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Inga Buchholz hat Nationalelf-Debüt im Visier

Für Friedrike Meyer ging der Traum bereits in Erfüllung. Bad Pyrmonts Oberliga- Volleyballerin feierte im Januar ihr Debüt in der Junioren-Nationalmannschaft. Auch Diedersens Torwart-Talent Inga Buchholz träumt davon, „einmal für Deutschland zu spielen“. Doch mit Volleyball hat die 14-Jährige nichts am Hut. Sie spielt lieber Fußball. Und das richtig gut.

veröffentlicht am 15.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

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Selbst DFB-Torwart-Trainerin Silke Rottenberg, die früher selbst eine Weltklasse-Keeperin war und mit Deutschland unter anderem zwei WM- und drei EM-Titel holte, hat ihren Namen bereits auf den Zettel, denn Inga Buchholz zählt in ihrer Altersklasse bundesweit unter anderem mit Vanessa Fischer (FF USV Jena) und Carina Schanz (TSG 1899 Hoffenheim) schon jetzt zu den besten drei Nachwuchstorhüterinnen, die vom DFB eine Einladung zum Stützpunkt-Training (15. bis 17. Februar in Schöneck) bekommen haben. Zu Recht. Das meint jedenfalls Alexander Stamm.

Wenn Diedersens Landesliga-Coach und Kreisauswahl-Trainer über Inga Buchholz spricht, fängt er an zu schwärmen: „Inga ist sehr ehrgeizig, trainingsfleißig und hat einen super Charakter.“ Vor allem auf der Linie sei die reaktionsschnelle Nachwuchskeeperin „sehr, sehr stark. Da macht ihr keiner so schnell etwas vor“. Auch was die Strafraumbeherrschung angeht, werde die junge Torhüterin, die in Afferde wohnt und das Viktoria-Luise-Gymnasium in Hameln besucht, immer besser. „Sie verfolgt ihre Ziele konsequent. Ich bin davon überzeugt, dass Inga den Sprung ins Jugendnationalteam schaffen kann“, sagt Stamm, der im vergangenen Jahr fast eine Dreiviertelstunde mit DFB-Torwart-Trainerin Silke Rottenberg telefoniert hat: „Sie hat sich aber, was Ingas Chancen auf eine Nominierung angeht, nicht in die Karten blicken lassen.“

Doch Buchholz, die im Januar mit der U15-Niedersachsenauswahl norddeutscher Hallenmeister wurde, hat bei den Trainingseinheiten trotz der starken Konkurrenz offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Während Buchholz für einen „kleinen Dorfklub“ spielt, stammen nahezu alle anderen Spielerinnen, die vom DFB nominiert wurden, aus den Nachwuchs-teams der ersten und zweiten Frauen-Bundesliga, davon alleine fünf vom Deutschen Meister und Champions-League-Finalisten 1. FFC Turbine Potsdam. „Die haben zwar bei einem Bundesligaklub wesentlich bessere Trainingsbedingungen, dass heißt aber nicht, dass sie besser sind als ich.“ Diedersens Klasse-Keeperin stotzt vor Selbstvertrauen – sie ist ein Typ wie Frank Rost. „Der war früher mein Vorbild.“ Kein Wunder, denn Inga Buchholz ist Schalke-Fan. Doch als Rost die Königsblauen verlassen hatte, „war es mit ihm auch schnell wieder vorbei“. Beim Vereinswechsel verstehen auch die weiblichen Fußball-Fans keinen Spaß. Schalke-Fan war Inga Buchholz übrigens schon immer: „Warum, weiß ich gar nicht so genau. Mein Vater ist Werder-Fan, und meine zwei Brüder sind für Bayern und Dortmund.“

Als die 14-Jährige, die übrigens auch eine talentierte Saxofonspielerin ist, im vergangenen Jahr erstmals eine Einladung zur Nationalmannschaft bekam, „hätte ich vor Freude fast einen Herzinfarkt bekommen. Das war schon geil“. Für 2012 hat sich Inga Buchholz vorgenommen, „auf jeden Fall mein erstes Länderspiel zu machen“. Und wenn sie sich etwas vornimmt, „dann schaffe ich das auch“.

Sie ist nämlich „extrem ehrgeizig“. Wenn alles nach Plan läuft, dann könnte sie ihr Debüt bereits am 18. April beim Länderspiel gegen die Niederlande geben, falls U15-Bundestrainerin Bettina Wiegmann sie nominieren sollte. Dann wäre Diedersens Nachwuchskeeperin nicht nur stolz, sondern auch überglücklich, „weil für mich ein Traum in Erfüllung gehen würde. Das wäre echt klasse.“

Um das zu schaffen, macht Inga Buchholz beim Vereinstraining auch gerne Überstunden und zu Hause täglich Sonderschichten. Für Inga ist das kein Problem, denn Faulenzen ist sowieso nicht ihr Ding. Auch Schule und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen, ist für die Fußballerin offenbar kein Problem: Sie hat einen Notendurchschnitt von 1,5 – „dafür lerne ich aber nicht so viel“.

Mit Fußballspielen angefangen hat Inga Buchholz bei Eintracht Afferde. „Damals war ich fünf. Meine Brüder Niklas und Patrick haben mich einfach mal zum Training mitgenommen.“ Dass sie fast sechs Jahre lang nur mit Jungs zusammenspielen musste, war für sie ein Vorteil, „weil man als Mädchen unterschätzt wird“.

Was ihren Karriereplan angeht, weiß die Afferderin übrigens ganz genau, was sie will. Die Nationalspielerin in spe weckte bereits das Interesse des Zweitligisten Magdeburger FFC, der sie vor etwa zwei Jahren in das dortige Sportinternat aufnehmen wollte. „Ein bisschen habe ich mich schon darüber geärgert, dass ich damals das Angebot abgelehnt habe, weil ich zu jung war. Noch einmal würde ich bestimmt nicht Nein sagen.“ Denn wie viele andere fußballbegeisterte Teenager auch hofft sie auf ein Angebot aus der Bundesliga: „Das wäre schon cool.“ Doch nicht nur ihre Fußball-Karriere hat Inga Buchholz im Blick: Nach dem Abitur will sie entweder Medizin studieren oder eine Ausbildung bei der Polizei anfangen: „Was ich später mache, weiß ich noch nicht so genau.“ Schließlich hat sie mit gerade einmal 14 ja noch ein bisschen Zeit …

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