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Aus dem Latferder „Käfig“ in die Fußball-Bundesliga: Physiotherapeut legt eine Blitzkarriere hin

Kneten für 96! Borchers ist jetzt ein „Roter“

Auf der Massagebank des Physiotherapeuten fühlte sich Jan Schlaudraff auch an seinem 29. Geburtstag wohl. Regeneration war angesagt, als der Mann aus der Offensivabteilung des Bundesligisten Hannover 96 nach dem Training die „goldenen Hände“ der medizinischen Abteilung gern in Anspruch nahm.

veröffentlicht am 20.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

Klaus Frye

Autor

Sportreporter zur Autorenseite

Locker durchkneten ließ sich der Ex-Nationalspieler diesmal von einem „Newcomer“ unter den Therapeuten. Von Patrick Borchers aus Latferde, der seit dem 1. Juli im großen Team der „Medizinmänner“ des Bundesligisten mit seinen heilenden Händen tagtäglich im Einsatz ist. Der Fußballer und der Therapeut hatten sich auch einiges zu erzählen, schließlich kommt Borchers auch als Kicker vom Fach. Mit seinem FC Latferde 80 ist der beidfüßig schießende Allrounder erst vor wenigen Wochen in die Kreisliga aufgestiegen.

Den Weg zu Hannover 96 hat er nach seiner Ausbildung in der Bad Pyrmonter Fachschule für Physiotherapie, die er 2011 erfolgreich abschloss, mehr oder weniger durch Zufall gefunden. Der Tipp kam von seinem Trainer Thomas Pernath, der ihm nach einer Trainingseinheit im Latferder Käfig sagte, dass „vielleicht bei Hannover 96 etwas möglich sei“. Patrick Borchers reagierte schnell: „Ich habe einfach mal angerufen.“ Der erste Kontakt mit 96-Physiotherapeut Steffen Hartmann war schnell geknüpft. Nach einem längeren Gespräch mit ihm und Ralf Blume, dem Chef der medizinischen Abteilung bei 96, sowie zwei Tagen Bedenkzeit war für „Patti“ alles klar: „Ich werde ein Roter.“

Seit dem 1. Juli steht er an der Leine im Dauerstress, denn fast täglich wird hier trainiert. Und die „Physios“ sind immer gefragt. „Ich habe schon jeden Spieler durchgeknetet“, lautete schon nach wenigen Tagen die erste Zwischenbilanz des 22-jährigen Latferders. Und freie Zeit wird Borchers auch in den kommenden Wochen kaum bleiben. Bereits am Samstag müssen die Koffer wieder gepackt sein, denn dann geht es ins Trainingslager nach Österreich. In Bad Waltersdorf folgt der Feinschliff vor dem Bundesliga-Start. Der Kurort im Süden der Steiermark verspricht zwar viel Ruhe und beste Erholung, aber bestimmt nicht für den Tross der 96er. Hartes Training und die beiden Testspiele gegen Austria Wien und Wisla Krakau fordern nicht nur die Spieler, sondern auch die Physiotherapeuten.

Denn ohne das eine oder andere Wehwehchen wird kaum ein Spieler die „heiße Phase“ der Saisonvorbereitung überstehen. Und dann sind sie gefragt – die heilenden Hände von Patrick Borchers. Der freut sich schon auf Österreich: „Das macht einfach Spaß, weil es ein professionelles Arbeiten ist. Da steht man vor allem nicht wie in einer Praxis unter Zeitdruck.“ Doch für eine Sache fehlt ihm die Zeit dennoch. Mit dem geliebten Kick bei seinem FC Latferde muss er künftig kürzertreten. Er steht aber weiter im Kader von Trainer Thomas Pernath, und mit seiner Mannschaft will er möglichst früh den Klassenerhalt schaffen. „Und wenn ich Zeit habe, bin ich natürlich dabei“, versprach er seinen Kumpels aus dem Käfig.



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