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Hannover 96

Was tun gegen die Bayern?

Mit welcher Taktik begegnet man den übermächtig scheinenden Münchenern? Wir haben neun Fußballtrainer aus der Region gebeten, einmal in die Rolle von Mirko Slomka zu schlüpfen, und sie gefragt, wie sie es am heutigen Sonnabend bei den Bayern versuchen würden. Herausgekommen sind spannende Antworten.

veröffentlicht am 14.09.2013 um 08:12 Uhr
aktualisiert am 16.09.2013 um 00:15 Uhr

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Diese Frage stellt sich Woche für Woche jeder Trainer in der Fußball-Bundesliga, dessen Mannschaft gegen den FC Bayern spielt: Was tun? Mit welcher Taktik begegnet man den übermächtig scheinenden Münchenern? Vorsichtig oder mutig? Offensiv oder defensiv? Oder gibt es einen Weg dazwischen? Am heutigen Sonnabend müssen sich Mirko Slomka und Hannover 96 diese Gedanken machen, wenn sie in der Allianz-Arena zu Gast sind (15.30 Uhr).

Die bisherigen Gästemannschaften haben unterschiedliche Taktiken gewählt. Borussia Mönchengladbach mischte zum Saisonauftakt munter mit und erspielte sich auf diese Weise viele gute Tormöglichkeiten. Der 1. FC Nürnberg verschanzte sich vor dem eigenen Strafraum und verzichtete weitgehend auf eigene Angriffe. Verloren haben sie beide, Mönchengladbach mit 1:3, Nürnberg mit 0:2. Was also tun, Hannover 96? Wir haben neun Fußballtrainer aus der Region gebeten, einmal in die Rolle von Mirko Slomka zu schlüpfen, und sie gefragt, wie sie es heute bei den Bayern versuchen würden. Herausgekommen sind spannende Antworten – und sehr unterschiedliche Ideen.

„Ich würde versuchen, sie so zu überraschen, wie wir das 1998 beim 4:3-Sieg mit Arminia Hannover in der Regionalliga gegen den großen Favoriten 96 gemacht haben. Man darf in München nicht darauf warten, bis man ein Tor reinkriegt – das passiert früher oder später eh. 96 muss munter nach vorne spielen, es ist doch ohnehin ein Bonusspiel für die ,Roten‘. Und wenn man den Spielern dann noch einmal vor Augen führt, dass sie mit einem Sieg an den Bayern vorbeiziehen und sich danach die Tabelle ausschneiden können, geht vielleicht was. Auf wen 96 besonders achten muss? Eigentlich ist bei den Bayern ja völlig egal, wer spielt. Aber sicherlich sind Franck Ribéry und Arjen Robben auf den beiden Flügeln ein absoluter Traum.“

„Es ist für 96 wichtig, sehr kompakt zu stehen und den kontrollierten Spielaufbau der Bayern durch aggressives Pressing ab der Mittellinie zu unterbinden. Das bedarf einer hohen Laufbereitschaft aller Spieler, um die Bayern ständig unter Druck zu setzen und somit nicht zum kontrollierten Spielaufbau kommen zu lassen. Danach geht es darum, nach dem Ballgewinn schnell selber in die Vorwärtsbewegung und zum Abschluss zu kommen.“

„Ich würde auf keinen Fall zu defensiv spielen und mit zwei Spitzen agieren. 96 muss im Mittelfeld aggressiv gegen den Ball arbeiten, darf nicht zu tief stehen und muss dann mit schnellem Umkehrspiel die Kontersituation suchen. Entscheidend ist, dass die Mannschaft kompakt steht, keine Räume zulässt und auf den beiden Seiten gegen Ribéry und Robben doppelt, um ihnen den Spaß am Fußball zu nehmen. Dadurch, dass bei den Bayern von Philipp Lahm bis David Alaba alle marschieren, bekommt man automatisch Räume. Der Schlüsselspieler ist im Moment ganz klar Ribéry, das hat er zuletzt ja auch in der französischen Nationalmannschaft gezeigt. Er ist jetzt auch noch torgefährlich geworden und hat zuletzt sogar ein Kopfballtor gemacht.“

„Borussia Dortmund hat vorgemacht, wie man es machen muss. Wenn man die Bayern schon früh in ihrer Hälfte stört, bekommen sie Probleme. Allerdings ist das auch eine Qualitätsfrage, und ob 96 das hinbekommt, ohne ausgekontert zu werden, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Die linke Seite mit Alaba und Ribéry ist absolute Extraklasse. Das Blöde ist nur: Es könnte für die Bayern auch rechts mit Lahm und Robben klappen. Sich nur hinten reinzustellen bringt aber auch nichts, da wird dann der Druck irgendwann zu groß. Es hilft also nur die Flucht nach vorne. Mut ist gefragt.“

„Die Bayern können geschlagen werden, wenn der Spielaufbau gestört wird und Pressing gegen sie gespielt wird. 96 fehlen dazu leider die Mittel (Spieler und Ausbildung), die das möglich machen. Mirko Slomka ist sicher gut beraten, mit einem Defensivsystem zu spielen und auf schnelles Umschalten und erfolgreiche Konter zu hoffen. Effektivität wie gegen Mainz wäre wichtig. Wenn überhaupt etwas geht, kann 96 nur als Team etwas reißen. Sich auf einzelne Spieler zu konzentrieren macht beim Bayern-Kader mit den vielen Persönlichkeiten nicht viel Sinn. Dieses entspräche auch nicht dem modernen Fußball.“ „Auf jeden Fall muss 96 mutig auftreten. Nach dem gelungenen Start sollten die Spieler genügend Selbstvertrauen haben, es mit Pressing zu versuchen. Außerdem sollte man mit dem schnellen Umschaltspiel immer wieder Nadelstiche setzen, das mögen die Bayern nicht. Wichtig wird sein, dass das Kombinationsspiel der Bayern mit Toni Kroos im Zentrum unterbunden wird. Und natürlich muss 96 es schaffen, die beiden herausragenden Flügelspieler Ribéry und Robben mindestens zu doppeln; am besten wäre es, wenn man sie im Notfall mit drei Leuten bearbeitet. Also: Mitte zumachen und die Flügelzange in den Griff kriegen, dann ist etwas möglich in München. Darüber hinaus liegt der Druck ja bei den Bayern, die ,Roten‘ haben doch letztlich nichts zu verlieren.“

„Am liebsten würde ich gar nicht hinfahren, weil ich seit mehr als 30 Jahren Bayern-Fan bin. Im Prinzip kann 96 nur versuchen, möglichst lange das 0:0 zu halten und auf Konter zu lauern. Die Mannschaften, die versuchen, in München mitzuspielen, werden überrannt. Im Prinzip hat 96 Glück, dass bei den Bayern noch einige Spieler verletzt sind. Aber Offensivakteure wie Robben und Ribéry entscheiden Spiele wie das gegen 96 in der Regel im Alleingang. Um den Bayern Paroli zu bieten und sie auszuspielen, fehlen 96 die Leute. Also: Augen zu und durch – und hoffen, dass sich die Bayern im Punktspiel austoben und dann vielleicht im DFB-Pokal eineinhalb Wochen später etwas geht.“

„Ich würde gegen den FC Bayern mit zwei Spitzen spielen, um die beiden Innenverteidiger zu beschäftigen. Ob ich den Mut hätte, auch noch auf Bastian Schweinsteiger einen offensiven Mann zu stellen, weiß ich auch nicht. Es wäre aber konsequent. Ansonsten würde ich versuchen, die Münchener zu überraschen, ihnen Druck zu machen, offensiv pressen und hinten Risiko gehen. Im Zweifel kriegt 96 doch eh wieder sechs Stück ... Ein ,Sechser‘ und die zwei Außen müssen die Flügel dicht kriegen. Spielt Slomka mit dem Japaner Hiroki Sakai, können sie den anschließend mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus rechts der Isar einliefern. Die Innenverteidiger müssen intelligent gegen Mario Mandzukic agieren und sich immer wieder unterstützen.“

„Ganz ehrlich: Ich würde versuchen, mit einer Mauertaktik über die Runden zu kommen – und mit Gottes Hilfe. Die Aufgabe für 96 ist in München super, super schwierig. Ohne kompakte Defensive geht nichts, die Bayern sind extrem gefährlich in der Zone 30, 40 Meter vor dem Tor. Da darf sie 96 nicht zu Aktionen kommen lassen und muss gleichzeitig auf Scharfschützen aus dem Mittelfeld wie Toni Kroos aufpassen.“



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