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Zündelnde Fans beim Pokal-Halbfinale in Bad Münder: Kreisfußball-Boss kündigt Konsequenzen an

Bengalos brennen! Das Spiel mit dem Feuer

Bengalos, Böller, Rauchbomben. Deutschlandweit wird spätestens seit dem Düsseldorfer Skandal-Relegationsspiel gegen Hertha BSC heiß diskutiert, wie der Pyro-Wahn gestoppt werden kann. Aber nicht nur der Profifußball hat ein Problem mit zündelnden Chaoten. Seit Dienstagabend auch der Fußball auf Kreisebene.

veröffentlicht am 24.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:06 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Beim Kreispokal-Halbfinalkrimi zwischen TuS Hessisch Oldendorf und der SSG Marienau (6:5 nach Elfmeterschießen) stürmten einige Fans der Grün-Weißen vor Freude auf den Rasen, um mit den Spielern den Einzug ins Kreispokalfinale zu feiern. Das ist auch völlig in Ordnung so. Aber einige davon benahmen sich in ihrer Euphorie allerdings voll daneben. Schon während des Spiels knallten vereinzelt Böller, nach dem 1:0 für TuS brannten Bengalos, wie ein Augenzeuge gegenüber der Dewezet seine Eindrücke schilderte. Und auch nach dem Schlusspfiff zog der Rauch von brennenden Leuchtfackeln durch das mündersche Jahn-Stadion. „Es waren aber keine Hooligans, sondern friedliche Fans, die einfach nur feiern wollten. Deshalb habe ich das auch alles gar nicht als so schlimm empfunden“, sagt Aerzens Coach Stephan Meyer, der als Zuschauer im Stadion war. Es sei eine tolle Kreispokalatmosphäre gewesen – „mit einem gewissen Flair“. Das Problem: Brennende Bengalos sehen zwar auf den ersten Blick schön aus, sind aber auch extrem heiß und gefährlich, weil unter anderem Magnesium verbrannt wird. Was viele nicht wissen: Das Feuer kann während des Abfackelns mit Wasser nicht gelöscht werden. Bis zu 2500 Grad kann so eine bengalische Flamme, die unter anderem auch ein Hessisch Oldendorfer Spieler in der Hand hielt, wie auf einem im Internet veröffentlichten Foto eindeutig zu erkennen ist, heiß werden. Verboten sind Bengalos nicht. Jeder über 18 Jahre kann sie zum Beispiel im Internet kaufen. Aber beim Fußball haben solche Dinge nichts zu suchen. Das sieht auch Marienaus Coach Günther Klauder so, der es auch nicht in Ordnung findet, dass angeblich auch die eigenen SSG-Fans Böller gezündet haben sollen. „Ich bin schon viele Jahre Trainer, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der 58-Jährige. „Ich will nicht der Spaßverderber sein. Solange nichts passiert, ist alles gut und schön“, so Klauder. „Aber wenn im Übermut dann doch etwas Schlimmes passieren sollte, ist das Geschrei groß.“ Kreisfußball-Boss Andreas Wittrock erfuhr von der Dewezet von den Vorfällen: „Ich wusste davon nichts, weil ich selbst nicht im Stadion war.“ Für ihn ist klar: Bengalos haben beim Fußball „nichts zu suchen“, spricht der Kreisfußball-Boss Tacheles. Für Wittrock ist das Abbrennen von bengalischen Feuern kein Kavaliersdelikt. Wenn es um die Gesundheit und Sicherheit der Zuschauer und Sportler geht, gibt es für ihn keine Kompromisse: „Wir dürfen bei solchen Vorfällen nicht die Augen verschließen, sondern müssen handeln, um das Problem im Keim zu ersticken. Deshalb bin ich über den Hinweis auch dankbar.“ Die Übeltäter, die über die Stränge geschlagen hätten, müssen laut Wittrock mit Konsequenzen rechnen, „weil wir so etwas auf unseren Sportplätzen nicht wollen“. Durch ihr Verhalten würden sie dem eigenen Verein mehr schaden als nützen. „Wir werden die Beweise prüfen und gegebenenfalls ein Sportgerichtsverfahren einleiten.“

Mächtig angefressen ist TuS-Trainer Tarik Önelcin – und zwar auf die eigenen Fans: „Wenn ich gewusst hätte, dass unsere Fans so ein Zeug dabei haben, hätte ich es ihnen vorher weggenommen. So etwas geht gar nicht!“ In der ersten Euphorie sei ihm und wohl auch dem einen oder anderen TuS-Spieler, der so eine brennende Fackel vom Rasen aufgehoben habe, gar nicht bewusst gewesen, „dass diese Dinger echt gefährlich sind. Zum Glück ist ja nichts passiert“.

Für Önelcin ist klar: „So etwas dürfen wir als Verein nicht tolerieren. Deshalb appelliere ich an unsere Fans, solch einen Unfug zu lassen. Als Trainer werde ich alles in meiner Macht stehende tun, damit sich so etwas möglichst nicht wiederholt.“ Schließlich wollen die Hessisch Oldendorfer nach dem Titelgewinn in der Leistungsklasse am Montag mit dem möglichen Kreispokalsieg die Super-Saison krönen.

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