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Hannover 96

Wohin mit Jan Schlaudraff?

Edgar Prib, Leonardo Bittencourt - die Nummer 13 von Hannover 96 bekommt Konkurrenz. Klubchef Martin Kind sieht seinen Profi in der Bringschuld, glaubt jedoch weiterhin an seinen Mittelfeldspieler.

veröffentlicht am 13.06.2013 um 20:21 Uhr
aktualisiert am 16.06.2013 um 00:15 Uhr

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Die Diskussion gibt es schon lange. Eigentlich lebt sie in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, seit Jan Schlaudraff im Sommer 2008 vom FC Bayern München zu Hannover 96 gekommen ist. Kein anderer Profi des Fußball-Bundesligisten polarisiert – spätestens seit dem Abgang des Tschechen Jiri Stajner 2010 – so sehr wie der 29-Jährige. Seine Fans halten ihn für den mit Abstand besten Fußballer im Team der „Roten“, für einen der ganz besonderen Spieler, die eine Partie mit einer einzigen genialen Aktion entscheiden können. Doch da gibt es auch die Kritiker, die sich an dem bisweilen zum Alibispiel tendierenden Defensivverhalten von Schlaudraff und seiner Körpersprache reiben, die in schlechten Phasen auch schon einmal als Gleichgültigkeit ausgelegt werden kann.

Nun hat die Diskussion darüber, ob 96 einen Typen wie Schlaudraff braucht und wo seine Position in der Mannschaft ist, gleich in doppelter Hinsicht neue Nahrung erhalten. Mit Edgar Prib und Leonardo Bittencourt hat der Erstligist auf einen Schlag zwei Spieler verpflichtet, die man durchaus als ernsthafte Konkurrenz für den Mann mit der Rückennummer 13 werten kann. Beide können zwar auch auf den Außenbahnen spielen – Prib links, Bittencourt rechts –, aber ihre bevorzugte Position ist das zentrale offensive Mittelfeld. Also genau die Zone des Spielfeldes, in der sich auch Schlaudraff am wohlsten fühlt. Und im Gegensatz zu dem nach Kapitän Steven Cherundolo und Christian Schulz dienstältesten Spieler im Kader für die kommende Saison stehen der 19-jährige Bittencourt und der vier Jahre ältere Prib gerade erst am Anfang ihrer Erstligakarriere.

Dass Schlaudraff einige Probleme bekommt, seinen Platz in der Startformation der „Roten“ zu verteidigen, wenn er nicht in bester Verfassung ist, hat die Rückrunde der vergangenen Saison gezeigt. Die begann für den ball- wie wortgewandten Profi schon im Trainingslager an der portugiesischen Algarve bescheiden. Ein Interview, in dem sich Schlaudraff kritisch gegenüber den Fitnesstrainern geäußert hatte, soll Trainer Mirko Slomka alles andere als gut gefallen haben. Und auch auf dem Platz lief es danach nicht viel besser. Gerade einmal in acht der 17 Rückrundenspiele stand Schlaudraff in der Startformation. In weiteren sechs Partien wurde der Mann, dem die Jokerrolle offenbar überhaupt nicht liegt, im Spielverlauf eingewechselt. Anzahl der erzielten Tore bei diesen 14 Einsätzen: null. Anzahl der Torvorlagen: eine. Für einen, der eigentlich vor allem mit seinen Offensivaktionen zu überzeugen weiß, eine erschreckend schwache Bilanz.

96 setzt dennoch auf seinen Profi, der zu den Besserverdienern im Team zählt. „Eine Diskussion um ihn gab es nicht mal ansatzweise bei uns“, sagt 96-Klubchef Martin Kind. „Wir planen ohne Wenn und Aber mit Jan Schlaudraff. Wir wissen doch, was er kann.“ Dem 69-Jährigen sind die Aufs und Abs des Profis schon bewusst; und er hat auch eine Erklärung dafür: „Irgendwelche Irritationen im Verein belasten ihn mehr als andere. Er reagiert sehr empfindlich auf Seismografen.“Kind will nicht näher auf die Inhalte dieser „Irritationen“ eingehen. Aber die oben erwähnte Unstimmigkeit mit Slomka wegen Schlaudraffs Äußerung über die Fitnesstrainer dürfte ebenso gemeint sein wie das Hin und Her um den früheren Sportdirektor Jörg Schmadtke und dessen Abgang. Der 29-Jährige hatte einen sehr guten Draht zu Schmadtke.

Der Klubchef sieht seinen Profi jetzt in der Bringschuld. „Er muss jetzt die entsprechende Bereitschaft und den Einsatz zeigen, dass er es will“, sagt Kind. Sein Nachsatz, „Er kann doch alles“, klingt ein wenig wie die flehentliche Bitte an Schlaudraff nach dem Motto: „Junge, zeig es doch endlich wieder.“ Dann werden sicher auch „Schlaufis“ Kritiker weniger und ruhiger.



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