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Biathlon-Star

Keine Ziele mehr: Dahlmeier beendet Karriere mit 25 Jahren

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Die hundertprozentige Leidenschaft fehlt, neue Ziele auch: Nachdem Laura Dahlmeier bereits früh alles erreicht hat, beendet die Doppel-Olympiasiegerin im Alter von nur 25 Jahren wie einst ihr Vorbild Magdalena Neuner ihre so erfolgreiche Biathlon-Karriere.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 14:58 Uhr
aktualisiert am 18.05.2019 um 15:50 Uhr

Biathlon-Star Laura Dahlmeier hat überraschend die sportliche Karriere beendet. Foto: Sven Hoppe

Autor:

Thomas Wolfer und Sandra Degenhardt, dpa

Nicht zuletzt die vergangene Saison hinterließ bei ihr sowohl mental als auch physisch tiefe Spuren. «Heute bin ich an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, was genau ich mir für ein Ziel vornehmen sollte, geschweige denn, ob es mir überhaupt wieder gelingen könnte», schrieb die siebenmalige Weltmeisterin am Freitag auf ihrer Facebook-Seite. Nach einem längeren Prozess des Überlegens habe sie gemerkt, dass jetzt «der richtige Zeitpunkt für mich gekommen ist.»

Hauptgründe für ihr frühes Karriereende: Sie hat keine sportlichen Ziele mehr, «die einem alles bedeuten und für die man alles in die Waagschale werfen würde.» Zudem ist die Garmisch-Partenkirchnerin nach einer «unfassbar harten Saison voller Höhen und Tiefen» nicht mehr überzeugt, dass ihr Körper den Strapazen des Hochleistungssports noch gewachsen ist. Denn Dahlmeier wollte immer die Beste sein. Mit weniger würde sie sich nicht zufrieden geben.

Damit verliert der Deutsche Skiverband seine Vorzeige-Skijägerin und die mit Abstand erfolgreichste Athletin der vergangenen Winter bereits in jungen Jahren. 2012 war Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner ebenfalls mit nur 25 Jahren zurückgetreten. «Ich kann es gut verstehen, dass Laura sagt, sie macht jetzt in ihrem Leben etwas anderes», sagte Neuner dem «Münchner Merkur».

DOSB-Präsident Alfons Hörmann würdigte Deutschlands «Sportlerin des Jahres» 2017: «Trotz jungen Alters hat sie in nur wenigen Jahren außergewöhnliche Kapitel Sportgeschichte geschrieben. Darüber hinaus hat sie sich mit ihrem vorbildlichen und sympathischen Auftreten für immer einen Platz in den Herzen der Sportfans erobert.»

Dahlmeiers Schritt zu einem frühzeitigen Ende ihrer Laufbahn hatte sich angedeutet. Bereits nach den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang hatte die Bayerin offen Gedanken an einen Rücktritt geäußert, entschied sich da aber noch dagegen.

Motivationsprobleme hatte Dahlmeier nie, allerdings spielte ihr Körper aufgrund der hohen Belastungen nicht immer so mit, wie sie das wollte. Im Herbst vergangenen Jahres hatte sie noch völlig entkräftet im Krankenhaus gelegen und war überzeugt, nie wieder Spitzensport betreiben zu können. Es folgten Krankheiten und Ausfälle, sie verpasste Rennen und musste sich mühsam wieder herankämpfen. Dass sie bei der WM im März im schwedischen Östersund trotz aller Rückschläge trotzdem zwei Bronzemedaillen gewann, überraschte sie selbst. «Auch heute noch habe ich nicht wieder die gleiche Power wie in den Jahren zuvor», beschrieb Dahlmeier nun ihre Gemütslage.

2018 feierte sie in Südkorea zwei Olympiasiege und einmal Bronze, 2017 fünfmal Gold und einmal Silber bei der WM in Hochfilzen. Neben dem Gewinn des Gesamtweltcups in der Saison 2016/2017 sind es die größten Erfolgen der Ausnahmekönnerin. Als erste Biathletin holte sie bei Weltmeisterschaften saisonübergreifend 13 Medaillen nacheinander und fünfmal Gold bei einer WM, im Weltcup feierte sie 20 Siege.

Dahlmeier erreichte in ihrem Sport früh alles, und trotzdem war er nie alles für sie. Dahlmeier liebt das Klettern, die Freiheit der Berge. Bei Touren in Nepal, Südamerika oder den USA fand sie die Freiheit, die ihr im Leistungssport zu oft fehlte. Trainer und Verband duldeten ihre Ausflüge, auch wenn sie sich dabei schon mal verletzte und deswegen Pausen einlegen musste.

Ihren Abschied will Dahlmeier im Dezember bei der Team-Challenge Auf Schalke geben, um dort ein letztes Mal die Waffe zu schultern und ihre letzten Biathlonrunden zu absolvieren.

Der Deutsche Skiverband hofft derweil auf eine weitere Zusammenarbeit mit Dahlmeier. «Es wäre schön, wenn Laura uns im Biathlonsystem in irgendeiner Funktion erhalten bleibt», sagte Bernd Eisenbichler, der Sportliche Leiter der DSV-Skijäger. Der Verband hatte darauf gehofft, dass sie ihre Karriere noch für ein, zwei Jahre fortsetzt. «Dass Laura schlussendlich diese Entscheidung getroffen hat, ist schade, aber selbstverständlich respektieren wir ihre Beweggründe», sagte Eisenbichler.



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