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Nach Rauswurf in Lauenstein: Dietmar Harland kritisiert Art und Weise der Kündigung

„Ich bin menschlich sehr enttäuscht“

Lauenstein. Tagelang hat Dietmar Harland geschwiegen, weil der Trainer seinen Rausschmiss beim Kreisklassen-Klub MTV Lauenstein erst einmal verdauen musste. „Ich war total überrascht. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, sagt Harland, der keinen Hehl daraus macht, „dass ich menschlich sehr enttäuscht bin“. Vor allem über die Art und Weise, wie die Kündigung vollzogen wurde. Warum er als Trainer vonseiten des Vereinsvorstandes „eiskalt abserviert“ wurde, weiß Harland bis heute nicht: „Mir wurden keine Gründe genannt.“

veröffentlicht am 11.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:21 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

Was das Sportliche angeht, habe er sich als Trainer „nichts vorzuwerfen“: Lauenstein ist in der 1. Fußball-Kreisklasse hinter Tabellenführer TSV Klein Berkel (34 Pkt.) mit 27 Punkten zurzeit Zweiter – punktgleich mit Schwarz-Weiß Löwensen, das aufgrund des schlechteren Torverhältnisses zurzeit Dritter ist. Lauensteins Zwischenbilanz: acht Siege, drei Remis und zwei Niederlangen, die die Harland-Elf gegen Löwensen (2:4) und Tündern III (0:2) kassierte. Lauenstein habe zwar in der Hinrunde einige Punkte liegen lassen, wie zuletzt zu Hause beim enttäuschenden 3:3 gegen Eimbeckhausen/Netteltrede II. „Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir den Aufstieg geschafft hätten“, sagt Harland selbstbewusst. Doch warum wurde der Trainer eigentlich entlassen, wenn es sportlich so gut läuft?

„Dietmar hat bei uns eine super Arbeit geleistet. Es hat aber einfach nicht mehr funktioniert. Das hat nichts mit dem Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft zu tun. Es war eine Vorstandsentscheidung“, begründete Lauensteins Spartenleiter Michael Vogelgesang auf der Vereinshomepage die Entscheidung. Über Umwege hat Harland inzwischen erfahren, „dass der Vorstand mir den Aufstieg wohl nicht mehr zugetraut hat. Das hätten mir die Verantwortlichen aber auch ins Gesicht sagen können“.

Schon seit Sommer rumort es in Lauenstein hinter den Kulissen. Dass die Chemie zwischen dem Trainerteam der 1. Herrenmannschaft, zu dem neben Harland auch Co-Trainer Axel Lehnhoff gehörte, und dem Reservecoach Karsten Pramann-Kruppki nicht stimmt, ist ein offenes Geheimnis. „Eine vernünftige Zusammenarbeit mit ihm war nicht möglich, deshalb wollten wir sowieso nach der Saison aufhören. Das haben wir der Mannschaft auch vor dem Kreispokalspiel in Lachem mitgeteilt“, bestätigte Harland, der auf einige „Strippenzieher“ im Hintergrund nicht gut zu sprechen ist. Ihn ängert, dass gegenüber der Mannschaft, wie er gehört habe, behauptet wurde, „dass wir uns im gegenseitigem Einvernehmen getrennt haben. Das ist nicht der Fall“, klärt Harland auf. Und auch das in Lauenstein kursierende Gerücht, dass angeblich mindestens zehn Spieler der Zweiten wegen ihm und Axel Lehnhoff den MTV verlassen wollten, wurde laut Harland offenbar von einigen Leuten, die sich hinter den Kulissen in die Vereinspolitik einmischen, gezielt gestreut, „um uns loszuwerden“. Offenbar mit Erfolg. Denn obwohl sich die 1. Herrenmannschaft gegenüber dem Vorstand für Harland ausgesprochen hatte, musste der Trainer gehen. Und sein Co-Trainer Axel Lehnhoff ging gleich mit, als er von Harlands Entlassung erfuhr: „Für mich ist das Maß voll. Das mache ich nicht mehr mit.“ Schon während der Saisonvorbereitung spielte Lehnhoff erstmals mit dem Gedanken, den MTV zu verlassen, „weil ich nicht eingesehen habe, dass wir den Job vom Trainer der Zweiten mitmachen sollen, nur weil der in den Ferien nicht trainieren wollte“. Statt sich gegenseitig zu unterstützen, wird in Lauenstein gegeneinander gearbeitet. Diesen Eindruck hat auch Frank Göldner, der eigentlich der Nachfolger für den zwischenzeitlich zurückgetretenen Reservecoach werden sollte, „was auch per Handschlag besiegelt wurde“. Doch bereits vor seinem Amtsantritt wurde Göldner schon wieder geschasst. Und zwar genau an dem Tag, als er eigentlich als Nachfolger von Pramann-Kruppki vorgestellt werden sollte. Stattdessen habe ihm der Spartenleiter am Telefon angeboten, Betreuer bei der Ersten zu werden. „Da habe ich mich richtig verarscht gefühlt“, sagt Göldner, der sich auf seinen neuen Trainerjob schon intensiv in Absprache mit den Trainern der Ersten vorbereitet hatte. Doch die Arbeit hätte er sich sparen können. Kurios ist, dass nach der Entlassung von Harland und dem Rücktritt von Lehnhoff Pramann-Kruppki als Reservecoch nun doch weitermacht. Wer in Lauenstein neuer Trainer der Ersten wird, steht noch nicht fest. Gerüchten zufolge soll Springes Ex-Coach Markus Wienecke ein Kandidat sein, doch der dementierte prompt: „Mit mir hat noch niemand gesprochen.“

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  • F. Göldner
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  • A. Lehnhoff


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