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EM in den Niederlanden

DFB-Frauen schauen nach 0:0 gegen Schweden nach vorn

Breda (dpa) - Steffi Jones wirkte kurz vor Mitternacht so, als hätte sie selbst 90 Minuten lang den Rasen umgepflügt: «Es war ein intensives Spiel und sehr kräftezehrend. Es geht an die Substanz.»

veröffentlicht am 18.07.2017 um 15:23 Uhr
aktualisiert am 18.07.2017 um 21:23 Uhr

Steffi Jones dirigierte ihre Spielerinnen von der Seitenlinie aus. Foto: Carmen Jaspersen

Autor:

Ulli Brünger, dpa

«Gut, dass wir jetzt ein paar Tage Pause haben», gab die neue Bundestrainerin nach dem Kraftakt beim 0:0 zum EM-Auftakt der deutschen Fußballerinnen gegen Schweden zu. «Natürlich fiebert man voll mit an der Seitenlinie. Es ist ja auch für mich das erste Turnier, in dem ich hauptverantwortlich bin.»

Kein Wunder also, dass Jones angespannt war und auf der Bank während der Partie «ernst schaute», wie ihr später jemand zutrug. Schließlich spürt die 44 Jahre alte Fußball-Lehrerin als Nachfolgerin der erfolgreichen Silvia Neid, die das Spiel im Stadion Rat Verlegh in Breda als DFB-Chefscout auf der Tribüne verfolgte, die große Erwartungshaltung.

Auch wenn Jones bemüht ist, sich selbst nicht zusätzlich unter Druck zu setzen - ganz davon freimachen kann sie sich nicht. Unter all diesen Umständen war in der Neuauflage des olympischen Finals von Rio, das die DFB-Elf vor elf Monaten 2:1 gewann und erstmals Gold holte, von vornherein kein Fußball-Feuerwerk zu erwarten. «Für das erste Turnierspiel war es okay», lautete das kurze, knappe und zutreffende Fazit von Schwedens Trainer-Legende Pia Sundhage.

Natürlich hätte sich die 57-Jährige wie Jones einen Sieg zum EM-Einstieg gewünscht. Die gute Seite: Jetzt muss die Konzentration auch in den restlichen Vorrundenpartien der Gruppe B gegen Italien am 21. Juli und Russland am 25. Juli hochgehalten werden.

Aber am Ende waren sowohl Sundhage als auch Jones froh, wenigstens nicht verloren zu haben. Und es war schon etwas kurios, dass sich die beiden Dauerrivalen, die sich bislang in fast jedem großen Turnier der vergangenen Jahrzehnte trafen, im insgesamt 27. Duell erstmals überhaupt unentschieden trennten.

«So wollen wir weitermachen: kombinationssicher, ballsicher, Chancen kreieren - nur dann noch zielstrebiger den Torabschluss suchen», sagte Jones nach der Partie, die zunächst vom Gegner bestimmt, später von der DFB-Elf dominiert wurde. Und der achtmalige Europameister hatte nach schwacher erster Hälfte einige Chancen, auch die sechste EM-Begegnung gegen Schweden zu gewinnen. Doch die wenigen guten Möglichkeiten ließen Dzsenifer Marozsan und Co. liegen. Die Bundestrainerin war unter dem Strich dennoch zufrieden. «Jetzt haben wir unentschieden gespielt. Darauf lässt sich aufbauen.»

Allen ist bewusst, dass in Tilburg gegen Italien, das überraschend Russland 1:2 unterlag, eine Leistungssteigerung notwendig ist. «Es war ein gelungener Start mit Luft nach oben», sagte Kristin Demann am Dienstag. Die 24-Jährige, die ihr EM-Debüt auf der «Sechs» feierte, ist sicher, dass «wir gegen Italien und dann gegen Russland auch Tore schießen werden».

Torhüterin Almuth Schult betonte: «Wir können und werden noch besser spielen.» Den mühevollen Auftritt gegen das Drei-Kronen-Team ordnete sie richtig ein. «Schweden ist keine Laufkundschaft, sondern eine der besten Mannschaften der Welt. Wir haben ja nicht alles falsch gemacht. Unsere Defensive stand gut. Teilweise liefen auch die Kombinationen flüssig. Verbessern müssen wir uns aber beim Zug zum Tor und im Abschluss.»

Die nicht unumstrittene Wolfsburger Keeperin war zudem froh, dass hinten die Null stand. Mit zwei guten Paraden in der Schlussphase gegen Stina Blackstenius und Starstürmerin Lotta Schelin hielt Schult den Punkt fest. «Klar bin ich aber froh, dass ich meiner Mannschaft heute helfen konnte», meinte die 26-Jährige.

DFB-Spielführerin Marozsan, die viele Experten bereits für die beste Fußballerin der Welt halten, glänzte zwar nicht so wie erhofft. Es genügte aber, um als beste Akteurin des Spiels gekürt zu werden. Zwar verzog sie bei der Ehrung etwas die Mundwinkel, weil ihr eigener Leistungsanspruch höher ist. Aber auch sie lässt sich nicht aus der Balance bringen. «Ich sehe immer das Positive. Mit der zweiten Hälfte können wir zufrieden sein. Da wäre sogar ein Sieg verdient gewesen», meinte die 25-Jährige vom Champions-League-Sieger und französischen Double-Gewinner Olympique Lyon.

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