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Fakten zum Niedersachsenderby

„Wir sind besser“

Zeit für den Anpfiff: Die hat die fünf wichtigsten Fakten vor dem Derby zwischen der Eintracht Braunschweig und Hannover 96 noch einmal zusammengestellt.

veröffentlicht am 05.04.2014 um 20:18 Uhr
aktualisiert am 08.04.2014 um 00:15 Uhr

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Man kann das leider viel zu schnell vergessen bei den ganzen Diskussionen um drohende Fan-Ausschreitungen und dem Versuch einer Minderheit, auch das zweite große Derby in dieser Fußball-Bundesligasaison für Krawalle und Randale zu missbrauchen. Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96, das Niedersachsenderby am Sonntag um 15.30 Uhr, ist immer noch ein Fußballspiel. Ein besonderes, ein wichtiges, aber Fußball. Und genau darum geht es. Alles, was Sie für die 90 Minuten am Sonntag wissen müssen.

Außer den langzeitverletzten Stürmern Mame Diouf und Artur Sobiech sowie Abwehrspieler Felipe fehlen auch Ersatztorwart Markus Miller (Knieverletzung) und Manuel Schmiedebach wegen einer Rotsperre. Unsicher ist noch der Einsatz von Sébastien Pocognoli. Dem Linksverteidiger setzt eine Blockade im Rücken zu. Fällt der Belgier aus, übernimmt Edgar Prib wie zuletzt gegen Werder seine Position. Verteidiger Hiroki Sakai, der am Freitag nicht trainierte, soll bis zum Spiel wieder fit werden.

Der BTSV hat nach dem Aufstieg in der Bundesliga lange gebraucht, um in Schwung zu kommen. Seit Beginn der Rückrunde läuft es bei der Eintracht jedoch besser, mit elf Punkten hat das Team schon jetzt so viele Punkte geholt wie in der gesamten Hinrunde. Die Stärken der Gastgeber liegen in der mannschaftlichen Geschlossenheit und in der Kampfkraft. Und in noch einem anderen Bereich sieht Trainer Torsten Lieberknecht sein Team im Vorteil. „Bei anderen Vereinen existiert eine Angst abzusteigen, so etwas kann lähmen“, sagte der Coach: „Unsere Jungs kennen dagegen die Situation.“ Mit Ermin Bicakcic (Mittelhandbruch), Damir Vrancic (Nasenbeinbruch) und Karim Bellarabi (Leistenprobleme) stehen noch drei Profis auf der Kippe. Ein Einsatz entscheidet sich erst kurzfristig.

Das erste Bundesligaspiel nach 37 Jahren zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig endete im vergangenen November in Hannover mit 0:0. Zuletzt gewann 96 im April 1976 daheim mit 2:0. Im Hinspiel im Oktober 1975 setzte sich allerdings die Eintracht mit 3:2 durch. Der letzte Auswärtssieg der „Roten“ in Braunschweig liegt noch länger zurück: Am 8. Mai 1971 gewann 96 mit 4:0 bei der Eintracht.

Vor dem Hinspiel, das 0:0 endete, trennten Braunschweig und Hannover in der Tabelle sechs Punkte. 96 stand mit 13 Zählern auf dem 11. Platz, die Eintracht war mit sieben Zählern Letzter. Vor dem Rückspiel am 29. Spieltag haben die „Roten“ sieben Punkte mehr als der Rivale, das Problem aber ist, dass die Hannoveraner um zwei Plätze gefallen sind und vor dem Abstiegsplatz 17 nur noch fünf Punkte Vorsprung haben.

Die Situation hat sich also grundlegend geändert. Vor dem Hinspiel musste sich in Hannover niemand Abstiegssorgen machen, diesmal ist das anders. 96 steckt mittendrin im Abstiegsschlamassel.

96-Sportdirektor Dirk Dufner versuchte am Freitag, dem Derby zumindest etwas von seiner Brisanz zu nehmen. „Das Spiel wird sehr überhöht. Dementsprechend groß ist der Druck – es ist aber nicht der real existierende Druck“, sagte Dufner, der von seinem Team überzeugt ist: „Wir sind besser.“ Während sich für Braunschweig bei einer Niederlage die Chancen auf den Klassenerhalt elementar verschlechtern würden, sieht der Manager die Lage für sein Team bei einer erneuten Pleite nicht dramatisch. „Wir sind in einer Situation, für die so manch anderer Klub sein letztes Hemd geben würde, wenn er die fünf Punkte mehr hätte, die wir haben“, sagte der 46-Jährige. 96 habe alle Möglichkeiten, „diese schlechte Saison zu einem guten Ende zu bringen“.

Davon ist auch Tayfun Korkut überzeugt. Für den Trainer geht es im brisanten Duell „um drei sehr wichtige Punkte, gleichzeitig haben wir die Chance, sehr viele Fans glücklich zu machen. Das sind zwei Dinge, für die es sich wirklich lohnt, alles reinzuhauen in diesem Spiel. Und das weiß die Mannschaft.“

Beide Mannschaften spielen ein ähnliches System, ein sogenanntes 4-4-2, also mit zwei Stürmern und vier Mittelfeldspielern, wobei zwei davon die defensive Rolle übernehmen. Bei der Eintracht stürmen Domi Kumbela und Havard Nielsen, bei 96 voraussichtlich Didier Ya Konan und Artjoms Rudnevs. Als sogenannte Sechser, also die Typen für die Aufräumarbeiten zwischen Abwehr und Angriff, ist bei Hannover mit Lars Stindl und Leon Andreasen zu rechnen, bei Braunschweig mit Mirko Boland und Damir Vranic, der nach einem Nasenbeinbruch mit einer Spezialmaske auflaufen soll. Beide Teams kontern lieber, als selbst das Spiel zu gestalten. Bleiben beide diesem Vorsatz treu, droht eine zähe Partie mit wenigen Torchancen – es wäre dann eine Kopie des Hinspiels.

Ein guter Tag, am besten so einer wie im Hinspiel, ist am Sonntag besonders Christian Schulz zu wünschen. Der 96-Innenverteidiger wird es im Derby wieder mit Kumbela zu tun bekommen, dem gefährlichsten Stürmer der Eintracht. Der 29-Jährige hat bereits achtmal in dieser Saison getroffen, so richtig in Torlaune ist Kumbela jedoch erst in den vergangenen Wochen gekommen. Beim 4:2-Sieg gegen den HSV erzielte er nach seiner Einwechslung in der 46. Minute drei Treffer. In guter Erinnerung ist zudem sein Traumtor per Fallrückzieher beim 3:1-Erfolg im Heimspiel gegen Mainz vor zwei Wochen. Kumbela ist trickreich, kopfballstark, stets torgefährlich und technisch versiert. Nimmt man ihm jedoch den Spaß am Spiel, dann ist von diesen Qualitäten nicht mehr viel zu sehen.

Es gibt viele in Hannover, die sicher sind, dass Mirko Slomka noch 96-Trainer wäre, hätte er mit der Mannschaft das Hinspiel gewonnen. Die Gründe für die Trennung waren am Ende andere – miserable Auswärtsbilanz, außer Kontern kein Taktikplan B, Entfremdung zwischen Trainerteam und einigen Spielern –, aber ein Derbysieg hätte mit seiner Strahlkraft vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Nach der Hinrunde musste Slomka gehen, während in Braunschweig Torsten Lieberknecht trotz Platz 18 unumstritten ist und im Falle des Falles auch in der 2. Liga Trainer bleiben wird.

Lieberknecht ist übrigens seit fünf Jahren und elf Monaten Eintracht-Trainer, Tayfun Korkut ist seit elf Spielen 96-Trainer. Lieberknecht, stets im Trainingsanzug, ist am Spielfeldrand emotional, eher der Typ Jürgen Klopp (nicht nur wegen der gelegentlichen Zwangsabstecher auf die Tribüne). Korkut, stets im schwarzen Anzug mit weißem Hemd, ist kontrollierter, eher der Typ Pep Guardiola, der fast die gesamte Spielzeit gestikuliert und versucht, Einfluss auf seine Profis zu nehmen. Gemeinsam haben sie auch etwas, wofür es allerdings keine Punkte gibt: Sie sind sympathisch.



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