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Slomka will wieder Trainer bei 96 werden

Bei Hannover 96 werden derzeit mehr Trainerkandidaten gehandelt, als die Mannschaft Punkte auf dem Konto hat. Der Name von Mirko Slomka fällt immer. Die Fans spaltet eine mögliche Rückkehr des 48-Jährigen in zwei Lager. Er selbst sagt: Wenn mich jemand fragt, würde es mir sehr schwer fallen, Nein zu sagen.

veröffentlicht am 06.04.2016 um 08:16 Uhr
aktualisiert am 09.04.2016 um 00:21 Uhr

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Seit sich die Fußballfans in Hannover keine Gedanken mehr machen müssen, ob 96 in der 1. Liga bleibt oder nicht, dreht sich alles um die eine Frage, an der alles andere hängt, was die Zukunft in der 2. Liga betrifft: Wer wird der neue Trainer? Und weil es in Hannover derzeit mehr Kandidatennamen gibt, als überhaupt in die geräumigste Gerüchteküche passen, sind Umfragen sehr beliebt.

Einen kleinen, netten Scherz erlaubte sich am Dienstag der NDR, der vier Vorschläge zur Abstimmung machte. Zur Wahl standen an erster Stelle Mirko Slomka, außerdem Holger Stanislawski, ein gewisser Mister X und Peter Neu(Anfang)rurer.Okay, dieser Mister X hat bisher noch keinen Bundesligaclub trainiert und scheidet deshalb vermutlich aus. Stanislawski muss sich um seinen Rewe-Supermarkt in Hamburg-Winterhude kümmern, und für Peter Neururer ist es bitter, dass er nur noch für Wortspiele infrage kommt. Auf seriösen Kandidatenlisten taucht er nicht mehr auf, obwohl Hannover 96 ziemlich genau vor einem Jahr, als Tayfun Korkut gehen musste, mit ihm sogar verhandelt hatte.

Slomka dagegen taucht überall auf: in allen Berichten über die Trainersuche, in allen Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern, in den Gesprächen am Rande des Trainingsplatzes. Für die „Bild“-Zeitung, die Slomka selten ohne den Zusatz „Erfolgstrainer“ vorstellt, ist der 48-Jährige der „heißeste Kandidat“. Slomkaselbst hat sein Interesse am Trainer-Job bei 96 bestätigt. Wenn mich jemand fragen würde, dann würde es mir sehr schwer fallen, nicht in die Diskussion einzusteigen oder gar Nein zu sagen, sagte der derzeit vereinslose Trainer dem Pay-TV-Sender Sky. Soll heißen: er würde den Job wohl machen. Einzige Einschränkung: Noch ist er nicht gefragt worden.

Das mit dem Erfolg ist nicht von der Hand zu weisen: Anfang 2010 holten die „Roten“ Slomka in großer Not, mit Ach und Krach schaffte er den Klassenerhalt am letzten Spieltag in Bochum, danach führte er den Verein zweimal sensationell – das Wort ist in diesem Zusammenhang wirklich keine Übertreibung – in die Europa League. Die Spiele gegen den FC Sevilla, Standard Lüttich oder Atletico Madrid sind bis heute unvergessen, und viele Fans bekommen Tränen in die Augen, wenn sie angesichts des bevorstehenden Abstiegs daran denken, dass das letzte Europacup-Spiel gerade einmal drei Jahre her ist. Der Name Slomka ist mit dieser Zeit eng verbunden. Aber ist Nostalgie ein guter Berater, wenn es um die Planungen für die Zukunft geht? „Aufgewärmtes schmeckt selten gut“, sagte am vergangenen Sonntag der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder in einer Expertenrunde beim Bezahlfernsehsender „Sky“.

Wer immer der neue Trainer wird, die Gegner werden nicht mehr Sevilla und Madrid heißen, sondern Heidenheim und Sandhausen. Und wer immer 96 in der 2. Liga übernimmt, wird einen schmerzhaften Neuaufbau einleiten müssen und vor allem ein gutes Händchen und viel Glück bei den Transfers brauchen. „Slomka gilt als Intimus der Boulevardpresse, der Krisen mit jovialem Autoverkäufercharme wegmoderieren kann“, schrieb in diesen Tagen das Magazin „11 Freunde“. Aber könnte er auch 2. Liga und Aufstieg?

Im Mai 2002, als die „Roten“ nach langer Durststrecke in die 1. Liga zurückkehrten, war Slomka dabei – als Assistent von Ralf Rangnick. Wenn stimmt, was man in Hannover erzählt, dann hat Slomka, der seit seinem Rauswurf beim Hamburger SV am 14. September 2014 (nach einer Niederlage gegen 96) ohne Trainerjob ist, Interesse an einer Rückkehr. Und dass er als Hannoveraner nicht erst beweisen muss, dass ihm die Region und die Menschen am Herzen liegen, übt auf viele Fans einen gewissen Charme aus.

Auf der anderen Seite polarisiert Slomka wie kein anderer Trainerkandidat die Anhänger. Für die einen ist er der Erfolgstrainer. Andere Fans haben bereits angedroht, nicht mehr ins Stadion zu gehen, sollte Slomka wieder Trainer werden; sie haben das damalige Gespreize bei seiner Vertragsverlängerung und den Dauerstreit mit Sportdirektor Jörg Schmadtke in unschöner Erinnerung.

Wie früher ist der 48-Jährige im hannoverschen Stadtleben präsent, war in diesem Jahr bei den Lindener Narren, bei der Geburtstagsfeier des Fahrgastfernsehens oder als Gast von Sat.1 beim Tennis-Daviscup-Spiel in der Tui-Arena. Beim „Ball des Sports“ im Kuppelsaal traf man ihn freundlich und gut gelaunt. Auf der Bühne gab er einen souveränen Laudator und machte dabei auf so unnachahmlich-überzeugende Weise Werbung für die Elektrofachmärkte von „Expert“, dass sich einige Ballgäste gleich am nächsten Tag einen Flachbildschirm kaufen wollten.

Es ist nicht lange her, da hat 96-Clubchef Martin Kind gesagt, dass er sich Slomka wieder als Trainer in Hannover vorstellen könne, allerdings sei die Zeit noch nicht reif. Seitdem ist viel passiert bei 96. Ist es schon Zeit für zurück in die Zukunft?

hr/dpa



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