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Zukunft des Hessisch Oldendorfer Traditionsklubs ist nach Insolvenzantrag ungewiss

„Alles versucht, den TuS zu retten“

Hessisch Oldendorf. Die Uhr zeigt fünf vor zwölf. Es fängt an zu regnen. Das rostige Eingangstor des Waldstadions, der Heimat des TuS Hessisch Oldendorf, steht offen. Heute herrscht Tristesse, wo von 1982 bis 1985 die Fußballer des Traditionsklubs in der damals drittklassigen Oberliga Nord kickten. Die goldenen Zeiten des TuS in den 1970er und 1980er Jahren sind lange vorbei. Das spürt man. Und das sieht man auch. Auf dem Boden liegen jede Menge Zigarettenkippen. Neben dem Vereinsheim des TuS stapelt sich der Müll. Auch ein kaputter Kühlschrank liegt hier herum. Auf der matschigen Laufbahn und auf der Tribüne wuchert das Unkraut. Die seit Jahren verwaiste Kabine des Stadionsprechers, die sich zwischen den Bäumen und Sträuchern versteckt, ist heute nur noch ein „Fliegenfriedhof“. Und auf dem grünen Rasen, neben dem auch eine vergammelte Torwand herumliegt, buddeln die Maulwürfe. Irgendwie passt das triste Bild des einst so schönen Waldstadions, das im Dornröschenschlaf zu schlummern scheint, zur prekären Lage des TuS Hessisch Oldendorf. Der Traditionsverein ist pleite. „Wir haben am 25. August einen Insolvenzantrag gestellt. Seit dem ersten September sind wir zahlungsunfähig und können die laufenden Kosten nicht mehr decken“, macht Vereinschef André Berthold die Misere deutlich. Nur drei Jahre nach dem letzten großen Erfolg des TuS, der 2012 als Meister der Leistungsklasse in die Kreisliga aufstieg und damals erstmals in der Vereinsgeschichte in Hameln-Pyrmont Kreispokalsieger wurde, droht dem Traditionsklub das Aus. Die Vereinskasse ist leer. Der Hauptsponsor ist weg. Auch den Förderverein gibt es nicht mehr. Und auch die Mitgliederzahlen schrumpften von Jahr zu Jahr. Dem Vereinsvorstand blieb quasi nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen, um eine drohende Insolvenzverschleppung zu vermeiden. „Jetzt um jeden Preis den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, wäre ein Kampf gegen Windmühlen. Der schleichende Prozess zur Zahlungsunfähigkeit ist ja nicht von jetzt auf gleich entstanden. Seit drei Jahren haben wir die schwindenden Einnahmen beobachtet und konnten wenig dagegen tun“, sagt Fußball-Chef Sebastian Kempcke – und ergänzt: „Wir haben alles versucht, um den Verein zu retten. Wir sind an den Bürgermeister herangetreten, haben in der Wirtschaft angeklopft und händeringend nach Sponsoren gesucht.“ Welche Konsequenzen sich aus dem Insolvenzantrag ergeben, ist laut Kempcke noch unklar.

veröffentlicht am 08.09.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

„Wir haben den Vorsitzenden des Hameln-Pyrmonter Fußballkreises, Andreas Witt-rock, kontaktiert. Auch ihm ist ein derartiger Fall noch nicht begegnet.“ Wittrock will sich mit dem NFV in Verbindung setzen, „aber ich persönlich gehe davon aus, dass die Mannschaft abgemeldet werden muss. Wir können die Kosten für den Spielbetrieb ja gar nicht mehr decken“. Wie es beim TuS weitergeht, ist ungewiss: „Wir können nicht sagen, was uns nun erwartet. Wir müssen auf eine Antwort bezüglich des Insolvenzantrags warten und werden sehen, was uns Herr Wittrock zu berichten hat.“

Tristesse herrscht im Waldstadion – der Heimat der Fußballer des TuS Hessisch Oldendorf. aro/2


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