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Abstiegskampf

Vorbild Braunschweig? Wenn’s hilft!

96 im Keller, die Stimmung auch: Die Euphorie vor dem Derby am Sonntag hält sich in Grenzen. In Braunschweig ist das anders. Im Keller, und zwar ganz unten, steht die Eintracht zwar schon seit dem 3. Spieltag doch die Stimmung bei Mannschaft, Fans und Umfeld ist prima.

veröffentlicht am 03.04.2014 um 20:04 Uhr
aktualisiert am 06.04.2014 um 00:15 Uhr

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Etwas stimmt da nicht, ist komisch, nicht so, wie es sein sollte. Das ist keine Beschreibung des aktuellen sportlichen Zustandes von Hannover 96, wenngleich auch die Leistungen in den vergangenen Spielen sowie der Tabellenplatz des Fußball-Bundesligisten besorgniserregend sind und so gar nicht den vor und während der Saison formulierten Zielen entsprechen. Es ist vielmehr die Stimmung rund um die Mannschaft, in den Kneipen und Büros der Stadt, die in den Tagen vor dem Derby am Sonntag (15.30 Uhr) bei Eintracht Braunschweig ungewöhnlich ist. Von großen Emotionen und hitzigen Diskussionen keine Spur, die Spannung und Aufgeregtheit, die im vergangenen November das erste Bundesliga-Duell der beiden Teams nach 37 Jahren begleiteten, hält sich in Grenzen. Für viele 96-Fans könnte die Saison schon heute abgepfiffen werden, weil die „Roten“ wenig Freude machen. Mannschaft im Keller, die Stimmung auch.

In Braunschweig ist das anders. Im Keller, und zwar ganz unten, steht die Eintracht zwar schon seit dem 3. Spieltag – der kleine Ausreißer auf Platz 17 am 12. Spieltag spielt keine Rolle –, doch die Stimmung bei Mannschaft, Fans und Umfeld ist prima. Da plaudert Verteidiger Ken Reichel nach seinem Traumtor am vergangenen Spieltag beim 1:1 in Leverkusen vor der Kamera über die prima Atmosphäre in der Kabine und freut sich wie Bolle über den Punkt bei Bayer, obwohl mehr möglich und wohl auch nötig gewesen wäre. Einen Sonderpreis für schönen Fußball wird der BTSV nicht bekommen, die Mannschaft hat jedoch andere Stärken. Sie kämpft, rennt und gibt sich nie auf, selbst wenn die Lage noch so aussichtslos erscheint.

Man darf das in Hannover nur vorsichtig aussprechen, aber sind es nicht genau diese Eigenschaften, die Braunschweig seit nunmehr 28 Spielen im permanenten Abstiegskampf an den Tag legt, die die 96-Fans bei ihrer Mannschaft jetzt in der entscheidenden Phase der Saison so sehr vermissen? Ausgerechnet der Erzrivale Braunschweig als Vorbild für 96 – das mag für viele Fans der „Roten“ undenkbar sein. Aber wenn’s hilft?

Von der Euphorie und Aufbruchstimmung zu Beginn des Jahres ist bei Hannover 96 jedenfalls nichts mehr übrig geblieben. Nach dem Trainerwechsel kamen 7000 Fans zur ersten Trainingseinheit des Jahres, bei der sich der neue Cheftrainer Tayfun Korkut den Fans zeigte. Die beiden Siege zum Rückrundenstart gegen den VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach machten Mut, doch danach verfiel die Mannschaft von Spiel zu Spiel in ihren alten Trott und leistete sich eine Lethargie, die ebenso wenig zu erklären wie zu akzeptieren ist. Wie Leidenschaft auf dem Platz aussieht, zeigen andere Mannschaften. Auch Eintracht Braunschweig.

Es wäre ein großer Fehler, würden sich die „Roten“ am Sonntag auf ihre spielerische Überlegenheit verlassen und glauben, dass sie Vorteile besitzen, weil sie die besseren Spieler im Team haben. Das alles wird im Derby kaum eine Rolle spielen. Wenn die 96-Profis den Kampf nicht annehmen und auch nur einen Zentimeter zurückweichen, werden sie dieses Spiel nicht gewinnen. Aufgrund der letzten Misserfolge stecken die „Roten“ mittendrin im Schlamassel. Plötzlich müssen sie sich im Abstiegskampf behaupten. Aber können sie auch Abstiegskampf?

Interessant ist auch die Entwicklung in den vergangenen Wochen, denn die spricht für den BTSV. Von den fünf Heimspielen in der Rückrunde hat der Aufsteiger nur die Partie gegen Dortmund mit 1:2 verloren. Während 96 in den vergangenen drei Spielen sieglos blieb, holte die Eintracht vier Punkte. Mit einem Erfolg über den Nachbarn wären die „Blau-Gelben“ auf einmal wieder gut dabei im Kampf um den Klassenerhalt.

Wenn das Experiment der Braunschweiger, mit einer allenfalls mittelmäßigen Mannschaft ohne erstligareifen Torwart und Sturm in die Saison zu gehen, doch scheitern sollte, so gehen sie erhobenen Hauptes zurück in die 2. Liga. Trotz der vielen Niederlagen und Rückschläge ist es im Verein und bei den Fans ruhig geblieben, Panikkäufe blieben aus, und auch der Trainer heißt immer noch Torsten Lieberknecht.

Bei 96 hingegen geht es nur noch darum, den Klassenerhalt so schnell wie möglich perfekt zu machen und die Saison schnell abzuhaken. Mehr gibt es für die „Roten“ nicht zu gewinnen – jedoch noch eine ganze Menge zu verlieren.



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