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St. Pauli kommt mit Oberkommissar Boll nach Emmerthal

Achtung, „Bollizei“! Ein Sheriff räumt mächtig auf

Fußball. Padua, Pinnasberg, St.Pauli, La Paloma, Polizei – alles, was mit „P“ anfängt, brachte einst schon dem blonden Hans (Albers) Glück. Nun ist der singende Seemann „Hannes Kröger“ zwar schon lange Musikgeschichte, das „P“ steht aber auch noch heute für Glück beim Bundesligisten FC St. Pauli. Hier ist eben alles immer ein kleines bisschen anders – denn nur der Kultklub von der Reeperbahn tritt mit einem echten Polizisten im Profizirkus auf.

veröffentlicht am 31.08.2010 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:21 Uhr

Roland Giehr

Autor

Leiter Sportredaktion zur Autorenseite

Und das auch nur zur eigenen Sicherheit, denn Fabian Boll ist nicht nur Oberkommissar bei der Hamburger Kripo, sondern vor allem auch der „Abräum-Sheriff“ vom Dienst im Mittelfeld des Aufsteigers. Und das ohne Handschellen und Dienstwaffe. Der große Kämpfer gibt keinen Ball verloren und schießt dabei auch noch Tore. Vor allem wichtige. Wie zuletzt beim Bundesligastart in Freiburg, als der „Paulizist“ den Ausgleich zum 1:1 erzielte und damit den Grundstein zum späteren 3:1-Sieg legte. Auch beim 0:1 gegen Hoffenheim war der Oberkommissar wieder auf der richtigen Fährte, hatte aber Pech, dass sein Kopfball an der Latte landete.

Kurios: Fabian Boll ist eigentlich nur im „Nebenjob“ Fußball-Profi, im Hauptberuf befasst er sich vorwiegend mit Betrugsdelikten, Körperverletzung, Brandstiftung und Diebstahl. Eben Polizeialltag. Allerdings hat er keinen Schreibtisch auf der berühmten Davidswache. Der 31-jährige Hüne (1,93 m) schiebt rund 20 Stunden Dienst pro Woche auf dem Kommissariat 17 im Stadtteil Rotherbaum. Auch das passt irgendwie zum FC St. Pauli, denn hier ist eigentlich HSV-Gebiet.

Die Geschäftsstelle des großen Bundesliga-Rivalen in der Sylvesterallee liegt schließlich nicht weit entfernt von Bolls Dienststelle in der Sedanstraße. Trainieren kann der dienstälteste Spieler im Kader von Trainer Holger Stanislawski so entweder nur vormittags oder nachmittags. Defizite hat er deshalb aber nicht. „Das eine ist jeweils ein toller Ausgleich zum anderen, daraus ziehe ich meine Kraft“, beschreibt der gebürtige Bad Bramstedter seine Situation.

Und wenn Boll tatsächlich zweimal am Tag trainiert, muss er an anderen Tagen eben länger arbeiten. In der Regel zeigt sich seine Dienststelle aber großzügig und räumt ihrem sportlichen Aushängeschild viele Freiheiten ein. Seine offizielle „Nebentätigkeit“ als Profi ist vorerst bis 2012 genehmigt, seine eigentliche berufliche Zukunft dagegen schon jetzt gesichert.

Bis aber für ihn der letzte Abpfiff am Millerntor ertönt, möchte der „Hobbyfußballer“, wie ihn sein Trainer Stanislawski liebevoll bezeichnet, noch weiterhin Bundesliga-Geschichte mit dem FC St. Pauli schreiben. Und ganz nebenbei will der beliebteste Polizist vom Kiez, der seit 2002 das braun-weiße Trikot trägt, auch die Vorbehalte gegen die Staatsmacht abbauen.

„Vielleicht hilft mir meine Doppelfunktion ja dabei“, so der „Bollizist“, der sich zudem auch noch im Weißen Ring engagiert. Die nächste Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache hat Fabian Boll schon am kommenden Samstag (14.30 Uhr), wenn er mit dem Bundesliga-Aufsteiger zum Jahrhundertspiel beim Kreisligisten TSG Emmerthal antritt. Und das vor großer Kulisse, denn bis jetzt wurden schon über 2000 Karten im Vorverkauf abgesetzt.

Derzeit nur halbtags im Polizei-Dienst:

Fabian Boll vom 1. FC St. Pauli.

Foto: Witters



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