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Heinz-Jürgen Kohrs geht mit der Spielvereinigung schon seit 50 Jahren durch dick und dünn

„Kohrsemann, der eiserne Pyrmonter“

Bad Pyrmont. Eigentlich wollte er sich auf dem Sportplatz gar nicht mehr aufregen. Doch am letzten Sonntag kochte bei „Kohrsemann“ tatsächlich mal wieder das Blut. Die Rote Karte für Pyrmonts Andrej Matwijow im Landesliga-Spiel gegen den HSC Hannover brachte ihn auf die Palme. „Doch ich bin ruhiger geworden“, gibt der inzwischen 63-jährige Heinz-Jürgen Kohrs zu – mit seinem richtigen Namen sprechen ihn aber wohl nur seine Kunden an, wenn er bei ihnen Feuerlöscher prüft oder verkauft.

veröffentlicht am 04.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:22 Uhr

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Klaus Frye

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Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite

Über seine Erlebnisse auf den Fußballplätzen könnte der Holzhäuser ein Buch schreiben, ein ganz dickes sogar. Denn in den vergangenen 50 Jahren hat er einiges erlebt. In der Schülermannschaft der Spielvereinigung fing es mal an. „Ein paar Monate nach der WM in Chile“, erinnert er sich noch genau. Seine fußballerische Karriere endete zwar früh, doch Pyrmonts Herrenmannschaft begleitete er schon damals Woche für Woche. „Kohrsemann“ wurde als Fan zu einem echten Dauerbrenner. Nicht nur als an der Südstraße Oberliga-Fußball geboten wurde, sondern auch als sein Verein in den Niederungen der 1. Kreisklasse neu durchstarten musste.

Egal, ob Kiel, Hamburg, Wilhelmshaven oder Höfingen und Grohnde – die markante Stimme des Pyrmonter Fans war auf keinem Platz zu überhören. Viele schöne Erinnerungen sind geblieben. Als die Spielvereinigung 1972 in der Verbandsliga Meister wurde, schallte es durch das Stadion: „Es hilft kein Prüfen und kein Testen, der Meister kommt aus dem Südwesten.“ Der Text war natürlich „Kohrsemann“ eingefallen. Das erste Aufstiegsspiel zur Landesliga führte ihn damals nach Sievern: „Da sind wir schon Donnerstag losgefahren, haben Helgoland und so manche Kneipe besucht und sind am Sonntag nach dem 3:2-Sieg glückselig wieder zurück nach Pyrmont gefahren.“

Und wenn die Fußballer auf Abschlussfahrt gingen, durfte natürlich auch Kohrs nicht fehlen. Zu den Touren an den Gardasee, nach Berlin oder Rüdesheim fällt ihm heute noch so manche Anekdote ein.

Nach 50 Jahren Fanbegleitung ist „Kohrsemann“ nicht nur ruhiger geworden, er wollte sich auch nur noch die Heimspiele anschauen. Doch beim Auswärtssieg in Alfeld war der eingefleischte Fan des Hamburger SV schon wieder dabei. Nur wenn es am kommenden Sonntag zu Fortuna Sachsenross geht, grüßt Urlauber Kohrs von Teneriffa, wo er sich schon seit vielen Jahren seinen verdienten Urlaub gönnt. Doch selbst auf den Kanaren läuft es nicht ganz ohne Fußball. Einmal schaut er sich immer ein Heimspiel der Inselkicker des CF Teneriffa an. Doch die Zeiten, als er hier noch mit Trainern wie Jupp Heynckes und Ewald Lienen über Fußball philosophieren konnte, sind vorbei. Im Urlaub muss er diesmal mit spanischer Zweitligakost zufrieden sein.

Das ist für den 63-Jährigen aber alles nur Nebensache. Für „Kohrsemann, den eisernen Pyrmonter“ zählt in dieser Saison vor allem, dass seine Spielvereinigung den Klassenerhalt in der Landesliga packt.



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