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Hamelns Eisenbahner auf dem Fußball-Abstellgleis

Eine Lok ohne Dampf

Hameln. Erst „Bummelzug“, dann Meister-Express – nun auf dem Abstellgleis. Die Eintracht-Lok hat keinen Dampf mehr und ihren Fahrbetrieb eingestellt. Alle Räder stehen still, nichts geht mehr. 

veröffentlicht am 03.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

Hameln. Erst „Bummelzug“, dann Meister-Express – nun auf dem Abstellgleis. Die Eintracht-Lok hat keinen Dampf mehr und ihren Fahrbetrieb eingestellt. Alle Räder stehen still, nichts geht mehr. Dabei ist es gerade einmal zehn Jahre her, als Hamelns Eisenbahner in einem wahren Triumph-Zug aus der 1. Kreisklasse in die Fußball-Kreisliga rauschten. Das war in der 84-jährigen Vereinshistorie nach 1983 übrigens erst der zweite Aufstieg ins Oberhaus. Damals zogen alle Spieler noch an einem Strang und die Welt am Tönebönweg 2a war in bester Ordnung – heute herrscht hier nur noch Tristesse. So schnell ändern sich eben die Zeiten.

Der Männerfußball beim ESV Hameln ist seit Ende der Winterpause nur noch Geschichte und keiner weiß im Moment, ob jemals wieder eine Herrenmannschaft am Spielbetrieb im Kreis teilnehmen wird. Auch Spartenleiter Markus Junga nicht. „Ich kann es mir im Moment wirklich nicht vorstellen. Allerdings werde ich mein Amt zum 30. Juni aufgeben und überlasse dann meinem Nachfolger die Dinge. Was der dann plant, weiß ich nicht“, gibt er den aktuellen Stand wieder.

Der Rückzug mitten in der Saison aus der 2. Kreisklasse, auch wenn er wohl unvermeidlich war, schmerzt ihn noch immer. „In diesem Verein steckt viel Herzblut von mir, der Schritt ist mir gewiss nicht leichtgefallen. Wir haben alles versucht, aber nur noch mit acht oder neun Spielern anzutreten, macht einfach keinen Sinn und auch keinen Spaß. Traurig, aber wahr“, blickt der 42-Jährige mit Wehmut zurück.

Das waren noch Zeiten: Eintracht Hameln stieg 2004 als Meister der 1. Kreisklasse in die Kreisliga auf. Archiv

Selbst eine Fusion mit dem Nachbarn FC Preußen 07 hatte der Spartenleiter kurzfristig in Erwägung gezogen und auch einmal dezent beim Vorsitzenden Wolfram Wittkop vorgefühlt, aber ohne Erfolg. „Ich kann aber verstehen, dass die lieber ihr eigenes Ding machen wollen“, war das Thema für Markus Junga schnell wieder abgehakt. Im Altherrenbereich ging die Fusion allerdings schon längst über die Bühne.

Der schleichende Tod des Männerfußballs beim ESV Eintracht Hameln begann aber irgendwie schon vor zwei Jahren, als die zweite Herrenmannschaft mangels Personal abgemeldet musste. Auch im Juniorenbereich – einst dank der verstorbenen Trainer-Ikone Helmut Hanus so etwas wie die Kaderschmiede für das gesamte Kreisgebiet – passiert nicht mehr viel.

Nur im Frauenbereich läuft alles noch wie am Schnürchen. „Hier haben wir sogar enormen Zuwachs, sodass wir in der kommenden Saison eine eigene zweite Mannschaft ins Rennen schicken können“, stellt Junga fest. Zwar sind die erfolgreichen Frauen von Trainer Sven Brostedt sportlich schon lange das Aushängeschild des ESV, eine Herrenmannschaft gehört aber zu einem Fußball-Klub wie das Salz in der Suppe. Aber genau die fehlt nun.

Ein Blick in die sportliche Vergangenheit macht aber viellicht ein bisschen Mut, auch wenn die Umstände damals völlig andere waren. Schon 1997 standen einmal alle Signale bei den Eisenbahnern auf Rot, denn die komplette Herren-Mannschaft hatte den Verein verlassen. Eintracht zog folgerichtig zurück und startete dann einen Neuanfang in der 3. Kreisklasse. Mit Erfolg, denn drei Jahre später waren die Hamelner schon wieder in der 1. Kreisklasse. Also abwarten...



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