Köpfe waren unten.“ Entsprechend verlief der Beginn der zweiten Halbzeit. Während die Windmühlenkicker offenbar mit der Meister-Blockade zu kämpfen hatten, wehrte sich Iraklis mit allen Kräften gegen den drohenden Abstieg. In der 60. Minute dann der Schock für Tündern: Zervas tauchte erneut vor Masur auf, umkurvte diesen gekonnt und schob zur 2:1-Führung ein – plötzlich waren die Gäste wieder Landesligist und es herrschte Totenstille auf der Kampfbahn. „Ich habe überlegt, wie ich den Jungs auf dem Platz helfen kann und habe mit Vincent Axel Marahrens und Rico Stapel zwei laufstarke Spieler gebracht. Ich wollte, dass wir sie über die Außen unter Druck setzen und Ballverluste provozieren. Das hat geklappt und plötzlich war der Kopf wieder frei – Fußball wird eben vor allem mit dem Kopf gespielt“, erläuterte Motzner seine taktischen Maßnahmen. Dann erlebten die rund 600 Zuschauer an der Hamelner Kampfbahn 180 Sekunden, die nicht nur in die Vereins-, sondern in die Kreisfußball-Geschichte eingehen werden: In der 73. Minute spielte Kramer eine butterweiche Flanke auf den eingewechselten „Youngster“ Marahrens, der aus zwei Metern die Stirn hinhielt und zum 2:2 einköpfte – und nur 120 Sekunden später schlug Spielmacher Jannik Hilker einen Eckstoß passgenau auf das Haupt von Kramer, der seine überragende Leistung mit dem Kopfball zum 3:2 vergoldete. „Bei den ganzen Lobliedern kommt Lukas Kramer manchmal zu kurz. Er reibt sich für diese Mannschaft auf, stellt sich in den Dienst der Gemeinschaft und ist absolut unverzichtbar“, sagte Co-Kommentator Magnus Frese im AWesA-Livestream völlig zurecht. Beflügelt von dieser Aufholjagd, spielte Tündern nun befreit auf und drängte auf die Entscheidung. Mit Erfolg: In der 81. Minute traf Tegtmeyer, nach Vorlage von Marahrens, zum zweiten Mal und schnürte in der 89. Minute per Flugkopfball seinen Dreierpack – sein 33. Tor, die unangefochtene Torschützenkrone und die endgültige Entscheidung waren der Lohn. Wenige Minuten später kannte der Jubel keine Grenzen mehr: blau-weiße Rauchschwaden deckten die Kampfbahn ein, Zuschauer stürmten das Spielfeld und es wurden Bierduschen ohne Ende verteilt – der erste Oberliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte war perfekt. Motzner kündigte gewohnt nüchtern an: „Das eine oder andere Brausebier wird heute getrunken.“ Sprecher Gurgel war dagegen schon etwas emotionaler angehaucht: „Nach dem Gefühl der Lähmung und der darauf folgenden Befreiung, herrscht pure Freude. Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll.“ Ugur Aydin hatte dagegen einen Mann nicht vergessen, der in Tündern zur Legende wurde: Karsten Leohnhart. „Er feiert da oben mit uns. Wir denken an ihn. Diese Meisterschaft ist für ihn!“ Fest steht nach diesen emotionsgeladenen Szenen: Feierabend ist auf der Kampfbahn wohl erst am späten Sonntagvormittag.  HSC BW Tündern: Masur, Hilker (88. Kießig), dos Santos (56. Marahrens),  Müller, Kramer, Aydin (63. Stapel), Fischer, Tegtmeyer, Gurgel, Neckritz, Tim Niclas Schumachers. awa Tore: 1:0 Robin Tegtmeyer (10.), 1:1 Niklaos Zervas (43.), 1:2 Zervas (60.), 2:2 Vincent Axel Marahrens (73.), 3:2 Lukas Kramer (75.), 4:2 Robin Tegtmeyer (81.), 5:2 Tegtmeyer (89.).  Besonderes: Gelb-Rote Karte für Ahmed Jameleddine (81.). 

4 Bilder
Tünderns Torjäger Robin Tegtmeyer bejubelt seinen Treffer zum 1:0.


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