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Heute wird es ernst für Slomka

Tag der Entscheidung

Eine Entscheidung über eine mögliche Trennung von Trainer Mirko Slomka soll bei 96 „frühestens“ heute fallen. Denn da trifft sich 96-Klubchef Kind mit Aufsichtsratsmitgliedern und Gesellschaftern, um eine Lösung zu finden.

veröffentlicht am 27.12.2013 um 07:08 Uhr
aktualisiert am 30.12.2013 um 00:15 Uhr

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Bei den „Roten“ steht eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen steht an: Es geht darum, ob sich der Fußball-Bundesligist von Mirko Slomka trennt oder der frühere Erfolgstrainer eine weitere Chance bekommt, den sportlich ins Taumeln geratenen Klub in der Rückrunde wieder auf sichere Füße zu stellen. „Ich würde empfehlen, darauf am Freitag eine Antwort zu geben“, sagte Kind gestern.

Dazu will der 69-Jährige heute die Meinung des Aufsichtsrates und der Gesellschafter des Klubs einholen. Gegebenenfalls soll kurzfristig eine Zusammenkunft der Entscheidungsträger einberufen werden. Das Wort der sieben Investoren, zu denen auch Kind gehört, dürfte besonderes Gewicht haben; es geht außer um sportliche Perspektiven auch um viel Geld. Die Trennung von Slomka, der 96 seit Januar 2010 trainiert, würde für den Klub aufgrund der im Arbeitsvertrag festgeschriebenen Abfindung in siebenstelliger Höhe und damit einhergehender weiterer Personalentscheidungen zu einem finanziellen Kraftakt werden. Andererseits birgt auch ein weiterer Abwärtstrend in der Fußball-Bundesliga erhebliche wirtschaftliche Risiken.

Hannover 96 geht nach nur einem Sieg aus den zurückliegenden elf Spielen als Tabellen-13. in die Winterpause. Am 5. Januar 2014 soll die Vorbereitung auf die Rückrunde starten. Sportliche Tendenz und Äußerungen der Klubverantwortlichen aus den vergangenen Tagen lassen darauf schließen, dass Slomka dann nicht mehr das Sagen haben wird. Kind hat mit dem Trainer, der derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten Urlaub macht und erst kommende Woche nach Hannover zurückkehrt, zuletzt Mitte voriger Woche gesprochen. Der Kontakt läuft über Harun Arslan, der Klubchef bestätigte ein Treffen mit Slomkas Berater kurz vor Weihnachten. „Über Modalitäten wurde nicht gesprochen“, sagte Kind auf Nachfrage. „Klar ist: Herr Slomka würde gerne weitermachen. Er kämpft.“

Überhaupt, das versichert der 96-Klubchef, seien andere Entscheidungen noch in der Schwebe. Dazu zählten Anforderungen, die ein neuer Chefcoach erfüllen müsste. Zwar habe er in den vergangenen Tagen mit Sportdirektor Dirk Dufner gesprochen, es seien aber keine Festlegungen getroffen worden. Man wolle erst in dem einen Punkt Klarheit schaffen – und das soll möglichst heute geschehen. „Entweder es geht weiter mit Mirko Slomka, oder es geht nicht weiter mit Mirko Slomka“, sagte Kind. Alles andere sei hypothetisch.

Der Klubchef räumt ein, dass die öffentlichen Diskussionen zum Trainer-Thema für Slomka recht belastend seien. Kind gibt zu, „dass ein paar Dinge nicht ganz glücklich gelaufen sind“; er sei auch nicht in jedem Fall korrekt zitiert worden. Nach außen ist über die Feiertage jedenfalls der Eindruck entstanden, dass 96 nicht nur in der Liga keine gute Figur macht.

Unabhängig von der Entscheidung, ob 96 an Slomka festhält oder sich aber für einen anderen Trainer entscheidet: Es gilt bei den „Roten“ einiges aufzuarbeiten im sportlichen Bereich. Ein paar Punkte einer Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die Pläne, das eigene Nachwuchsleistungszentrum NLZ strukturell deutlich aufzuwerten, hat 96 schon lange in der Schublade liegen. Für die Umsetzung sollen im nächsten Jahren auch etliche Millionen Euro locker gemacht werden. Verglichen mit anderen Bundesligisten hat der hannoversche Klub hier einiges nachzuholen – und am Trainer der Profi-Elf wäre es, mittel- und langfristig stärker auf diese Karte zu setzen. Unter Mirko Slomka hat es kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs geschafft, so auf sich aufmerksam zu machen, um sich nachdrücklich für die Bundesliga zu empfehlen. Da reichte es nur zu Plätzen als Lückenbüßer (wie jüngst Valmir Sulejmani) oder als Alibi-Profi, um Lizenzauflagen zu erfüllen (Almir Kasumovic). Zudem herrscht im NLZ ein ungelöster Konflikt zwischen Trainern und dem umstrittenen Sportlichen Leiter Slaven Skeledzic.

Vielen Fans fällt es zunehmend schwerer, das klingt immer wieder an, die Mannschaft als die ihre auszumachen. Etliche ausländische Profis scheinen nicht wirklich angekommen zu sein in Hannover, hingegen wurden beliebte Spieler wie der Norweger Mohammed Abdellaoue (jetzt in Stuttgart) vergrault. Bei der Zusammenstellung des Kaders, was nicht nur dem Trainer obliegt, sondern auch Sache des Sportdirektors ist, wäre in der Hinsicht mehr Fingerspitzengefühl angebracht.

Seit Wochen und Monaten ist das die große Unbekannte bei 96. Die Aktionen wirkten meist planlos, Ausdruck dafür sind immer wieder lang geschlagene Pässe auf die Stürmer. Spielerische Akzente aus dem Mittelfeld: Fehlanzeige. Damit sind der Elf die Überraschungsmomente abhanden gekommen. Hier liegt einiges im Argen; die viel diskutierte Fitnessproblematik gehört dazu.

Man muss Slomka zugestehen, dass er eine 1A-Figur abgibt, wenn sich Fernsehkameras und Mikrofone auf ihn richten. Doch er kann auch anders, wenn der Kreis kleiner ist und ihm bestimmte Sachen nicht in den Kram passen. Dann kann er ausgesprochen einsilbig werden, wie es auch mancher Spieler erfahren musste. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb dazu dieser Tage: „Wenn er am Ende sogar mit Kritik konfrontiert wird, dann ist Schluss mit lustig.“ Ein weiterer Vorwurf, aus dem gelernt werden muss, lautet: Slomka habe sich vornehmlich mit Jasagern umgeben.



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