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Boxduell in Vegas

Außenseiter Schwarz will Stinker Fury fällen

Las Vegas (dpa) - Wer auf einen schnellen Euro hofft, sollte vielleicht ein ordentliches Sümmchen auf Tom Schwarz setzen. Der Magdeburger Schwergewichtsboxer tritt in der Nacht zum Sonntag (3.30 Uhr/MDR) in Las Vegas gegen Klitschko-Bezwinger Tyson Fury an.

veröffentlicht am 14.06.2019 um 12:26 Uhr
aktualisiert am 15.06.2019 um 14:41 Uhr

Tom Schwarz kämpft in Las Vegas gegen Tyson Fury. Foto: John Locher/AP

Autor:

Franko Koitzsch, dpa

Siegt Schwarz, dürften Glücksritter an den Wettbörsen satte Gewinne kassieren. Für investierte 100 Euro gibt es 1300 bis 1500 zurück. Die Sache hat nur einen Haken: Schwarz gewinnt wahrscheinlich nicht.

«Wer zu viel Geld hat, kann es ja machen», sagt der frühere Supermittelgewichtsweltmeister Sven Ottke. «Ich mach's nicht.» Nach dem sensationellen Sieg von Andy Ruiz jr. über Dreifach-Weltmeister Anthony Joshua vor zwei Wochen ist das Vertrauen in das Leistungsvermögen von Außenseitern raketenartig gestiegen. Also: Warum sollte der 25 Jahre alte Underdog Schwarz nicht auch so einen Riesencoup landen?

«Weil Schwarz noch nie gegen einen Top-Mann wie Fury geboxt hat», erwidert Jean-Marcel Nartz, früherer Technischer Leiter der Boxställe Sauerland und Universum. «Weil er limitiert ist und schon gegen Fallobst gewackelt hat.» Nartz gibt Schwarz dennoch eine kleine Chance: «Er hat den Punch, jemanden umzuhauen.» 16 seiner 24 Profi-Siege hat der gebürtige Hallenser vorzeitig errungen.

In der Rangliste des Verbandes WBO wird der unbesiegte Deutsche auf Platz zwei geführt, Fury auf Rang drei. «Manchmal fragt man sich: Sind die besoffen, wenn sie ihre Ranglisten zusammenbauen?», fragt Ottke. Die unabhängige Computer-Rangliste gibt schon eher Auskunft über das wahre Kräfteverhältnis: Fury Nummer vier, Schwarz Nummer 56.

Im Ring ist der Ex-Weltmeister aus Großbritannien nur schwer zu stellen. Der 2,06 Meter große Recke gilt als sogenannter Stinker. «Er ist mit allen Wassern gewaschen, lässt seine Gegner schlecht aussehen», meint der frühere Schwergewichts-Europameister Luan Krasniqi. Trainer Otto Ramin, der einst den Bulgaren Kubrat Pulew zum EM-Titel führte, erläutert: «Ein Stinker hält, schiebt, klammert, schubst. Das ist nicht attraktiv, aber Fury ist erfolgreich.» Deshalb rät Trainer-Legende Ulli Wegner Schwarz, in den Nahkampf zu gehen, Fury unter Druck zu setzen. Wegner: «Tom hat nichts zu verlieren.»

Trotz seiner gewaltigen Größe ist der 30-jährige Brite, der 2015 Wladimir Klitschko alle WM-Titel abknöpfte, ein guter Boxer. «Er wechselt ständig die Auslage, ist sehr beweglich», erklärt der frühere Klitschko-Manager Bernd Bönte, der keine Vergleiche zum Kampf Furys gegen Klitschko ziehen möchte. «Wladimir ist eine völlig andere Liga als Tom Schwarz», beteuert er.

Mitunter schafft es Fury schon vor dem ersten Gong, Gegner mit seinem Trash-Talk zu entnerven. Beleidigen, verunglimpfen, beschimpfen - Fury kann seine Rivalen geradezu in Niederlagen quatschen. Seine berüchtigte Kakophonie ging damals sogar am nervenstarken Klitschko nicht spurlos vorüber. Jedoch: Gegen Schwarz gab es im Vorfeld wenig Verbalschmutz. Denkt er, dass er es diesmal nicht nötig hat?

Von alldem gibt sich der Deutsche vor seinem Auftritt in der 18.000 Zuschauer fassenden Arena des MGM Grand-Hotels unbeeindruckt. «Ich bin nicht aufgeregt», sagt der Schützling der Trainer René Friese und Roberto Norris. «So ein Kampf in Las Vegas ist ein Traum. Das ist die größte Chance, die ich je hatte. Es kann nur gut laufen.» Seine Börse wird auf 700.000 Euro geschätzt. Fury hat mit US-TV-Sender ESPN einen Vertrag über fünf Kämpfe für rund 90 Millionen Euro ausgehandelt.

Merklich angespannter als sein Boxer ist Promoter Ulf Steinforth. «Fury ist der König der Schwergewichtler. Er ist der lineare Champion. Er ist der auffälligste Boxer von allen», meint der Chef des SES-Stalls ehrfürchtig. Steinforth staunt über Schwarz' Gelassenheit. «Komischerweise genießt Tom das hier alles.» Derweil träumt sein 1,97 Meter großer Schützling immer bunter: «Wenn ich Tyson Fury schlage, werde ich hier öfter boxen.»



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