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Darum hat Tünderns Trainer Siegfried Motzner seinen Vertrag noch nicht verlängert

Bleibt er oder geht er?

Hameln. Bleibt er oder geht er? Trainer Siegfried Motzner ist ein wichtiger Mosaikstein beim Fußball-Landesligisten HSC Blau-Weiß Tündern. Doch ob der 51-Jährige die Schwalben-Elf auch in der neuen Saison coacht, ist noch nicht geklärt.

veröffentlicht am 27.02.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Motzners Vertrag läuft am Saisonende aus. Die Gespräche über eine Verlängerung ziehen sich seit Wochen hin wie Kaugummi. Eigentlich sollte die Zukunft des Trainers schon längst geklärt sein, aber eine Entscheidung wird es voraussichtlich wohl erst nächste Woche geben. „Es ist alles offen“, sagt Tünderns Teammanager Manfred Lentge zum aktuellen Stand der Dinge. Fest steht, dass der Verein gerne mit Motzner als Trainer weitermachen würde. Die Entscheidung liegt somit bei Motzner. Und der zögert noch. Die Frage ist, warum?

Motzner ist seit einer gefühlten Ewigkeit Trainer in Tündern. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos beim TSV Klein Berkel, mit dem er 2010 Kreispokalsieger wurde und als Meister in die Bezirksliga aufstieg, coacht Motzner Tünderns Erste seit 2006. Zuvor trainierte der A-Lizenz-Inhaber bereits die A-Junioren und die zweite Herrenmannschaft des Vereins. Ist für ihn möglicherweise der Zeitpunkt gekommen, noch einmal etwas Neues auszuprobieren? Gut möglich. An Angeboten anderer Klubs soll es jedenfalls nicht mangeln.

Seine Zukunft als Trainer werde sich demnächst entscheiden, kündigt Motzner an. In den nächsten Tagen werde er noch einige Gespräche führen. Dann entscheidet sich, ob er Trainer in Tündern bleibt oder sich bei einem anderen Verein eine neue Herausforderung sucht. Er habe drei Möglichkeiten. Sollte nichts davon klappen, „höre ich komplett auf“. Eine einjährige Auszeit als Trainer zu machen, kommt für ihn nicht infrage. Irgendwann komme sowieso der Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen. Schwer vorstellbar, dass das schon jetzt sein soll.

Dass er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert habe, habe nichts mit Tünderns prekärer sportlicher Lage zu tun, versichert Motzner. Tündern steht als Tabellen-14. in der Landesliga auf einem Abstiegsplatz und hat bereits fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Aber der drohende Abstieg spielt laut Motzner bei seiner Entscheidung „keine Rolle“. Ihm sind als Trainer – neben der sportlichen Perspektive – vernünftige Trainingsbedingungen, eine gute Jugendarbeit und eine verlässliche Kaderplanung wichtiger als die Frage, in welcher Liga seine Mannschaft in der nächsten Saison spielt. Obwohl in Tündern die Chemie zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand zu stimmen scheint, zögert Motzner mit seinem Ja-Wort. Warum eigentlich? Eine Vertragsverlängerung schien zu Beginn der Winterpause eigentlich nur noch Formsache zu sein.

Auszeit als Trainer?

Motzner: „Wenn, dann höre ich komplett auf"

 

Ein Knackpunkt scheinen für ihn unter anderem die Kaderplanungen für die neue Saison zu sein: „Eigentlich wollten wir es in diesem Jahr mal andersherum machen, dass erst die Spieler für die neue Saison zusagen und dann der Trainer“, so Motzner. Doch die Hälfte der Mannschaft habe erst zu 99 Prozent zugesagt. Und über so eine Aussage kann Motzner nur den Kopf schütteln: „Alle, die sagen, ich bleibe zu 99 Prozent, die lügen ja. Die sagen nicht die Wahrheit. Würden sie sagen, zu 50 Prozent bleibe ich, ist das eine korrekte Aussage. Dann ist es nämlich fifty-fifty. Entweder ich bleibe oder ich gehe weg“, redet Motzner Tacheles – und lässt kein gutes Haar an der heutigen Spielergeneration. „Die haben alle einen Nagel im Kopf“, so Motzner. Vielen Spielern gehe es heute nur noch ums Geld. Und das gebe es in Tündern nun mal nicht zu verdienen. „Sobald ein anderer Hamelner Verein kommt und mit Geldscheinen wedelt, sind die Spieler weg.“ Auch wenn sie vorher zu 99 Prozent zugesagt hätten. Und das stinkt Motzner gewaltig, denn so sei eine vernünftige Kaderplanung für die neue Saison nicht möglich.

Der Unmut des Trainers ist verständlich, denn andere Vereine profitieren von Tünderns Jugendarbeit mehr als die Schwalben selbst. Jahr für Jahr verlassen Stammspieler den Verein. Allein bei der SG 74 spielen mit Robin Tegtmeyer, Yves Hackl, Tobias Schulz, Sönke Wyrwoll, Nicholas Bicknell, Eduard Mittelstedt, Josef Selensky, Flamur Dragusha, Felix Forche, Yannik Hilker, Dennis Kießig, Egcon Musliji, Marc-Robin Schumachers und Torwart Frederick Quindt 14 Ex-Tünderaner.

Vasko Garbe, der beim Hamelner Nordstadtklub als Neuzugang im Gespräch ist, könnte schon bald der Nächste sein. Auch wenn Tünderns Teammanager Manfred Lentge die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, „dass er vielleicht doch bei uns bleibt“. So gut wie fest steht, dass Tünderns Torjäger Edward Urich aus privaten Gründen voraussichtlich zu seinem Heimatklub TSV Lenne zurückkehren wird. Ihn und möglicherweise auch Garbe zu ersetzen, wird schwer. Es werden zwar Gespräche mit potenziellen Neuzugängen geführt, konkret ist aber noch nichts. „An Spielern, die jedes Jahr den Verein wechseln, haben wir kein Interesse“, sagt Motzner. Und gute Kicker, die woanders viel Geld verdienen, kommen auch nicht infrage: „Die sind versaut und spielen bestimmt nicht für’n Appel und ’n Ei in Tündern.“ Bei der Suche nach Verstärkungen liege der Fokus auf jungen, talentierten Spielern, die noch entwicklungsfähig sind. Doch weil es nur noch wenige Hameln-Pyrmonter A-Juniorenteams gibt, sind die rar gesät: Es spielen zurzeit nur noch fünf A-Jugendteams in der Kreisliga, vier in der Bezirksliga. Gute Nachwuchskicker, die als Neuzugang für die Landesliga infrage kommen, sind somit Mangelware.



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