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96-Neuzugänge

Viel Masse, (noch) zu wenig Klasse

Elf neue Spieler hat Hannover 96 im Sommer für die neue Saison verpflichtet – doch bislang konnten nur die wenigsten von ihnen überzeugen. Den besten Eindruck hinterließen im ersten Saisonviertel Joselu und Miiko Albornoz.

veröffentlicht am 20.10.2014 um 20:22 Uhr
aktualisiert am 23.10.2014 um 00:17 Uhr

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Das Raunen wurde immer lauter. Und es ging nach und nach in ein kollektives Aufstöhnen über - begleitet von vereinzelten Pfiffen, die bei jedem weiteren Fehlpass von Ceyhun Gülselam lauter wurden. Der Mittelfeldspieler von Hannover 96 musste in der Fußball-Bundesligapartie gegen Borussia Mönchengladbach am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die Enttäuschung und der Frust der Zuschauer sich weitgehend auf eine Person fokussieren. Am Sonnabend - bei der 0:3-Niederlage gegen die Gladbacher - traf es den Neuzugang, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, regelmäßig den Ball bei den Gästen ablieferte und in der 60. Minute durch seine Auswechslung geradezu erlöst wurde.

Wer sich nach dem Abpfiff rund um das Stadion umhörte, der wurde immer wieder mit einem Thema konfrontiert: Der Frage, ob die „Roten“ bei ihren Transfers im Sommer nicht zu viel Masse und zu wenig Klasse verpflichtet haben. Insgesamt elf neue Spieler haben Trainer Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner im Anschluss an die vergangene Saison neu ins Team geholt und damit den Umbruch weiter forciert. Zwar kamen immerhin acht Neuzugänge ablösefrei nach Hannover, doch für die übrigen drei - Joselu, Hiroshi Kiyotake und Miiko Albornoz - gab der Verein zusammengerechnet mehr als 10 Millionen Euro aus. Und das führt nicht nur bei Klubchef Martin Kind, der angesichts der schwachen Vorstellung gegen Mönchengladbach ziemlich sauer war, zu einer gewissen Erwartungshaltung. Nur, dass die von den Neuzugängen bislang kaum einer erfüllen konnte.

Den besten Eindruck hinterließen im ersten Saisonviertel noch der spanische Stürmer Joselu, der für 5 Millionen Euro Ablöse aus Hoffenheim kam und damit zugleich der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte war, und der Chilene Albornoz, für den 96 etwa 1,5 Millionen Euro nach Malmö überwiesen hat. Doch selbst bei diesem Duo gelten Einschränkungen: Joselu erzielte in neun Pflichtspielen zwar bereits vier Tore und ist spielerisch sicherlich einer der besten Angreifer der Liga, wirkte zuletzt angesichts fehlender Zuspiele aus dem Mittelfeld aber etwas lustlos. Und Albornoz überraschte zu Saisonbeginn mit starken Leistungen auf der linken Seite, plagt sich aber bereits seit Wochen mit Achillessehnenproblemen herum und stand am Sonnabend deshalb gar nicht erst im Kader.

Der Rest der Neuzugänge konnte sich die Bezeichnung „Verstärkung“ bislang nicht wirklich verdienen. Die größte Enttäuschung ist dabei Kiyotake. Der Japaner, für den Absteiger 1. FC Nürnberg mehr als 4 Millionen Euro erhielt, stand in sieben von acht Bundesligaspielen in der Startelf und ließ in einzelnen Szenen auch seine technischen Möglichkeiten aufblitzen. Doch die Bindung zum Rest der Mannschaft lässt trotz großer Laufbereitschaft ebenso noch zu wünschen übrig wie sein Zweikampfverhalten.

Und dann wäre da eben noch Gülselam. Der 26-Jährige war so etwas wie die große „Wundertüte“, als sein ablösefreier Wechsel von Galatasaray Istanbul zu 96 Ende Juli verkündet wurde. Doch von der Neugier auf den in Deutschland weitgehend unbekannten sechsmaligen türkischen Nationalspieler ist inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben. Ganz im Gegenteil. Dass Korkut seinen Landsmann in Paderborn aus taktischen Gründen dem bei den Fans überaus beliebten Leon Andreasen im defensiven Mittelfeld vorzog, stieß bei nicht wenigen Beobachtern auf Unverständnis. Zumal der Däne noch eine Woche zuvor beim 2:0-Sieg über den Hamburger SV den wichtigen Führungstreffer erzielt hatte.

Spätestens mit seinem erschreckend schwachen Auftritt gegen Mönchengladbach dürfte Gülselam ein Stück weit in die Rolle des Sündenbocks gerutscht sein. Herausholen kann er sich aus dieser Situation eigentlich nur selbst. Mit guten Leistungen. Und das gilt auch für die anderen Neuzugänge. Sie haben noch immer die Chance, zu beweisen, dass sie durchaus Verstärkungen sein können. Dann wird aus dem Raunen und Stöhnen ganz schnell wieder Jubel.



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