weather-image
15°
Fußball: Preussen taumelt in die Krise – aber Özkan Ünsal glaubt an 07

„Jammern hilft nichts“

BEZIRK HANNOVER. „Wir müssen im Abstiegskampf an die Schmerzgrenze gehen und darüber hinaus“, fordert Özkan Ünsal. Der Ex-Kapitän und dienstälteste Spieler des Fußball-Bezirksligisten FC Preussen Hameln 07 weiß, wovon er spricht.

veröffentlicht am 04.11.2017 um 00:00 Uhr

270_0900_68440_sp111_0411.jpg
aro

Autor

Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vor einer Woche hat sich der 31-Jährige beim 0:0 in Arnum die Nase angebrochen und spielte trotzdem weiter – mit einem Tampon in der Nase. „Den habe ich von einer Zuschauerin bekommen, weil ich so starkes Nasenbluten hatte.“ Ünsal war zwar anfangs etwas benommen, wie er selbst sagt. Sich auswechseln zu lassen, kam für ihn aber nicht infrage: „Ich bin mit Leib und Seele Preusse und lasse meine Mannschaft in dieser schwierigen Situation nicht im Stich.“

Ünsal ist ein Kämpfertyp. Trotz angebrochener Nase stand er auch am vergangenen Dienstag bei Preussens 0:4-Pleite in Koldingen in der Startelf und spielte 90 Minuten durch. Ihm blieb auch nichts anderes übrig. Die Personalnot war aufgrund der vielen Ausfälle in Koldingen so groß, dass mit Kenny Kempke sogar ein Spieler in der Anfangsformation stand, der normalerweise bei Preussens Reserve in der 2. Kreisklasse spielt. Und das in einem „Sechs-Punkte-Spiel“, das die Preussen nicht hätten verlieren dürfen. Denn Koldingen ist ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf. Durch die fast zweimonatige Sieglos-Serie (fünf Niederlagen, drei Remis) wurden die Hamelner, die in zwölf Spielen nur neun Punkte geholt haben, in der Bezirksliga-Staffel 3 auf den 13. Tabellenplatz durchgereicht. Der Relegationsplatz ist für 07 ein gefühlter Abstiegsplatz. Wenn der Tabellenvorletzte FC Springe (11 Spiele, 19 Punkte) und Schlusslicht SSG Halvestorf (8 Spiele, 6 Punkte) in den Nachholspielen fleißig punkten sollten, sitzt Preussen erst einmal im Tabellenkeller fest. Das weiß auch Özkan Ünsal. Deshalb hat für ihn das Krisen-Derby gegen Schlusslicht Halvestorf Endspielcharakter – „wie vergangene Saison das Kreispokalfinale gegen Eintracht Afferde“. Ünsal war damals Preussens Pokalheld. Mit dem ersten Ballkontakt nach seiner späten Einwechslung erzielte Ünsal „mit einer großen Portion Wut im Bauch“, weil er eine halbe Ewigkeit auf der Preussen-Bank schmoren musste, kurz vor Schluss das 1:1 und rettete 07 mit mit seinem fulminanten Schuss ins Elfmeterschießen. Dann verwandelte Preussens Nummer zehn auch noch den finalen Elfer zum 6:5-Endstand. Es war einer der verrücktesten Momente in seiner langen Fußball-Karriere. Doch nach drei Aufstiegen in Serie und dem Gewinn des Kreispokals läuft in der Bezirksliga im Moment alles gegen Preussen. „Ich spiele schon lange Fußball, aber so eine Seuchen-Saison wie diese habe ich noch nicht erlebt“, sagt Ünsal. „Wir haben nur am ersten Spieltag (3:2 gegen Lehrte; d. Red.) in Bestbesetzung gespielt. Da haben wir gezeigt, welches Potenzial uns uns steckt. Wenn wir komplett sind, können wir jeden schlagen. Davon bin ich überzeugt.“

Doch die nicht enden wollende Verletzungsmisere hat 07 einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Vor dem Derby am Sonntag gibt es die nächste Hiobsbotschaft: Für Preussens Torjäger Sebastian Latowski (11 Saisontore) ist die Hinrunde vorzeitig beendet. Diagnose: Muskelbündelriss. Auch Niclas Meyer, Nils Remmert und Elk Jörn fallen gegen die SSG aus, voraussichtlich auch Torwart Frederik Quindt. „Jammern hilft nichts. Wir müssen das Beste aus der Situation machen und uns irgendwie in die Winterpause retten“, so Ünsal. „Selbst wenn wir das Derby verlieren sollten, was ich nicht hoffe, bin ich mir hundertprozentig sicher, dass wir den Klassenerhalten noch schaffen. Wir werden die Krise überstehen und in der Rückrunde stärker zurückkommen. Wir Preussen geben nicht so schnell auf.“

Information

13. Spieltag der Fußball-Bezirksliga

Eintracht Afferde – SV Alfeld (Sa., 14 Uhr): „Das wird eine harte Nuss, die wir knacken müssen“, ist sich Afferdes Torwart Moritz Muschick vor dem Topspiel gegen den Tabellenzweiten SV Alfeld sicher. Ein brisantes Verfolger-Duell: Beide Teams haben 23 Punkte. Bei einem Heimsieg winkt der Eintracht Platz zwei. Zumindest vorübergehend, denn die SVA hat ein Spiel weniger absolviert.


Germania Hagen – FC Algermissen (So., 14 Uhr): Stoppen die Germanen gegen Schlusslicht Algermissen ihre Talfahrt. Nach acht sieglosen Spielen ist Hagen (10 Pkt.) Zwölfter. Die Abstiegszone ist nur noch einen Punkt entfernt. Deshalb schlägt Eldar Zahirovic vor den Wochen der Wahrheit Alarm: „Die Gegner interessieren mich nicht. Wir müssen punkten – egal, wie.“ Aus den nächsten vier Spielen sollen mindestens neun Punkte her.


SC Harsum – MTSV Aerzen (So., 14 Uhr): Harsum ist als Tabellenvierter zwar Favorit, trotzdem rechnet sich Aerzens Fußball-Chef Karsten Hoppe etwas aus: „So stark wie in der vergangenen Saison ist Harsum nicht mehr. In der Liga kann fast jeder gegen jeden punkten.“ Fest steht: Im Kampf um den Klassenerhalt kann der MTSV, der als Elfter nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationplatz hat, jeden Punkt gut gebrauchen.


SpVgg. Niedersachsen Döhren – SV Lachem (So., 14 Uhr): „Das ist ein dicker Brocken“, sagt Lachems Teamsprecher Jürgen Ahrens vor dem schweren Auswärtsspiel beim Tabellenvierten Döhren. Ein Wiedersehen gibt es mit dem Ex-Lachemer Taydun Dizdar, der für Döhren bereits zehn Saisontreffer erzielt hat. Personell sieht es beim SVL gut aus: Zwar fehlt Soner Aslan, dafür sind Sebastian Specht und Alper Alco wieder dabei.


FC Preussen Hameln 07 – SSG Halvestorf (So., 14 Uhr): Im Keller-Derby zwischen Preussen und Schlusslicht Halvestorf gilt für beide Teams: Verlieren verboten! „Wir konnten aufgrund der Platzsperre kaum trainieren und sind nicht im Spielrhythmus“, sagt SSG-Sprecher Burhard Büchler. Der Vorteil der Zwangspause: Halvestorf hat keine Verletzten und kann in Bestbesetzung spielen. aro

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare