weather-image
15°
×

Abteilungsleiter des VfL Hameln überraschend mit 71 Jahren gestorben

Ein Leben für den Basketball: Trauer um Heinrich Lassel

Trauer um Heinrich Lassel: Der sympathische Gründervater des Hamelner Basketballs ist am Samstag, 24. April, überraschend mit 71 Jahren gestorben.

veröffentlicht am 30.04.2021 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.04.2021 um 09:28 Uhr

aro

Autor

Sportreporter zur Autorenseite

Wer Heinrich Lassel persönlich kannte, wird ihn sehr vermissen. Seine strahlenden Augen, seinen Humor, sein schelmisches Lachen, seine ansteckende gute Laune und die freundschaftlichen Gespräche mit ihm. Er war einer der warmherzigsten Menschen, stets ein fairer Sportsmann – und fast ein halbes Jahrhundert der fürsorgliche „Vater“ der Hamelner Basketball-Familie, die im Laufe der Jahre immer größer wurde. Sein Herz schlug für den VfL Hameln, seinem Lieblingsklub für den er sich an der Seite seiner ebenfalls sportbegeisterten Ehefrau Margret – mit der er seit 1985 glücklich verheiratet war und täglich Backgammon spielte – fast 50 Jahre lang ehrenamtlich mit ganz viel Herzblut und Leidenschaft engagierte. Von morgens bis abends, oft auch bis tief in die Nacht.

40 Jahre Basketball VfL Hameln

21 Bilder

Hamelns Mister Basketball kümmerte sich um alles – quasi rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche. Er war fast bei jedem Training in der Halle und hat kaum ein Punktspiel verpasst. Die Basketball-Sparte, die Heinrich Lassel 1972 selbst gegründet hatte, war sein Lebenswerk – und eine echte Talentschmiede. Selbst zu Regionalliga-Zeiten bestand die Hamelner Mannschaft fast nur aus Spielern, die im VfL groß geworden sind. Auf seine Jungs war Lassel immer sehr stolz. Mit Maximilian Rosenberg schaffte es einer davon später in Göttingen sogar bis in die 1. Bundesliga.

Was nur wenige wissen: Heinrich Lassel, der am 2. Dezember 1949 im rumänischen Botsch geboren wurde, hat nie selbst Basketball gespielt, weil er mit gerade einmal 1,63 Metern etwas zu klein für die Sportart war. Dafür war er früher ein richtig guter Fußballer, der als Teenager mit Avantul Reghin in der rumänischen Junioren-Bundesliga spielte und in Siebenbürgen Regionsmeister wurde. Als Heinrich Lassel nach Hameln kam, war er 22 Jahre alt und ließ seine Fußball-Karriere bei Preußen 07 III langsam ausklingen. Ihm fehlte die Zeit zum Trainieren, weil er als Sportlehrer am späteren Albert-Einstein-Gymnasium und Trainer beim VfL Hameln damals zwei Fulltime-Jobs hatte – und 54 Stunden pro Woche arbeitete.

Im Gespräch mit dieser Zeitung verriet er einmal, dass er beim VfL eigentlich eine Fußball-Sparte aufbauen wollte, als nach seinem Studium in Frankfurt am Main die Rattenfängerstadt seine neue Heimat wurde. Aber damals legte der 1. Vorsitzende Georg Schaper sein Veto ein – mit der Begründung: „Wir sind ein Verein für Leibesübungen und kein Fußball-Klub.“ Weil es Handball und Volleyball im VfL schon gab, gründete Lassel eine eigene Basketball-Abteilung. Mit einer Mini-Mannschaft fing damals alles an. Die kleinen Basketballer wurden von Jahr zu Jahr größer, die Sparte ebenfalls und die Erfolge auch. 1985 stieg der VfL zum ersten Mal in die Oberliga auf.

Mit bis zu 360 Mitgliedern in den 1990er Jahren erlebte die Basketball-Abteilung des VfL ihren Höhepunkt. Mit eigenen Talenten und ohne teure Transfers stieg der VfL mit Lassels Sohn Nicu als Trainer bis in die 2. Regionalliga auf. Lassel hat als Gründervater alle Höhen und Tiefen der Basketballer miterlebt. Er war Trainer, Abteilungsleiter und Manager, kümmerte sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, knüpfte Kontakte zu Sponsoren, war Kampfrichter, Jugendwart und vieles mehr. Vor allem war er die gute Seele des Vereins. Ein kleiner Mann mit großem Herz.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Anzeige