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Weihnachten im Rollstuhl – Hessisch Oldendorfs Ex-Torhüter Holm Mauritz nach Schulteroperation ein Pflegefall

„Ich will mein altes Leben zurück“

Eben noch mitten im Leben – plötzlich im Rollstuhl. Ein absoluter Albtraum wurde für Holm Mauritz bittere Realität. Dabei ist der 58-Jährige ein Baum von einem Mann. Ein echt kerniger und vor allem überaus sympathischer Typ – und er war einst in Diensten des TuS Hessisch Oldendorf der mit Abstand beste Torhüter in der damaligen Fußball-Amateuroberliga Nord. Nun kämpft er in einer anderen Liga verbissen um jeden Millimeter Fortschritt und die erhoffte Rückkehr in die Normalität. Das Unfassbare geschah vor rund drei Monaten. Da ihm eine alte Schulterverletzung immer wieder große Probleme bereitete, entschloss sich Mauritz zu einer Operation im Friederikenstift in Hannover. Eigentlich ein Routine-Eingriff. Doch sein Schicksal hatte andere Pläne. Während der Operation fiel er ins Koma, und als er wieder aufwachte, war er links halbseitig gelähmt. Ein schwerer Schock für den Modellathleten, seine Frau Rita, die Kinder Lennart (20) und Louisa (18) und für alle anderen, die ihm nahestehen. Aber wie konnte es überhaupt erst zu derartig schlimmen Komplikationen kommen?

veröffentlicht am 24.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

„Mir wurde plötzlich ganz heiß, dann habe ich nur noch Blitze gesehen und dann war alles dunkel“, versucht sich Mauritz zu erinnern. Eine echte Erklärung für sein Unglück hat aber auch er nicht. Auch deshalb, weil es bis heute noch keine genaue Diagnose gibt. „Kardiologisch ist alles in Ordnung, der Arzt hat mir attestiert, ich hätte das Herz eines 30-Jährigen. Aber bei den Gehirnstrommessungen gab es Unregelmäßigkeiten“, gibt Mauritz den medizinischen Stand der Dinge wieder. Schnelle Hilfe sollten dann eigentlich erste Rehamaßnahmen in der Boberg-Klinik in Hamburg-Bergedorf bringen. Doch weit gefehlt. Der Torhüter – nach seiner TuS-Zeit noch Profi beim Zweitligisten TSV Havelse – kam hier quasi vom Regen in die Traufe. „Wie die dort auf der Station mit mir umgesprungen sind, ist ein Skandal. Hätte meine Frau Rita nicht wie eine Löwin gekämpft und mir bedingungslos zu Seite gestanden, ich hätte dort vermutlich meinen Lebenswillen verloren“, ist er heilfroh, die Hamburger Leidenszeit ohne weitere Schäden überstanden zu haben.

Viel wichtiger für ihn ist aber sein momentanes Domizil. Seit rund drei Wochen liegt der A-Lizenzinhaber, der als Trainer auch schon bei Preußen Hameln und zuletzt in der 96-Fußballschule mit HSV-Legende Manfred Kaltz und Dieter Schlindwein (früher FC St. Pauli) äußerst engagiert war, in der Neurologischen Klinik von Hessisch Oldendorf. Für ihn ein Glücksfall, „denn hier habe ich schon mehr Fortschritte gemacht als in den ganzen fünf Wochen in Bergedorf“. Bis zu sieben Therapieanwendungen pro Tag stehen auf dem Programm. Als einstiger Spitzensportler ist er zwar gewohnt, bis an die Schmerzgrenze zu gehen, aber hier muss er noch eine gehörige Schippe drauflegen. Aber mit jeder Einheit bekommt Holm Mauritz mehr Biss und vor allem Zuversicht, den Rollstuhl irgendwann einmal wieder in die Ecke stellen zu können. Auch wenn es möglicherweise noch Jahre dauert.

„Mittlerweile habe ich schon 145 Schritte auf dem Laufband geschafft“, berichtet er stolz. Für andere vielleicht nur ein Klacks, für ihn aber schon ein erster Meilenstein auf dem Weg zur erhofften vollständigen Genesung. Viel Mut macht dem Sparkassenangestellten auch die enorme Anteilnahme an seiner Person. „Wer mich schon alles besucht hat. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Freunde und Bekannte habe, selbst 96-Präsident Martin Kind hat sich bei mir gemeldet. Das gibt mir einen großen Schub“, freut sich Mauritz, dass er in dieser schweren Zeit von der großen Fußball-Familie nicht alleingelassen wird. Und er schmiedet auch schon wieder erste zaghafte Pläne. Nahziel ist die Teilnahme an der 96-Trainertagung im Januar in Rinteln. „Da will ich unbedingt dabei sein“, blickt er voraus. Vorher wird der 58-Jährige aber erst einmal der Klinik für einige Tage den Rücken kehren und im Kreise seiner Lieben Weihnachten feiern. In Anbetracht der Umstände ein ganz besonderes Beisammensein. „Hauptsache, ich bin endlich mal wieder zu Hause. Meine Frau hat alles arrangiert, das Krankenbett steht schon im Wohnzimmer. Treppensteigen geht ja noch nicht“, will er in der vertrauten Umgebung weitere Kraft für die noch kommenden schweren Prüfungen in der Reha tanken. Und was auf seinem Wunschzettel steht, dürfte eigentlich allen klar sein: „Ich will mein altes Leben zurück.“ Und wer den Kämpfer Holm Mauritz kennt, der weiß, er wird es vielleicht auch schaffen. Irgendwann.



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