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Yann Le Guillard – der ehemalige Pressesprecher der Equipe Tricolore kickt jetzt für Wallensen

Aus der Weltstadt Paris aufs Dorf

Wallensen. Wie kommt eigentlich ein französischer Fußballer aus der Weltstadt Paris in die Niederungen der deutschen Provinz nach Wallensen? Aber das liegt doch wohl klar auf der Hand: Natürlich der Liebe wegen. Begonnen hatte alles 2006 bei der WM in Deutschland. Yann Le Guillard war als Pressesprecher der Equipe Tricolore mit ins komfortable Quartier Schloss Schwöbber nach Aerzen gereist und hatte im Hamelner Pressezentrum Marinita Schumacher aus Wallensen kennengelernt. Und die ehrenamtliche Betreuerin der französischen Journalisten vor Ort hinterließ einen ganz besonderen und vor allem bleibenden Eindruck bei ihm.

veröffentlicht am 26.02.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:41 Uhr

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Aber erst später in Paris funkte es richtig. Schumacher machte dort nach der WM an der Uni ihren Doktor für Wirtschaftsingenieurwissenschaften und aus der Freundschaft zu Le Guillard wurde eine feste Beziehung, die mittlerweile mit zwei kleinen Kindern gesegnet ist. Im vergangenen Jahr reifte dann der Entschluss der Familie, nach Wallensen zu ziehen, denn die Kinder sollten hier behütet auf dem Dorf aufwachsen. Der „Gallier“ fand schnell Anschluss in der neuen Umgebung und fast zwangsläufig auch beim WTW. Eigentlich wollte sich der sportliche Franzose nur bei der Bezirksligamannschaft ein wenig fit halten. Doch Trainer Stefan Gluba erkannte schnell die Klasse des 41-Jährigen. „Wenn ich schon bei Schnee trainiere, möchte ich auch gerne bei den Spielen dabei sein. Natürlich nur, wenn ich dem Niveau gerecht werde und der Trainer mich aufstellt“, so Le Guillard.

Kurios: Der Franzose war es aus Paris nicht gewohnt, auf Rasen zu spielen. Dort wurde nur auf Kunstrasen dem Leder nachgejagt und bei schlechtem Wetter halt gar nicht. Mit Anfang 20 war der ehemalige Pressesprecher noch in der Landesliga aktiv, danach kickte er aus Zeitgründen mit Freunden nur noch in einer Freizeitliga. Beim WTW wird nun zweimal die Woche trainiert und am Wochenende gespielt. Dort ist Le Guillard mit über 40 Jahren zwar der Oldie in der Mannschaft, zeichnet sich aber durch eine überaus gute Fitness aus.

In der Vergangenheit ist er auch schon mal einen Marathon gelaufen und hat zudem bei den Trainingslagern der französischen Nationalmannschaft stets mit prominenten Mitspielern wie Franck Ribéry, Thierry Henry oder Zinedine Zidane gegen den Ball getreten.

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Künftig im WTW-Trikot: Yann Le Guillard. gök

Nach den Testspielen in der Wintervorbereitung des WTW durfte seine Familie mit ihm immer noch die Spiele analysieren, wie er es vorher gerne mit der Nationalmannschaft gemacht hat. Dort tat er das allerdings mit Gesprächspartnern wie Lilian Thuram, Willy Sagnol oder dem damaligen Nationaltrainer Raymond Domenech. In Wallensen ist jetzt alles eine Nummer kleiner, aber hier genießt er es, sich auf seine Familie und das Wirken im Verein zu konzentrieren.

Auch WTW-Sprecher Thomas Schütte freut sich über den unverhofft spektakulären Neuzugang: „Es war zwar nicht einfach, eine Spielgenehmigung zu bekommen, aber es hat sich gelohnt. Neben seinem tollen Charakter ist er auch sportlich ein Gewinn für die Mannschaft. Er ist im Mittelfeld immer anspielbereit und erhöht absolut die spielerische Qualität!“ Le Guillard hofft nun, dass er zukünftig mit dem WTW auch endlich mal ein Finale gewinnt. Bisher hatte er immer Pech. Sei es das EM-Finale der französischen U21 2002 in der Schweiz gegen Tschechien oder das WM-Finale 2006 gegen Italien in Berlin. Auch das erste Finale mit dem WTW im Duinger Hallenfußballturnier im Januar verlor er jetzt im Elfmeterschießen. „Ich bin mir aber sicher, dass ich dieses Trauma irgendwann einmal ablegen kann“, bleibt Le Guillard gelassen. Bis dahin arbeitet er mit seiner Familie noch ein wenig an der Verarbeitung des Kulturschocks Paris – Wallensen. Während in der Weltstadt immer was los ist, haben die Geschäfte auf dem Dorf am Mittwochnachmittag auch mal geschlossen. „Daran gewöhnt man sich schnell. Die tollen Menschen und die Natur machen solche Umstände locker wett“, lächelt Le Guillard.



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