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Fußball: Syrer Rostom Youssef könnte das Double des brasilianischen Weltstars sein

Der Ronaldinho der Kreisliga

HAMELN-PYRMONT. Das gelbe Trikot stimmt, die lange lockige Haarmähne, das schwarze Stirnband – und damit auf den ersten Blick auch die Optik. Er könnte es tatsächlich sein: Ronaldinho, der brasilianische Ball-Zauberer. Doch was macht der einst beste Fußballer der Welt plötzlich beim Kreisligisten TSV Klein Berkel?

veröffentlicht am 18.04.2017 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 18.04.2017 um 19:30 Uhr

Guter Techniker mit viel Übersicht: Klein Berkels Ronaldinho-Double Rostom Youssef. Foto: nls
Roland Giehr

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Roland Giehr Leiter Sportredaktion zur Autorenseite
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Wohl kaum seine glanzvolle Karriere ausklingen lassen. Die Frage ist deshalb auch schnell beantwortet: Der filigrane Techniker mit der Rückennummer zehn, der dort im Mittelfeld geschickt die Strippen zieht, heißt Rostom Youssef und ist Syrer. Die Ähnlichkeit mit dem Superdribbler vom Zuckerhut ist trotzdem verblüffend und sollte der mal tatsächlich ein Vize-Ego benötigen: „Rostinho“, wie er sich selbst gerne nennt, wäre wohl eine echte Alternative.

Davon konnte sich der ehemalige Star des FC Barcelona und AC Mailand sogar selber schon live überzeugen. „2005 beim Confed-Cup in Hannover habe ich Ronaldinho persönlich getroffen und ihm die Hand geschüttelt. Er hat gegrinst, als er mich gesehen hat und seinem Übersetzer gesagt, dass ich sein Double sein könnte“, erinnert sich der 33-Jährige noch haargenau an die bedeutsame Begegnung mit seinem großen Idol.

Die Verehrung für den 97-fachen brasilianischen Nationalspieler geht sogar so weit, dass Rostom Youssef seinen Sohn Ronaldinho nannte. Der ist mittlerweile acht Jahre alt, spielt Fußball in Aerzen und trägt natürlich auch die Zehn. „Das wird mal ein Guter“, weiß der 33-Jährige. Er selbst ist allerdings auch ein guter Fußballer. Beidfüßig, wie sich das für einen Spielmacher gehört – nur mit dem Kopfball hapert es ein wenig. „Das ist nicht so mein Ding“, gesteht Youssef und hält es damit auch mit Ronaldinho. Der ist alles, nur eben kein begnadeter Kopfballspieler. Hat bei ihm aber auch so für eine große Welt-Karriere gereicht.

Der echte Ronaldinho. Foto: dpa
  • Der echte Ronaldinho. Foto: dpa

Die blieb dem jetzigen Klein Berkeler Kicker zwar verwehrt, aber ein bisschen was vom kleinen Fußball-Kosmos hat er schon gesehen. Als er 1992 aus der Umgebung von Aleppo nach Deutschland kam, landete er zunächst in der Jugendabteilung von Königsförde, spielte dann noch für Aerzen, ehe der HSC Tündern seine erste Station im Herrenbereich wurde. Damals fungierte Youssef noch als Stürmer. „Ein paar Tore habe ich auch geschossen. Im Mittelfeld fühle ich mich aber besser aufgehoben“, sagt er. Über Hannover 96 Amateure, Viktoria Berlin, Preußen Hameln, SSG Halvestorf, SV Lachem und Königsförde fand er nun in der Winterpause den Weg nach Klein Berkel. „Ich bin toll aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl“, hat sich „Rostinho“ schnell in der neuen Umgebung akklimatisiert. Wie zuvor schon bei seinen vorherigen Klubs, ist er auch beim TSV fast immer der Erste beim Training. Und das, obwohl er kein Auto hat. Während sein Idol Ronaldinho Ferrari fährt, muss er sich mit dem Fahrrad begnügen. Bei Wind und Wetter. Vor allem, als er in Lachem spielte, war der Pedalritt (13 km) von seinem Wohnort Groß Berkel fast schon eine kleine Tour de France. „Das macht mir aber nichts aus“, sagt der sympathische Syrer, der in Deutschland ein unbefristetes Bleiberecht besitzt. Beim Blick auf den Bürgerkrieg in seiner Heimat wird er allerdings sehr traurig: „Was dort passiert, ist grausam und schrecklich. Verwandte von mir leben noch in Damaskus, denen geht es ganz schlecht. Ich bin sehr froh, dass ich hier sein darf.“

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