weather-image
Trainerdiskussion bei Hannover 96

War es das für Slomka?

Mirko Slomka scheint bei Hannover 96 als Trainer keine Zukunft mehr zu haben – offiziell wird das aber wohl erst am Freitag verkündet werden.

veröffentlicht am 22.12.2013 um 18:48 Uhr
aktualisiert am 22.12.2013 um 19:22 Uhr

War-es-das-fuer-Slomka.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Eigentlich, aber ... Zumindest in den Eventualitäten sind sie bei Hannover 96 derzeit konsequent. Die Spieler wollten ja eigentlich, aber herausgekommen ist dabei in Freiburg erneut nichts; es setzte mit dem 1:2 die achte Schlappe im achten Saisonspiel in der Fremde. Zum achten Mal verdient, zum achten Mal nach mehr oder weniger enttäuschender Leistung. Und in der Vereinsführung vermitteln Klubchef Martin Kind und Sportdirektor Dirk Dufner eigentlich den Eindruck, dass sie sich von Trainer Mirko Slomka trennen wollen. Aber endgültig aussprechen wollen es beide noch nicht.

Eine Entscheidung über den Chefcoach soll es „zeitnah“ geben, aber nicht mehr vor Weihnachten. Den nächsten Freitag, den Tag nach dem 2. Festtag, hat Kind in Erwägung gezogen für eine große Analyse – mit Dufner und Slomka. Dass der Trainer dann wohl schon im Winterurlaub ist, sei nicht zu ändern, meint der 69-Jährige. „Es ist schwierig, um Weihnachten herum einen geeigneten Termin zu finden, an dem alle können.“

Und irgendwie hat man den Eindruck, dass Slomka gar nicht mehr dabei sein müsste. Denn der Klubchef hat seinem Sportdirektor mit auf den Weg gegeben, den Trainermarkt zu sondieren, bleibt aber dabei, dass 96 eigentlich noch keinen Coach kontaktiert habe. „Über Namen haben wir überhaupt noch nicht gesprochen“, sagt Kind. „Wir brauchen jetzt erst einmal eine Liste über Trainer, die auf dem Markt verfügbar sind“, sagt der 96-Boss und fügt schnell an, als er merkt, dass er sich sehr weit vorgewagt hat: „So etwas gehört doch zu einer Gesamtanalyse dazu.“

Dufner, der sich in der Vorwoche noch eindeutig zu Slomka bekannt hatte, ist seinerseits versucht, sich äußerst vage zum Trainerthema zu äußern, was ihm eindrucksvoll gelingt. „Es ist wirklich ein völlig ergebnisoffenes, langes Gespräch.“ Und fügt an: „Es gibt nicht ein Gespräch“, sagt er, „sondern es ist ein Prozess.“ Aha. Aber, wie bitte schön, soll man seine folgende Aussage anders interpretieren als die Absicht, sich von Slomka zu trennen? „Wir wollen eigentlich mit Slomka weiterarbeiten“, sagt Dufner, „aber man muss auch den Mut haben, einen Schnitt zu machen.“

Der Sportdirektor macht einen unsouveränen Eindruck. Krisenmanagement sieht anders aus. Dabei hätte er zumindest viele Argumente, die für eine Trainerentlassung sprechen, auf seiner Seite. Kind etwa hat einen Abwärtstrend der Mannschaft in der Bundesliga seit Januar angeprangert. Also seit elf Monaten. „Es ist furchtbar, alle Spiele zu verlieren – auswärts sowieso. Und zu Hause hatten wir zwar einige Siege, aber die waren zum Teil sehr glücklich“, sagt der Unternehmer. Wirklich gefallen habe ihm lediglich der Auftritt beim 4:1-Sieg gegen Mainz 05 am 31. August, aber auch das nur „mit Einschränkungen“.

Die schlechten Ergebnisse kamen oft zustande, weil trotz guter Einzelspieler keine wirkliche 96-Mannschaft auf dem Platz stand. Die Spieler wirken nicht hundertprozentig fit, über die mangelnden Laufleistungen der Hannoveraner ist hinreichend berichtet und diskutiert worden. Nicht nur in Freiburg war bei den „Roten“ kein Plan im Spielaufbau zu erkennen. Ein tempoloses Spiel, dazu lange und hohe Bälle, sind für eine ordentliche Abwehr sehr leicht zu verteidigen – und die Breisgauer verfügen nicht einmal über einen halbwegs sicheren Defensivverbund. Dennoch hatten sie kaum Probleme mit der hannoverschen Offensive. „Man muss auch sehen, gegen wen wir zuletzt enttäuscht haben“, sagt Kind, „wir haben nicht gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund gespielt, sondern gegen Nürnberg und Freiburg.“ Zwei Teams aus dem Tabellenkeller.

Slomka scheint mit seinem Latein am Ende zu sein nach der schlechtesten Hinrunde unter seiner Leitung. Die Aussagen bei Pressekonferenzen vor den jeweiligen Spielen ähnelten sich zuletzt enorm. Man wolle eine richtig gute Leistung zeigen, mutig spielen, zusammenrücken, hart arbeiten, kommunizieren, und, und und. Passiert ist auswärts nie etwas, nach dem ersten leichten Windstoß fiel das 96-Gebilde regelmäßig wie ein Kartenhaus zusammen.

Slomkas Äußerungen nach der Freiburg-Partie („Ich spüre weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen. Wir müssen in der Winterpause die richtigen Entscheidungen Maßnahmen treffen, um dann voll anzugreifen.“) mögen sich kämpferisch anhören. Doch letztlich war es genau das, was zu erwarten war. Professionell eben. Er kann ja schließlich schlecht seine Chefs zum Rauswurf auffordern. „Es ist in den letzten Monaten nicht wirklich etwas besser geworden“, hat Klubchef Kind erkannt. Er scheint sich daher auch längst gegen eine weitere Zusammenarbeit entschlossen zu haben, aber zugeben mag er es nicht. „Die Gedanken ordnen sich“, sagt er stattdessen.

Also: Eigentlich scheint das lange erfolgreiche Kapitel Mirko Slomka bei den „Roten“ beendet. Aber verkündet wird es wohl erst am nächsten Freitag.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt