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Saison 2013/2014

Wie gut ist der neue 96-Kader?

Am kommenden Dienstag startet Hannover 96 in die Vorbereitung für die kommende Bundesligasaison. Die Personalplanungen sind weitgehend abgeschlossen, wie Klubchef Martin Kind bestätigte.

veröffentlicht am 19.06.2013 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 22.06.2013 um 00:15 Uhr

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Höchstens ein Neuzugang könnte bis zum 1. Spieltag am 
10. oder 11. August noch dazu kommen – vorausgesetzt der Klub findet einen Kandidaten, der mehr als eine Ergänzung wäre und auf Anhieb einen Stammplatz beanspruchen könnte.Ein Blick auf den bisherigen Kader zeigt: Die „Roten“ verfügen über ein Team, das deutlich über dem Bundesligadurchschnitt liegt und mit dem der Klub realistische Chancen besitzt, zwischen dem 6. und dem 9. Platz zu landen, so schwer eine solche Prognose im Fußball ist – und so wenig die Verantwortlichen das öffentlich kundtun werden. Ein „einstelliger Tabellenplatz“ – weiter lässt man sich nicht locken.

96 verfügt über einen großen und guten Kader, in dem es aber mehrere Fragezeichen gibt und in dem auf einigen Positionen Quantität und Qualität nicht im Gleichgewicht sind. Eine Analyse.

Ein Nationaltorhüter als Nummer 1, der zudem den Ehrgeiz entwickeln dürfte, mit einer guten Saison seine 
WM-Fahrkarte nach Brasilien zu lösen: Mit Ron-Robert Zieler verfügt 96 über einen sehr guten Torwart, auch wenn dieser zuletzt erfahren musste, dass er bei seinen Bundesligakollegen nicht die Wertschätzung eines Auswahltorhüters genießt. Sollte Zieler verletzt oder gesperrt ausfallen, muss man sich dank zweier vernünftiger Alternativlösungen keine großen Sorgen machen: Markus Miller (die erfahrene Variante) oder Samuel Radlinger (die junge Talentvariante) sind die idealen Vertreter.

Für rechts stehen Steven Cherundolo und Hiroki Sakai zur Verfügung, auch Christopher Avevor hat beim FC St. Pauli teilweise auf dieser Position gespielt. Eine gewisse Skepsis ist angebracht: Cherundolo ist bereits 34 Jahre alt und war zuletzt verletzungsanfällig. Sakai wirkte bei seinen Einsätzen in der Defensive ungestüm und oft orientierungslos, Avevor ist eher eine Notlösung.Links gibt es mehr Möglichkeiten, allerdings ebenfalls keinen unumstrittenen Profi. Weil im linken Mittelfeld Szabolcs Huszti als Unterstützung für die Defensive aufgrund seiner Spielweise ausfällt, braucht 96 einen soliden Verwalter für hinten links: Sebastién Pocognoli steht in fast jeder Partie dank seiner harten Spielweise am Rande eines Platzverweises. Christian Pander hat eine schlechte vergangene Saison gespielt und große Schwierigkeiten, defensiv eine Seite dicht zu machen. Christian Schulz fühlt sich links nicht so wohl wie innen. Bleibt Neuzugang Edgar Prib, der in Fürth schon hinten links verteidigt hat, in den Planungen von Trainer Mirko Slomka aber zentraler und weiter vorne eine Rolle spielt.

Hier hängt vieles von der Personalie Johan Djourou ab: Gelingt es 96, den Schweizer weiter auszuleihen vom 
FC Arsenal, dann sind die „Roten“ auf diesen beiden Positionen zumindest zahlenmäßig sehr gut besetzt: Außer Djourou noch Neuzugang Salif Sané, Schulz, Felipe, Karim Haggui und Avevor. Auch Mittelfeldspieler Andre Hoffmann kann Manndecker spielen. Doch es gibt etliche Fragezeichen: Wird Felipe, der sich im vergangenen Jahr eine Verletzung nach der anderen zuzog, endlich fit – und: Was kann er wirklich? Seine bisherigen Auftritte waren – freundlich ausgedrückt – meistens unglücklich. Schulz ist sehr verletzungsanfällig, und ihm fehlt ein wenig die Schnelligkeit. Letzteres gilt noch mehr für Haggui. Der tunesische Nationalspieler hat eine mäßige Saison gespielt ohne Stammplatz, und ihm schien zuletzt jegliches Selbstvertrauen zu fehlen. Der 29-Jährige soll auch nicht abgeneigt sein, den Klub zu verlassen – und 96 nicht abgeneigt sein, ihn abzugeben. Und Avevor, vom FC St. Pauli zurückgekehrt, hat zweifellos Talent – als Talenteförderer ist Trainer Slomka aber bisher kaum in Erscheinung getreten.

Hier ist 96 erstklassig besetzt. Huszti (links) ist einer der besten Flankengeber der Liga, dazu sehr torgefährlich. Lars Stindl (rechts) ist lauf- und zweikampfstark. Sollte Slomka ihn ins defensive Mittelfeld beordern, blieben mit Didier Ya Konan, Jan Schlaudraff und Leonardo Bittencourt drei starke Alternativen, wenn auch deutlich offensiver ausgerichtet als Stindl. Adrian Nikci wird dort nur eine Rolle spielen, wenn er robuster auftritt. Huszti ist schwerer zu ersetzen, Pander und Prib kämen dafür infrage, Daniel Royer wird vermutlich zu Austria Wien wechseln.

Diese Position ist im modernen Fußball der Schlüssel zum Erfolg. Wichtigster Spieler ist Leon Andreasen – und gleichzeitig steht hinter dem Dänen das größte Fragezeichen nach seiner Kreuzbandverletzung. Wird er hundertprozentig fit, verfügt 96 über einen Abräumer mit Torjäger- und Mitreißerqualitäten – und über einen Publikumsliebling. An seiner Seite können Hoffmann, Manuel Schmiedebach oder Stindl Defensivarbeit verrichten, der Brasilianer Franca ist der große Unbekannte. Im offensiven Bereich dürfte es für den Stammplatz im Zentrum eine Warteschlange geben: Prib, Bittencourt, Schlaudraff – alles feine Kicker.

Die Alternativen im Sturm sind trotz des Verkaufs vom Mohammed Abdellaoue (zum VfB Stuttgart) gut und namhaft. Alle wissen, um in der Stürmersprache zu bleiben, wo das Tor steht. Um Mame Diouf, Didier Ya Konan und Artur Sobiech wird mancher Klub Trainer Slomka beneiden, zumal sie unterschiedliche Stärken haben. Auch Jan Schlaudraff kann bedenkenlos im Angriff aufgestellt werden – idealerweise als „hängende Spitze“. Allerdings sind Diouf, dessen Vertrag der Verein gerne über Juni 2014 hinaus verlängern würde, und Ya Konan wechselwillig – bei einem entsprechenden Angebot werden sie bei der Sportlichen Leitung der „Roten“ um die Freigabe bitten. Einer von beiden würde sie auch erhalten, wenn die Ablösesumme stimmt. Sollte der Fall eintreten, müsste sich Hannover 96 doch noch mal auf die Suche begeben.



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