weather-image
Neuer 96-Profi Bittencourt

Was kann der Drei-Millionen-Euro-Mann?

An Hannover 96 hat Leonardo Bittencourt nur schöne Erinnerungen. Es war der 19. Dezember des vergangenen Jahres, Bittencourt feierte seinen 19. Geburtstag, und zur Belohnung durfte er das erste Mal in seinem Leben im DFB-Pokalwettbewerb auflaufen.

veröffentlicht am 17.06.2013 um 22:18 Uhr
aktualisiert am 20.06.2013 um 08:51 Uhr

Was-kann-der-Drei-Millionen-Euro-Mann.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nach seiner Einwechselung für Borussia Dortmund bereitete er das 5:1 von Robert Lewandowski vor, es war der Endstand der Achtelfinalpartie. Gegner damals? Hannover 96, Bittencourts neuer Verein.

Fast drei Millionen Euro überweisen die „Roten“ an Borussia Dortmund, damit Bittencourt künftig für sie spielt. Das ist viel Geld für Hannover 96 und für einen 19-Jährigen, der im Profifußball bislang gerade einmal 29 Spiele in der 2. Liga (für Energie Cottbus) und fünf Spiele in der 1. Liga (für den BVB) bestritten hat. Dortmund hatte vor einem Jahr ebenfalls drei Millionen Euro gezahlt, um Bittencourt aus Cottbus zu holen.

Wer ist dieser junge Mann, von dem nun auch Hannover 96 glaubt, dass das Geld eine lohnende Investition für die Zukunft ist? Kann dieser 19-Jährige die Rolle des Spielmachers bekleiden, die in Hannover seit Jahren verwaist ist?

Er selbst sagt erst einmal bescheiden, dass er „möglichst viel Spielpraxis sammeln will“. In Dortmund kam er die gesamte vergangene Bundesligasaison auf 214 Einsatzminuten. 14-mal stand er im Kader, zweimal spielte er von Beginn an, dreimal wurde er eingewechselt und blieb neunmal ohne Einsatz. In der Champions League durfte er insgesamt drei Minuten mitmachen.

Dortmund erwies sich im Nachhinein doch als ein zu großer Schritt für Bittencourt, der hauptsächlich in der Reservemannschaft des Klubs in der 3. Liga (zwölf Spiele) kickte. Gegen seine Klasse sprechen muss das noch lange nicht, denn an Marco Reus, Mario Götze oder Ilkay Gündogan muss man erst einmal vorbeikommen.

Bittencourt ist nicht besonders groß (1,71 Meter) und nicht besonders torgefährlich. Auch in seiner Zweitligazeit in Cottbus hat er nur zwei Treffer erzielt, einen übrigens gegen Eintracht Braunschweig. Er ist ein deutlich besserer Vorlagengeber als Schütze, vor allem ist er ein feiner Techniker, der von der „U 17“ bis zur „U 21“ alle deutschen Nachwuchsmannschaften durchlaufen hat. Ursprünglich ist er Rechtsfuß. Weil sein Vater Franklin aber Linksfuß war, hat er den Ball mit links so lange gegen die Wand gespielt, dass er heute glaubt, „dass mein linker Fuß stärker ist als der rechte“.

Bittencourts Vater hat in Leipzig (dort ist Leonardo geboren) und Cottbus gespielt. „Er hat mich als Kind ein paarmal auf den Schultern durchs Stadion getragen“, sagt Leonardo. Dass er am 16. April 2011 im Trikot des FC Energie zu seinem Profidebüt kam, hat den Herrn Papa, früher Stürmer (61 Erstligaspiele für VfB Leipzig und Cottbus, sechs Tore), mächtig stolz gemacht.

1997, als Hannover 96 und der FC Energie in zwei Relegationsspielen um den Aufstieg in die 2. Liga kämpften, war Leonardo Bittencourt drei Jahre alt. Die Geschichte von dem damaligen Rückspiel, in dem auf rätselhafte Weise zwischenzeitlich das Flutlicht ausfiel, wird ihm der heutige hannoversche Torwarttrainer Jörg Sievers demnächst sicherlich gerne mal erzählen. Als 96-Profi muss man diese Geschichte kennen ...

Bittencourt hat in Cottbus unter Trainer Claus-Dieter Wollitz vor allem im zentralen Mittelfeld gespielt. Von Wollitz schwärmt der junge Mann noch immer: „Er war wie ein zweiter Papa für mich.“ Als Wollitz gehen musste und durch Rudi Bommer ersetzt wurde, wanderte Bittencourt im Mittelfeld weiter nach rechts und vermisste schnell die Nestwärme, die ihm der alte Trainer gegeben hatte. Dass ihn Jürgen Klopp schnell für den BVB begeistern konnte, ist deshalb kein Wunder. Zum 18. Geburtstag gratulierte Klopp per Videobotschaft ...

Bleibt die Frage, ob Bittencourt nun Brasilianer oder Deutscher ist. Staatsbürgerschaften hat er beide. Er sagt: „Zu 50 Prozent bin ich ein temperamentvoller Brasilianer und zu 50 Prozent ein disziplinierter Deutscher.“ Eine interessante Mischung. Eine, die es bei Hannover 96 noch nicht gegeben hat.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt