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Für den 20-jährigen Fußballer der SSG Halvestorf beginnt in den USA ein neuer Lebensabschnitt

Fabian Kowalski sagt „Goodbye Deutschland“

Fabian Kowalski sitzt auf gepackten Koffern. Für den 20-jährigen Fußballer beginnt mit einem Studium in den USA ein völlig neuer Lebensabschnitt, „auf den ich mich sehr freue“.

veröffentlicht am 24.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Sonntag geht’s los. Für Fabian Kowalski beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt: „Ich werde in den USA ’International Management’ studieren.“ Um 9.45 Uhr startet am Sonntag der Air-Berlin-Flug „AB 7282“ von Düsseldorf nonstop Richtung Kanada. Von Vancouver aus geht es weiter in die USA. Nach einem kurzen Zwischenstopp in San Francisco geht es direkt weiter nach Reno. Kowalskis Reiseziel: Susanville, eine 17 600-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien.

Über seine neue Heimat hat sich Kowalski schon informiert: „Der größte Arbeitgeber der Stadt ist das Gefängnis mit 4000 Insassen.“ Am Lassen Community College in Susanville will Kowalski erst seinen Bachelor und anschließend an einem anderen Studienort seinen Master machen. „Vielleicht in Los Angeles. Das steht aber noch nicht fest.“ Die Idee, in Amerika zu studieren, wurde im vergangenen Jahr beim Florida-Urlaub geboren. Als ihm der Nachbar seines Kumpels davon erzählte, dass es an den Unis auch Fußballteams gibt, war Kowalski sofort Feuer und Flamme. Doch bis er sein Sport-Stipendium in der Tasche hatte, war es ein langer und steiniger Weg. „Ich habe mich bei einer Agentur beworben“ – mit Erfolg. Nach vielen Tests und Prüfungen sowie einer Trainingseinheit in Frankfurt vor den Augen von 19 College-Coaches bekamen Kowalski und sein Kumpel Christopher Zalipski, mit dem er sich eine Wohnung teilen wird, die Zusage. „Wir haben uns riesig gefreut. Mit ihm habe ich schon bei Tünderns A-Junioren zusammengespielt.“ Beide werden das Trikot der Lassen Cougars tragen: „Ich freue mich schon jetzt auf mein neues Team. Dort spielen auch einige Brasilianer, Australier, Engländer und Iren.“ Mit seinem neuen Coach hatte Kowalski bereits per Email Kontakt.

Bevor Kowalski „Goodbye Deutschland“ sagt, ließ er im Gespräch mit der Dewezet-Sportredaktion seine Fußball- Karriere Revue passieren. Sein absolutes Highlight: Mit Tünderns B-Junioren stieg er vor ein paar Jahren in die Regionalliga auf. Und darauf ist er heute noch mächtig stolz. Damals, beim Höhenflug der jungen Schwalben, trug Kowalski die Kapitänsbinde: „Das war eine unglaubliche Saison. So etwas vergisst man nicht.“ Seine Fußball-Karriere als Herrenspieler war dagegen kurz und bisher erfolglos.

Seine Zwischenbilanz nach drei Abstiegen in Folge: „Schlimmer geht’s nimmer.“ Erst stieg Kowalski mit Preußen Hameln 07 aus der Oberliga ab, dann folgte das Bezirksliga-Aus mit dem TSV Klein Berkel, und zu guter Letzt musste der 20-Jährige mit der SSG Halvestorf in der Landesliga die Segel streichen. Doch nach drei Seuchenjahren in Folge hat Kowalski seinen Humor nicht verloren: „Ich hoffe, dass es nicht nur an mir lag.“ Er könne sich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals ein Eigentor geschossen zu haben. Die Ursache für seine Pleiten-Serie ist ihm selbst ein Rätsel. „Ich glaube, ich hatte einfach nur ein bisschen Pech mit meinen Vereinswechseln.“ Stimmt.

Dass er mit 17 von Tündern zur SpVgg. Preußen Hameln 07 wechselte, „habe ich jedenfalls nicht bereut. Ich war damals einer der jüngsten Spieler der Oberliga“. Vom damaligen Preußen-Coach Kai Oswald „habe ich echt viel gelernt. Das war für mich als junger Spieler eine Super-Erfahrung“. Und auch beim TSV Klein Berkel fühlte sich Kowalski trotz der sportlichen Misere pudelwohl. „Der Abstieg war echt ärgerlich.“ Dass er jetzt auch mit der SSG Halvestorf in den sauren Apfel beißen musste, ist eine weitere bittere Pille, die der sympathische Kicker schlucken musste. Dass Kowalski den Ruf genießt, ein Abstiegsgespenst zu sein, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Er nimmt’s mit Humor. Und das ist auch gut so. „Ich bereue nichts. Heute würde ich alles wieder so machen.“ Die gute Nachricht: Einen vierten Abstieg in Folge wird es nicht mehr geben. Seine neue College-Mannschaft in den USA kann weder auf- noch absteigen. „Zum Glück“, sagt Kowalski – und lacht. Und was wird der 20-Jährige in den nächsten vier Jahren in den USA am meisten vermissen? „Ganz klar: meine Familie. Insbesondere meine Schwester wird mir fehlen. Und meine Kumpels natürlich auch.“ Um sich von seinen Jungs zu verabschieden, organisierte der „Auswanderer“ extra eine Center- Parcs-Tour, bevor er am Sonntag Tschüs sagt.

 



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