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Dritter Sieg in Folge

Wie viel Spitzenmannschaft steckt in 96?

Nach dem 2:0-Sieg in Berlin steht Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga trotz schwankender Leistungen auf dem 4. Platz – und überrascht sich damit sogar selbst. Uns so drängt sich eine Frage auf: Könnte die Rückkehr ins internationale Geschäft tatsächlich gelingen?

veröffentlicht am 09.11.2014 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 12.11.2014 um 00:18 Uhr

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Es ging schon auf Mitternacht zu, als Tayfun Korkut am Freitag mit einer interessanten Frage konfrontiert wurde. Angesichts der aktuellen Tabelle in der Fußball-Bundesliga, in der Hannover 96 nach dem eigenen und den Ausrutschern der Konkurrenz tags darauf auch heute noch vom 4. Platz grüßt, wollte ein Journalist vom Trainer der „Roten“ wissen, ob er seiner Mannschaft die Rolle als Spitzenteam tatsächlich langfristig zutraut. Korkut ließ die Frage einen Moment lang sacken. Dann antwortete er genau so, wie seine Mannschaft derzeit so erfolgreich auf dem Platz auftritt: zunächst auf Sicherheit bedacht und bloß keine Angriffsfläche bietend. „Wir haben ja gerade erst elf Spieltage hinter uns“, erklärte der 40-Jährige. An der Zielsetzung habe sich daher auch gar nichts geändert. „Wir hatten in der vergangenen Saison zum Abschluss den 10. Tabellenplatz, jetzt wollen wir einstellig bleiben.“

Korkut ist clever genug, auch angesichts des dritten Sieges in Folge nicht in die Falle zu tappen, durch großspurige Sprüche Erwartungen zu schüren, die sein Team möglicherweise nicht halten kann. Weil er aber zugleich auch nicht das fatale Signal geben will, der eigenen Mannschaft die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges nicht zuzutrauen, schob er doch noch einen Satz hinterher, den man fast schon als vorsichtige Kampfansage deuten kann: „Fragen Sie mich nach dem 30. Spieltag noch einmal.“

Wie schwer es selbst den unmittelbar Beteiligten fällt, den aktuellen Tabellenplatz, der am Saisonende sogar die Qualifikation für die Champions League bedeuten würde, und die eigenen schwankenden Leistungen auf einen Nenner zu bringen, war bereits einige Minuten zuvor deutlich geworden. Da hatte Innenverteidiger Christian Schulz in der sogenannten Mixed-Zone, in der die Spieler den wartenden Journalisten Rede und Antwort stehen, zwar von einem „sehr guten Spiel“ seiner Mannschaft gesprochen. Doch zugleich hatte er fast entschuldigend hinterhergeschickt, dass es zurzeit einfach nicht besser ginge. Und Martin Kind, dem jegliche Euphorie schon vom Naturell her abgeht, hatte den 4. Platz sogar gleich als so etwas wie eine Momentaufnahme bezeichnet. „Die Tabelle schaut man sich jetzt natürlich gerne an“, sagte der Klubchef. „Aber man muss sie realistisch betrachten.“

Doch was ist denn jetzt realistisch bei einer 96-Mannschaft, die auch in Berlin zwei unterschiedliche Gesichter zeigte und die der kontrollierten, aber zaghaften ersten Halbzeit nach der Pause einen mutigen Auftritt folgen ließ, der wieder einmal Spaß machte? Oder - anders ausgedrückt: Wie viel Spitzenmannschaft steckt jetzt in den „Roten“? Vielleicht sollten sich die hannoverschen Anhänger einfach an fünf kleinen Hinweisen darauf festbeißen, dass die Rückkehr ins internationale Geschäft tatsächlich gelingen könnte:

Der 2:0-Sieg in Berlin war für 96 schon das sechste Spiel ohne Gegentor in dieser Saison. Und das dritte in Folge. Die Hintermannschaft um den wiedererstarkten Marcelo steht - trotz zeitweiliger Wackler - ziemlich sicher. Wobei sie von den letzten beiden Gegnern mangels fehlender Offensivambitionen (Frankfurt) oder fehlender Klasse (Berlin) auch nicht wirklich ernsthaft in Schwierigkeiten gebracht wurde.

Drei der vier letzten 96-Tore fielen nach sogenannten ruhenden Bällen. In Berlin fiel ein Eckball von Hiroshi Kiyotake im Strafraum genau auf den Fuß von Jimmy Briand. Auch beim siegbringenden Eigentor von Alexander Madlung gegen Frankfurt kam die Eingabe von dem Japaner, der zuvor in Dortmund direkt per Freistoß getroffen hatte. Diese Qualität lässt die bisweilen fehlende Kreativität aus dem Spiel heraus schnell mal vergessen.

, von denen man noch vor wenigen Wochen nicht genau wusste, wie sie der Mannschaft weiterhelfen sollen. Doch inzwischen scheint das Duo den Fitnessrückstand aufgeholt zu haben - und Briand hat nicht zuletzt wegen seines großen Engagements bereits das Zeug zum neuen Publikumsliebling.

Zweimal musste Korkut angesichts neuerlicher Ausfälle Spieler ins kalte Wasser werfen, die kaum jemand auf der Rechnung hatte. Sowohl Maurice Hirsch, der gegen Frankfurt im defensiven Mittelfeld auflief, als auch Linksverteidiger Stefan Thesker in Berlin machten ihre Sache ausgezeichnet.

Lars Stindl feierte am Freitag bereits ein Kurzcomeback. Gegen Bayer Leverkusen könnte der Mittelfeldspieler, der so schmerzlich vermisst wurde, in zwei Wochen wieder von Beginn an dabei sein.

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